Virusangst in der ambulanten Pflege

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 Mal ganz anders für die soziale Sache im Einsatz: In der Evangelischen Sozialstation Mosbach werden Stoffzuschnitte für die selbstgenähten Behelfsgesichtsmasken vorbereitet, mit denen die Pflegekräfte ausgestattet werden sollen. (Foto: Karolin Moscherosch)

Evangelische Sozialstation Mosbach findet kreative Lösung für knapper werdende Schutzausrüstung_ Mosbach. (pm) Ältere Menschen können besonders schwer von COVID-19 betroffen sein, der Lungenkrankheit, die durch das neuartige Coronavirus ausgelöst wird. Deshalb wurden inzwischen spezielle Maßnahmen getroffen, um diese Risikogruppe zu schützen. Tagespflegen und Betreuungsgruppen wurden geschlossen und Pflegeheime für Besucher abgeriegelt; allgemein sollen Sozialkontakte auf ein Minimum reduziert werden. Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus ist groß.

Verunsicherungen gibt es besonders bei Pflegebedürftigen, die zu Hause leben und auch während der Corona-Pandemie auf fremde Hilfe im Alltag angewiesen sind. Viele Angehörige würden am liebsten keine Pflegekraft oder Hauswirtschafterin mehr in die Wohnung lassen. Andererseits nehmen Pflegedienste oftmals keine neuen Patienten mehr auf, insbesondere wenn diese ohne Corona-Test aus dem Krankenhaus oder der Kurzzeitpflege entlassen werden. Die Sorge vor einer Weiterverbreitung des Virus existiert auf beiden Seiten.

Mit gewissen Vorkehrungen geht der ambulante Pflegealltag jedoch auch in Zeiten von Corona weiter. „Wir nehmen die Situation sehr ernst“, betont Olga Arnold, Geschäftsführerin der Evangelischen Sozialstation Mosbach. Dort gibt es inzwischen spezielle „Corona-Regeln“. So haben die Pflegekräfte untereinander keinen direkten Kontakt mehr; die Übergabe zwischen den Schichten erfolgt am Telefon.

Alle Mitarbeitenden wurden hinsichtlich der Infektionsschutzmaßnahmen geschult. Jeden zweiten Tag bespricht Olga Arnold die aktuelle Lage mit den Pflegedienstleitungen und den Bereichsleitungen der Hauswirtschaft, um kurzfristig reagieren zu können. Die Geschäftsführerin spürt, wie sehr den Mitarbeitenden das Wohlergehen der Patienten am Herzen liegt, denn alle treten ihren Dienst an – trotz Virusangst und fehlender Kinderbetreuung.

„Wir sind voll einsatzfähig und haben aktuell keine gesundheitlichen Einschränkungen bei unseren Mitarbeitenden. Und auch keiner unserer Patienten ist bisher am Virus erkrankt . Die Menschen können wie gewohnt versorgt werden“, berichtet Olga Arnold erleichtert. Gleichzeitig sieht sie ein großes Problem auf sich und ihr Team zukommen: Die Schutzausrüstung ist mehr als knapp.

Das Hauptproblem sind fehlende Gesichtsmasken. Nachschub ist zur Zeit kaum zu bekommen. Eine kreative Lösung wurde jedoch bereits gefunden: Mitarbeitende und Ehrenamtliche nähen fleißig Behelfsmasken aus Stoff. Ebenso wollen die Firma Betten-Stumpf aus Aglasterhausen, die Kolpingfamilie Mudau sowie die Näherinnen der Eichhörnchen-Nothilfe „Villa Nusspli“ aus Billigheim selbst gefertigte Gesichtsmasken an die Evangelische Sozialstation spenden.

Die Firma Solvay aus Bad Wimpfen stellt zudem 20 Liter Händedesinfektionsmittel kostenfrei bereit. „Wir wissen das Engagement und die Verbundenheit sehr zu schätzen“, sagt Olga Arnold dankbar.

Verbundenheit wünscht sich auch Geschäftsführer-Kollege Marcus Dietrich: „Die Pflegebedürftigen sollen ihre Aufträge in der ambulanten Pflege und der Hauswirtschaft nicht zurückziehen. Wir sind auf lokale Solidarität angewiesen.“ Durch die vorrübergehende Schließung der beiden Tagespflegen in Haßmersheim und Neckarburken muss die Evangelische Sozialstation erhebliche Einnahmeausfälle verkraften, die im Gegensatz zu den Kindergärten von Land und Kommunen nicht ausgeglichen werden.

Hinzu kommt, dass viele Aufträge im Bereich Hauswirtschaftshilfe aus Angst vor einer Virusübertragung weg brechen. „Auch unsere Hauswirtschafterinnen sind mit den Hygienemaßnahmen vertraut“, erklärt jedoch Marcus Dietrich. „Zudem kann man bei Tätigkeiten im Haushalt einen maximalen Abstand zum Patienten einhalten.“
Auch wer nicht pflegebedürftig ist, kann in Zeiten von Corona schnell auf fremde Hilfe angewiesen sein.

Für ältere Menschen stellt selbst das Einkaufen im Supermarkt ein Gesundheitsrisiko dar. Die Evangelische Sozialstation bietet daher auch eine Nachbarschaftshilfe an für alle Älteren, die keine Angehörigen in der Nähe haben. Mitarbeitende übernehmen in diesen Fällen dann auch Einkäufe und andere Dienstleistungen. „Wir tun unser Möglichstes,“ fassen die beiden Geschäftsführenden Olga Arnold und Marcus Dietrich zusammen, „wir sind für alle da, die unsere Hilfe brauchen.“

Die Evangelische Sozialstation Mosbach ist auch weiterhin von 8 bis 17 Uhr telefonisch erreichbar: (0 62 61) 93 33 0.

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1 Kommentar

  1. Hey ich werde von dem DRK Mosbach betreut, nach anfänglichem Abbruch der Betreuung wegen Corona wurde nochmals beraten und jetzt wird weiter betreut. So ist der Stand im Moment, allerdings kommen andere Personen, es ist schon so das ganz viele angestellte (also ich weiß es bloß vom DRK)
    Überstunden abbauen oder Urlaub haben, das ist ja auch logisch wenn man die Kräfte konzentriert.
    Also ich kann mir „vorstellen“ wenn man zum Beispiel im Krankenhaus die Operationen Verschiebt das
    dann viele Kräfte freigesetzt werden also sozusagen nicht gebraucht werden.
    Also Das währe „Schlecht“ gewesen wenn man manche gerade Psychisch Seelisch kranke nicht mehr betreut hätte. Also die, die ja schon unter einer psychischen Beeinträchtigung leiden. Aber manchmal mache auch Spezialisten unlogische Sachen, ich muss immer dran denken wenn jemand wegen dem Beruf Psychisch krank geworden ist, die Person dann unbedingt zum Arbeiten bringen wollen.
    „Weil das ja so normal ist“ Darf man das überhaupt Schreiben??
    Ich sags ja immer was wilsch mache! Gruß Peter Ertl

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