Die verlorenen Traditionsklubs

(Foto: ©istock.com/Suphaporn)

Zur Saison 2020/21 soll eine Regionalliga-Reform die bisher fünfgleisige vierte Spielklasse besser strukturieren, wovon wohl auch die 3. Liga betroffen sein wird. In beiden Spielkassen tummeln sich zahlreiche Profivereine, die einmal in der Bundesliga gespielt haben und lieber heute als morgen dort wieder spielen würden. Einer von ihnen, der SV Waldhof Mannheim, wird nächste Saison zumindest wieder drittklassig spielen, denn die Meisterschaft in der Regionalliga Südwest ist dem Klub nicht mehr zu nehmen.

Drei Ligen zählt der Profifußball in Deutschland, die 3. Liga ist die jüngste davon, zur Saison 2008/09 wurde sie eingeführt. Ziel war es, eine höhere Leistungsdichte zu gewährleisten und durch eine einfache und bessere Vermarktung mehr Aufmerksamkeit und so auch mehr Geld zu generieren. Eine 3. Liga, in der ehemalige Traditionsklubs gegeneinander spielten, das klang lukrativ und spannend zugleich. Doch ein Jahrzehnt später ist festzustellen, dass die dritte Spielklasse für viele Vereine ein finanzieller Drahtseilakt ist, auch durch hohe Auflagen seitens des DFB bedingt, was beispielsweise Mindestvoraussetzungen für Stadien angeht, die eine Kapazität von 10.000 Zuschauern nicht unterschreiten dürfen – ein Drittel der Plätze muss zudem überdacht sein.

Auch namhafte Vereine sind betroffen, wie der 1. FC Kaiserslautern, Deutscher Meister von 1997/98, dem die Insolvenz und der Lizenzentzug für die 3. Liga droht. Aber die Roten Teufel sind nur eine von vielen Mannschaften, die die 3. Liga finanziell an eine gefährliche Grenze bringt.

Sammelbecken für namhafte Traditionsklubs

Es ist nicht nur der große Name, das Selbstverständnis, zum Kreis der 1. und 2. Bundesliga dazuzugehören, der die Vereine dazu bringt, ein finanzielles Risiko einzugehen und auf die Karte Aufstieg zu setzen. Wer in die 3. Liga aufsteigt, muss den großen Schnitt vom Amateur- in den Profibereich bewältigen, wer aus der 2. Bundesliga absteigt, hingegen auf viele Einnahmen wie TV-Gelder oder – sofern der direkte Wiederaufstieg nicht gelingt – aus dem DFB-Pokal verzichten.

Auch ein Investor ist nicht zwangsläufig die Lösung, wie die Beispiele TSV 1860 München oder aktuell KFC Uerdingen zeigen. Außerdem ist die Konkurrenz nicht gerade klein: Mit dem 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig kamen zwei ehemalige Bundesligavereine aus der 2. Liga und auch die drei Regionalliga-Aufsteiger – Energie Cottbus, KFC Uerdingen und TSV 1860 München – haben früher in der Bundesliga gespielt. 1860, der 1. FCK und die Eintracht gehörten 1963 sogar zu den Gründungsmitgliedern. Von den restlichen 15 Mannschaften der aktuellen 3.-Liga-Saison spielten bereits fünf einmal in der Bundesliga. Und wie die Aufsteiger zeigen, kommt auch aus der Regionalliga Konkurrenz nach.

Die Regionalliga-Problematik

Hier wird ein weiteres Problem für die Vereine sichtbar, nämlich der Übergang von den fünf Regionalliga-Staffeln in die eingleisige 3. Liga. Bis zur letzten Saison gab es für die Regionalliga, bestehend aus den Ligen West, Nord, Nordost, Südwest und Bayern lediglich drei Aufstiegsplätze, die zwischen den fünf Meistern und dem Zweiten der Regionalliga Südwest (die den größten Landesverband stellt) ausgespielt wurden. Seit dieser Saison gibt es bis 2020/21, wenn die Regionalliga-Reform greift, eine Übergangslösung: Der zweite Relegationsplatz für die Regionalliga Südwest entfällt, dafür steigt der Meister direkt auf, ebenso wie diese Saison die Meister Nordost und West. Da die Meister der Regionalligen Nord und Bayern den vierten Aufsteiger untereinander ausspielen, steigen ihre Meister in der nächsten Saison direkt auf, dafür müssen nun Nordost und West gegeneinander in die Relegation.

Wie die Lösung danach ausschaut? Das ist noch nicht sicher, die Reform noch in Arbeit. Da sich eine Reduzierung von fünf auf vier Regionalligen vermutlich nicht durchsetzen lässt, sind auch eine Aufstockung der 3. Liga von 20 auf 22 Vereinen mit dann fünf Absteigern oder eine zweigleisige 3. Liga im Gespräch, was noch mehr Spieltage bedeutet, die es im Überblick zu behalten gilt. Ob es aber soweit kommt, steht noch in den Sternen.

SV Waldhof Mannheim – zurück im Profifußball

Wie schwierig es sein kann, von der Regionalliga in die 3. Liga aufzusteigen, musste der ehemalige Bundesligist SV Waldhof Mannheim in den letzten drei Jahren erfahren. Als Meister der Regionalliga Südwest scheiterte Mannheim 2016 in der Aufstiegsrunde gegen die Sportfreunde Lotte und jeweils als Vizemeister in den beiden Jahren darauf gegen den SV Meppen bzw. gegen KFC Uerdingen. Im vierten Anlauf hintereinander ist der SV Waldhof Mannheim nun endlich erfolgreich und wird als Meister der Regionalliga Südwest diese Saison in die 3. Liga aufsteigen.

Auch mit einem möglichen 3-Punkte-Abzug, der in letzter Instanz jedoch noch nicht bestätigt worden ist, ist der Punktevorsprung vier Spieltage vor Schluss uneinholbar. Es ist der erste Aufstieg für den SV Waldhof in die 3. Liga seit deren Bestehen und der größte Erfolg, seitdem der Klub 2003 aus der 2. Bundesliga wegen finanzieller Engpässe direkt in die Oberliga Baden-Württemberg absteigen musste.

Ziel wird nächste Saison erst mal der Klassenerhalt sein, aber mittelfristig will der Traditionsverein aus Mannheim dahin zurück, wo er schon einmal war, nämlich in die 2., vielleicht sogar in die 1. Bundesliga. Dorthin stieg der SV Waldhof 1983 auf, bevor es sieben Jahre wieder runterging. 1992, 1993 und 2001 scheiterte der Verein nur knapp auf dem Aufstieg ins Oberhaus. Jetzt kehrt Mannheim zurück in den Profifußball.


(Foto: ©istock.com/andresr)

Artikel teilen:

Zum Weiterlesen: