Neckarsulm: Kommunales Flüchtlingsmanagement

Arbeitsgruppe Asyl erarbeitet Strategiekonzept mit Handlungsempfehlungen

 Neckarsulm. (snp) Die Stadt Neckarsulm hat in einem Handlungskonzept Strategien entwickelt, um die Herausforderungen beim kommunalen Flüchtlingsmanagement zu bewältigen. Erarbeitet wurde das Konzept von der verwaltungsinternen, interdisziplinär besetzten Arbeitsgruppe Asyl unter Federführung der Flüchtlingskoordinatoren Markus Mühlbeyer und Julia Bruns. Nachzulesen ist es auf der Homepage der Stadt im Internet unter www.neckarsulm.de > Familie & Soziales > Integration > Asyl.  

Das Strategiekonzept geht davon aus, dass der Zuzug von Flüchtlingen in Neckarsulm keine zeitlich begrenzte Herausforderung ist, sondern ein langfristiges gesellschaftliches Phänomen, das alle Bereiche der Stadtgesellschaft tangiert. Dementsprechend vielfältig sind die Arbeitsschwerpunkte, die das Konzept definiert. Dazu gehört in erster Linie die Bereitstellung von Wohnraum. Derzeit sind rund 400 Asylbewerber in Neckarsulm vorläufig untergebracht. Sobald die Asylverfahren abgeschlossen sind, spätestens aber nach 24 Monaten wechseln die Flüchtlinge in die kommunale Anschlussunterbringung. Das bedeutet, dass nicht mehr das Landratsamt, sondern die Stadt für die Unterbringung dieser Menschen zuständig ist.

Die Stadt rechnet von 2017 an mit einem Bedarf von 75 Wohnungen, die pro Jahr für Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung zur Verfügung gestellt werden müssen. Dies macht den Bau neuer Wohnungen erforderlich, die als mobile Unterkünfte, in modularer Fertigbauweise oder als Massivbauten entstehen könnten. Um den kurzfristigen Bedarf in diesem Jahr zu decken, plant die Stadt die Sanierung ihrer im Bestand verfügbaren Wohnungen. Diese reichen aber bei weitem nicht aus, um die weiter zuziehenden Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung zu versorgen. Daher sind Neubauten vom kommenden Jahr an unerlässlich.

In seiner Aprilsitzung wird der Gemeinderat unter anderem entscheiden, wo und in welcher Form neue Unterkünfte zur Anschlussunterbringung in Neckarsulm errichtet werden sollen. Zudem legen die Stadträte per Beschluss fest, welche Grundstücke die Stadt dem Landkreis zur vorläufigen Unterbringung von Flüchtlingen in Neckarsulm anbieten kann. Auch über die Sanierung der Bestandswohnungen wird in dieser Sitzung öffentlich entschieden. Sie findet am 28. April um 16 Uhr im Kultursaal der Ballei statt.

Die Unterbringung der Flüchtlinge ist eine der größten Herausforderungen. Darüber hinaus ist die Integration der in Neckarsulm Schutz suchenden Menschen eine der wichtigsten Aufgaben. Sie umfasst verschiedene Bereiche wie die soziale Betreuung, die Kinderbetreuung und das Schulwesen, die Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit, Arbeit und Ausbildung. Auch zu diesen Handlungsfeldern formuliert das Strategiekonzept Handlungsempfehlungen, über die der Gemeinderat jeweils einzeln entscheiden muss. Dazu gehört zum Beispiel die Frage, ob die Stadt Praktikumsplätze oder Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge anbieten kann. Außerdem werden der Aufbau eines Dolmetscherpools und ein Patenschafts-Programm vorgeschlagen.         

Die finanziellen Auswirkungen des kommunalen Flüchtlingsmanagements können bislang nur geschätzt werden. Nicht nur die Schaffung des erforderlichen Wohnraums verursacht hohe Kosten. Hinzu kommen jährliche Folgekosten in beträchtlicher Höhe, unter anderem für Sach- und Projektmittel, durch Abschreibungen und nicht zuletzt für zusätzliches Personal. So schlägt die Verwaltung unter anderem vor, die befristete Stelle eines Flüchtlingskoordinators zu schaffen. Der Stelleninhaber soll von 2017 an die Aufgaben übernehmen, die der Kinder- und Jugendreferent Markus Mühlbeyer und die Integrationsbeauftragte Julia Bruns für das laufende Jahr übergangsweise übernommen haben.

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