Corona-Lage spitzt sich dramatisch zu

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(Symbolbild – Pixabay)

Dringender Appell des Landrats: „Wir müssen jetzt zusammenhalten und auf alle Kontakte verzichten, die nicht zwingend notwendig sind!“

Mosbach. (pm) Nachdem der Neckar-Odenwald-Kreis lange Zeit zu den am geringsten betroffenen Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg gehört hat, hat sich das Blatt am Wochenende komplett gewendet. Stark steigende Fallzahlen insbesondere in den Pflegeheimen haben dazu geführt, dass die 7-Tage-Inzidenz inzwischen den höchsten Wert landesweit erreicht (NZ berichtete). Auch in den Neckar-Odenwald-Kliniken ist die Lage stark angespannt. Derzeit werden in Mosbach und Buchen über 50 positiv getestete Patientinnen und Patienten stationär behandelt.

Vor allem die Tatsache, dass zunehmend Altenhilfeeinrichtungen betroffen sind, macht den Verantwortlichen dabei große Sorge. Aktuell betreffen rund 40 Prozent der aktiven Infektionsfälle im Kreis Altenhilfeeinrichtungen sowie Heime der Johannes-Diakonie Mosbach. Darüber hinaus ist aber davon auszugehen, dass der tatsächliche Anteil noch etwas höher liegt, da Bewohner von Pflegeeinrichtungen zum Teil noch in anderen Landkreisen gemeldet sind.

Erfahrungsgemäß ist damit zu rechnen, dass sich das starke Infektionsgeschehen in den Heimen in den nächsten Tagen und insbesondere über die Weihnachtsfeiertage in weiter stark steigenden Fallzahlen in den Kliniken niederschlagen wird, obwohl die Kapazitäten dort nahezu erschöpft sind. Deshalb arbeiten alle Beteiligten mit Nachdruck daran, denjenigen Gemeinschaftseinrichtungen, die auch größere Ausbruchsgeschehen im Personalbestand haben, mit Hilfe der Rettungsdienstorganisationen, allen voran dem DRK, möglichst weitere Unterstützungskräfte auch aus dem Kreis der gut ausgebildeten ehrenamtlichen Helfer zuzuführen. Darüber hinaus laufen auch mehrere Amtshilfeersuchen an die Bundeswehr.

Der Fachdienst Gesundheitswesen des Landratsamts mit Dr. Martina Teinert an der Spitze steht in engem Kontakt mit den betroffenen Heimen: „Ich habe große Hochachtung vor dem, was dort unter extrem schwierigen Rahmenbedingungen geleistet wird. Leider zeigt die Aggressivität des Virus aber auch, dass selbst bei größtmöglicher Sorgfalt ein Eintrag in die Einrichtungen nicht zu verhindern ist.

Wir müssen deshalb jetzt gemeinsam alles daran setzen, überall einen stabilen Weiterbetrieb zu gewährleisten. Jetzt ist nicht die Stunde für große Diskussionen, sondern für beherztes Handeln. Das sind wir alle den Menschen, die dort ihren Lebensabend verbringen, schuldig“.

Mit einem weiteren Anstieg der Fallzahlen in den nächsten Tagen ist zu rechnen. Darauf deuten insbesondere erste positive Schnelltestergebnisse hin, die jetzt über PCR-Tests verifiziert werden. Das Gesundheitsamt warnt in diesem Zusammenhang ausdrücklich davor, negative Schnelltests als Freibrief zu verstehen. Im Zweifel sei das negative Ergebnis nämlich eine trügerische Fehlinformation, die im Extremfall sogar tödliche Folgen für andere haben könne.

In Anbetracht der Infektionslage hat das Gesundheitsamt denjenigen Pflegeeinrichtungen, in denen bislang noch kein Besuchsverbot angeordnet ist oder freiwillig praktiziert wird, am Wochenende dringend ans Herz gelegt, die Besuchsmöglichkeiten weiter einzuschränken oder ganz zu untersagen und ihre Mitarbeiter noch öfter als vorgeschrieben zu testen.

Für Landrat Dr. Achim Brötel ist klar: „Wir müssen jetzt zusammenhalten und auf alle Kontakte verzichten, die nicht zwingend notwendig sind. Die Lage ist dramatisch, insbesondere was den voraussichtlichen weiteren Zulauf auf unsere Kliniken anbelangt. Deshalb versuchen wir gerade, für die Neckar-Odenwald-Kliniken geschultes Sanitätspersonal der Bundeswehr zur Verstärkung zu bekommen.

Ich kann darüber hinaus aber nur noch einmal die dringende Bitte an uns alle wiederholen, in den nächsten Tagen und insbesondere auch über Weihnachten einfach mit gutem Beispiel voranzugehen. Wenn man halt einmal nicht zusammensitzen, sondern nur zusammen telefonieren kann, wird die Welt auch nicht untergehen. Dieses Jahr heißt es eben nicht „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, sondern „Macht zu die Tür, die Fenster auf“. Es gibt weiß Gott Schlimmeres. Wir müssen jetzt zwingend diejenigen schützen, die aufgrund ihres Alters oder einer Vorerkrankung besonders gefährdet sind“.

Das Landratsamt stehe, so Brötel, in engem Kontakt mit dem Land, um mögliche weitere Maßnahmen abzustimmen. Dieser Kontakt reiche auch bis in die Spitzen der Häuser. So habe er am Freitagabend mit dem Chef der Staatskanzlei, Staatssekretär Dr. Florian Stegmann, und am Sonntag mit dem Amtschef des Sozialministeriums, Ministerialdirektor Prof. Dr. Wolf-Dietrich Hammann, telefonisch die Lage im Neckar-Odenwald-Kreis ausführlich erörtert.

Das Land habe dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten weitere Unterstützung zugesagt. Momentan gehe es aber schlicht um Krisenmanagement. Wenn sich alle endlich einmal an die Vorgaben halten würden, brauche man dafür auch keine weiteren Verbote, sondern könne sich auf das konzentrieren, was gerade am Notwendigsten sei.

Erfreulicherweise mangele es jedoch nicht an Schutzausrüstung. Auch das Landratsamt selbst habe noch ausreichende Reserven. Und auch sonst gebe es ermutigende Signale. So dankt der Landrat insbesondere den beiden großen christlichen Kirchen ausdrücklich dafür, dass sie inzwischen sämtliche Weihnachtsgottesdienste im gesamten Kreisgebiet abgesagt haben: „Das ist die einzig richtige Reaktion auf die aktuelle Lage“. In gleicher Weise appelliere er aber auch an alle anderen Religions- und Glaubensgemeinschaften, ebenfalls auf Zusammenkünfte in Präsenz an Weihnachten und über den Jahreswechsel zu verzichten.

Er hoffe sehr, so Brötel, dass wir die Feiertage einigermaßen unbeschadet überstehen. Leider müsse man aber damit rechnen, dass der Scheitelpunkt der Welle noch lange nicht erreicht sei: „Bitte bleiben Sie deshalb konsequent zuhause und helfen Sie mit, dass wir das Virus so schnell wie möglich eindämmen und dann Schritt für Schritt in eine halbwegs geregelte Normalität zurückkehren können“.

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