„Palliativmedizin – Ein Thema der Zukunft“

GRN-Klinik Eberbach: Seit über zehn Jahren gibt es die palliativmedizinische Komplexbehandlung. Das Team besteht aus speziell ausgebildeten Ärzten und Krankenschwestern. (Foto: pm)

Eberbach. (pm) Die medizinische Fachrichtung „Palliativmedizin“ gibt es an der GRN-Klinik Eberbach inzwischen seit über zehn Jahren. Die verschiedenen Stationen verfügen über Palliativbetten und speziell ausgebildetes Palliativpersonal.

Dieses versorgt Patienten, deren Krankheit so weit fortgeschritten ist, dass keine Aussicht auf Heilung mehr besteht. Zum Team gehören drei Ärzte mit der Weiterbildung Schmerz- und Palliativmedizin sowie sechs Krankenschwestern mit der Zusatzweiterbildung „Palliativmedizin“.

Die Behandlung der Patienten erfolgt in enger Kooperation mit den ärztlichen und pflegerischen Mitarbeitern der jeweiligen Abteilungen. Ziel ist es, in Zukunft eine separate Palliativstation, gegebenenfalls auch einen SAPV-Dienst (SAPV bedeutet spezialisierte ambulante Palliativversorgung) am Krankenhaus Eberbach zu etablieren.

„Palliativmedizin ist ein Thema der Zukunft“, so Dr. Markus Hewel, Oberarzt der Abteilung Anästhesie- und Intensivmedizin der GRN-Klinik Eberbach. Der Bedarf und die Nachfrage nach adäquater Versorgung dieser Patientengruppe seien im Laufe der vergangenen Jahre zunehmend gestiegen.

„Was können wir tun, wenn kurative Therapien für den Patienten nicht mehr sinnvoll oder verfügbar sind? Wie können wir durch lindernde Maßnahmen den Patienten möglichst viel Lebensqualität geben und eine suffiziente Kontrolle der belastenden Symptome am Lebensende erreichen und die Selbstbestimmung unserer Patienten stärken? Das sind Fragen, mit denen wir uns immer mehr auseinandersetzen müssen.“

Die Palliativmedizin sei ein sogenanntes Querschnittfach. Das bedeutet, dass die betroffenen Patienten aus allen Bereichen der Medizin kommen und an einer fortgeschrittenen Grunderkrankung leiden, bei welcher sich der Fokus von einer rein kurativen auf eine palliative Zielrichtung verlagert habe. „Bei der palliativen Behandlung stehen die Symptomkontrolle und die Autonomie der Patienten am Lebensende im Mittelpunkt“, sagt der Oberarzt.

Dazu gehöre auch, dass den Patienten in Rücksprache mit ihren Angehörigen und unter Einbeziehung unterstützender Dienste, wie der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung und der Hospizpflege, eine Entlassung ins häusliche Umfeld auf Wunsch ermöglicht werde.

Im Krankenhaus Eberbach erfolgt die Versorgung dieser Patienten in besonders ausgestatteten Einzelzimmern mit einer ärztlichen und pflegerischen Betreuung durch die speziell ausgebildeten Pflegekräfte rund um die Uhr. Die Behandlung von Angst, Schmerz, Luftnot und Übelkeit muss zu jeder Zeit gewährleistet sein.

Damit das reibungslos klappt, dafür sorgen neben den Fachärzten der Schmerz- und Palliativmedizin auch Krankenschwestern wie Ellen Behlau: „Meine fünf Kolleginnen und ich haben alle die Fort- und Weiterbildung zur ‚Palliativ Care’ absolviert. Das wichtigste im Umgang mit unseren Patienten ist, dass wir Ruhe ausstrahlen und eine warme Atmosphäre schaffen, und natürlich hat die Schmerztherapie einen ganz hohen Stellenwert. Wir versuchen, ihnen in dieser schwierigen Phase bestmöglich beizustehen.“

Das Team der Palliativmedizin arbeitet eng mit den Hausärzten, den Hospizen und Palliativstationen der Region sowie mit der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung und dem Hospizverein in Eberbach zusammen, da in der Regel eine Entlassung nach Hause angestrebt wird, sofern dies noch möglich ist.

„Der Sozialdienst bei uns im Haus koordiniert die Vorbereitung für eine mögliche Entlassung ins häusliche Umfeld. Das geschieht unter Einbindung von Hausärzten, Pflegediensten und des SAPV“, betont Dr. Hewel. In diesem Zusammenhang ist auch die Einbeziehung der Angehörigen von großer Bedeutung, wie Ellen Behlau erläutert.

„Es ist wichtig, diese aufzuklären, was auf sie zukommt, wie sie damit umgehen können und wie eine Weiterversorgung zu Hause aussehen kann.“ Für die Krankenschwester war die Fortbildung zur Palliativpflegerin auch persönlich von großer Bedeutung.+

„Themen wie Moral, Würde und ein Recht auf Leben in Zusammenhang mit einer respektvollen Pflege haben mein Berufsbild ganz neu beleuchtet. Ich bin jetzt nicht mehr ‚nur’ auf der Unfallchirurgie, sondern habe es regelmäßig auch mit Schwerstkranken und ihren Ängsten zu tun. Da verändert sich der Blick auf den Patienten.“

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