Facebook fördert Verwandtschaft zutage

Familienzusammenführungen unter der „Sonne“ Osterburkens


 Caroline Condon an ihrem 90. Geburtstag mit ihrer Urenkelin Sarah. (Foto: privat)
(pm) Wenn Caroline Condon am morgigen 03. August in Lenoir im US-Bundesstaat North Carolina ihren 95. Geburtstag feiert, werden ihr auch Glückwünsche aus Osterburken ins Haus flattern. Eine der Gratulantinnen wird die Bundestagsabgeordnete und CDU-Stadtverbandsvorsitzende Margaret Horb sein. Als Tochter des ehemaligen „Sonnenwirts“ Klaus Rodemer ist sie mit der Jubilarin weitläufig verwandt. Dies wiederum brachte aber erst Caroline Condons Tochter Mary Schultz vor einigen Wochen ans Licht – und deckte damit Jahrhunderte alte Verwandtschaftsbeziehungen auch anderer Familien aus dem Neckar-Odenwald-Kreis in die USA auf.

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„Was etwas kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach“, sagt Horb. „Kurz nachdem ich die Facebook-Seite der CDU Osterburken in diesem Frühjahr eingerichtet hatte, erreichte mich eine Nachricht aus den USA: Mary Schultz schrieb mir, die Vorfahren ihrer Mutter Caroline Condon, die demnächst ihren 95. Geburtstag feiere, stammten aus Osterburken. Als echte und neugierige ‚Borkemer Wüschele‘ wollten wir im Stadtverband darüber natürlich mehr wissen. Schließlich erreichte uns im Frühsommer aus den USA ein fast 200-seitiges Stammbuch der Familie Linder, das in Verbindung mit der mittlerweile gewachsenen Facebook-Freundschaft etliche Osterburkener Verwandtschaftsbeziehungen enthüllt; unter anderem zu meinem Elternhaus, dem Gasthof ‚Sonne‘.“ Denn Angehörige der Familie Linder hatten die „Sonne“ in früheren Jahren bewirtschaftet. Einer der Linders sei nach Informationen von Mary Schultz in die USA ausgewandert und habe um das Jahr 1900 in New York eine Bar eröffnet. „Meine Großmutter väterlicherseits war eine geborene Linder“, erläutert Horb weiter. „Ihr Großcousin Herrmann Linder war Vorbesitzer des Gasthofs ‚Sonne‘. Von dessen Tochter wiederum kauften meine Eltern Klaus und Hannelore Rodemer den Betrieb. Er blieb also, wenn auch unter anderem Namen, in der Familie.“

Bei den Linders hat der Gastwirtsberuf Tradition: Der Stammbaum geht zurück bis auf den vermutlich um 1640 geborenen Michaelis Linder. Schon ihn weist seine Heiratsurkunde als einfachen Kneipenwirt aus. Sein Sohn Georg hingegen war ein gelernter Zimmermann, der am 14. Januar 1683 in Mosbach Barbara Volckh ehelichte.

Ausdrückliche Erwähnung findet in dem Stammbuch aus den USA, dessen Cover ein Bild des Osterburkener Stadtturms schmückt, auch ein von Konrad von Dürn im Jahr 1236 angeblich in Osterburken gegründetes Zisterzienserkloster, bei dem es sich um das ehemalige, zwischen Schlierstadt und Zimmern auf Osterburkener Gemarkung gelegene Kloster Seligental handeln muss.

Über die neu gewonnenen familiengeschichtlichen Erkenntnisse freut sich nicht nur Margaret Horb. Wie ihr Mary Schultz mitteilte, sei ihre Mutter begeistert gewesen, als sie von den lebenden Verwandten in Osterburken erfuhr. „Bei aller berechtigten Kritik an negativen Auswüchsen des Internets ist diese Geschichte ein Paradebeispiel dafür, wie soziale Medien die Menschen über Kontinente hinweg zueinander bringen und sogar Bande, die im Lauf der Jahrhunderte verschlissen sind, neu zusammenknüpfen können“, sagt Horb. „Die große Welt wird klein, jeder ist uns nah. Diese Nähe birgt gerade in einer Welt voller Krisen nicht nur Gefahren, sondern in erster Linie positive Möglichkeiten. Denn nur von Nahem kann man einander die Hände reichen.“ Auch deswegen, so Horb, würde sie sich „außerordentlich freuen, wenn die CDU Osterburken mithilfe des unverhofft erhaltenen Stammbuchs dazu beitragen könnte, noch mehr vergessene Verwandtschaftsbeziehungen zwischen dem Neckar-Odenwald-Kreis und den USA wiederzubeleben, denn in dem Buch finden sich die Namen etlicher alteingesessener Familien aus unserer Region.“

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