Weihnachtsbrief 2022

(Foto: pm)

Nachfolgend veröffentlichen wir den Weihnachtsbrief von Landrat Dr. Achim Brötel.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

„alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind“. Wenn dieses traditionelle Lied gesungen wird, steht Weihnachten definitiv vor der Tür. Das Fest der Geburt des Herrn, aber auch das Fest der Liebe, der Gemein- schaft, des Schenkens und Beschenktwerdens und der leuchtenden Kinderaugen. Und nicht zu vergessen: Ein Fest des Friedens.

Deshalb haben die Menschen auch zu allen Zeiten Weihnachten gefeiert. Sie haben das selbst in größter Bedrängnis und Not getan, nur dann eben bescheidener als sonst. Und: In Kriegszeiten war die „stille Nacht“ eher eine dunkle Nacht.

24. Februar änderte alles

Es gibt Jahre, da ändert sich gar nichts. Es gibt aber auch Tage, an denen ändert sich alles. Ein solcher Tag war der 24. Februar. Der russische Überfall auf die Ukraine. Auf einmal ist wieder Krieg in Europa. Ein größenwahnsinniger Irrer lebt seine kranken Machtphantasien auf dem Rücken unschuldiger Menschen aus und sichert sich damit endgültig seinen traurigen Platz in der Liste der größten Verbrecher der Menschheit. Weihnachten wird deshalb dieses Mal wohl auch dunkler als sonst. Aber: der russische Antichrist wird es nicht schaffen, dass in uns auch das Licht der Hoffnung erlischt. Nicht bei den Menschen in der Ukraine und nicht hier in der freien Welt.

Weihnachten 2022 mag deshalb zwar anders sein. Es ist aber – gerade in Zeiten wie diesen – sogar wichtiger denn je. Die Menschen sehnen sich nämlich einfach nach Frieden, nach Harmonie, nach Gemeinschaft oder ganz einfach nach Normalität. Und: Nachdem Katar(rh) ab sofort wieder nur eine stinknormale Erkältungskrankheit der Schleimhaut ist und nichts mehr mit der Schleimerei der selbstverliebten Fußballscheinwelt am Persischen Golf zu tun hat, können wir uns endlich auch wieder den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zuwenden.

„Fürchtet Euch nicht“

Das ist die weihnachtliche Kernbotschaft. Deshalb stellen wir uns aktiv den aktuellen Herausforderungen und gehen Sie auch weiterhin beherzt an. Sicher: Fast drei Jahre Pandemie mit all ihren Beschränkungen und Entbehrungen hätten zwar wahrlich gereicht.

Stattdessen gibt es aber neben dem Krieg in der Ukraine und der dadurch ausgelösten Massenflucht jetzt auch wieder neue Flücht- lingsströme aus völlig anderen Teilen unserer einen Welt. Dazu eine galoppierende Inflation, ungewisse wirtschaftliche Perspektiven und einen Staat, der sämtliche Probleme lieber mit (wohlgemerkt: kreditfinanziertem!) Geld zudeckt als sie tatsächlich anzugehen oder gar zu lösen.

Lange kann das so nicht mehr gutgehen. Wenn wir nicht endlich dazu kommen, Vieles wieder auf ein Normalmaß zurückzufahren, unnötig komplizierte Gesetze und Verwaltungsvorschriften massiv zu vereinfachen, überzogene Standards auf den Prüfstand zu stellen, gut gemeinte Wohltaten bereits vor ihrer Verkündung zu Ende zu denken und sie dann vor allem auch solide durchzufinanzieren, werden wir wirk- lich schweren Zeiten entgegengehen.

Oder anders gewendet: Die schnelle Schlagzeile darf nicht länger der primäre Maßstab des politischen Handelns sein. Es braucht stattdessen wieder mehr Verstand und Verantwortung für das Ganze.

Arbeitskräfte fehlen

Das gilt umso mehr, als uns zunehmend schlicht die Arbeitskräfte fehlen, um alles das, was der Gesetzgeber für wünschenswert hält, überhaupt noch in die Praxis umsetzen zu können. Selbst wenn es Goldstücke regnen würde, wäre dadurch allein nämlich nicht eine einzige weitere Stelle zu besetzen.

Und: Viele, gerade in den sozialen, pflegerischen und erzieherischen Berufen, aber auch in unseren Krankenhäusern, den Arztpraxen oder in anderen krisengeschüttelten Einrichtungen – auch bei uns im Landratsamt – arbeiten schon lange am Anschlag. Hier ist dringend eine Ent- lastung vonnöten. Wir müssen uns ehrlich machen: Bereits jetzt ist doch Vieles nicht mehr leistbar. Und: Diese Entwicklung wird sich noch weiter fortsetzen.

Schwache brauchen Fürsprecher

Es führt deshalb kein Weg daran vorbei, dass wir uns künftig auf das Wesentliche konzentrieren. Dazu zählt für mich, dass gerade die Schwachen auch weiterhin starke Fürsprecher brauchen. Deshalb: Schauen wir, wenn Not an der Frau oder am Mann ist, nicht weg, sondern schauen wir vielmehr ganz bewusst hin. Und: Helfen wir dann vor allem denen, die sich nicht oder nicht mehr selbst helfen können. Diese Mitbürgerinnen und Mitbürger haben nämlich unsere gesamtgesellschaftliche Solidarität verdient.

Eine gewaltige Herausforderung stellt zudem der immer deutlicher spürbare Klimawandel dar. Dort ist jetzt endlich ein entschlossenes und konsequentes Handeln von uns allen (!) gefragt. Das Prinzip „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ funktioniert nämlich auch da nicht. Eine wirksame CO2-Reduktion geht am Ende nur mit wirtschaftlichem, nicht zuletzt aber auch mit persönlichem Verzicht. Das muss uns allen bewusstwerden, ehe es zu spät ist.

Halten wir deshalb an Weihnachten ruhig auch einmal einen Moment inne. Der Weihnachtsbaum ist letztlich nichts anderes als ein Zeichen der Freude, der Hoffnung und der Zuversicht. „Fürchtet Euch nicht!“. Das satte Grün als bewusster Kontrapunkt zu allem Dunklen. Und die Kerzen am Baum stehen symbolisch für das helle Licht, das durch die Geburt Jesu Christi zu Weihnachten „auf die Erde nieder“ kommt.

Positive Entwicklungen

Schließlich hat es 2022 doch auch sehr viele ausgesprochen positive Entwicklungen gegeben. Unsere Krankenhäuser waren in der Pandemie stets ein verlässlicher Partner. Der Glasfaserausbau ist in vollem Gange. Im ÖPNV werden weitere grundlegende Verbesserungen umgesetzt. Der Neubau des Ganztagsgymnasiums in Osterburken wächst zusehends in die Höhe. Die Digitalisierung an unseren Schulen und in der Verwaltung schreitet voran. Und und und ….

Gehen wir das neue Jahr deshalb trotz aller dunklen Wolken am Horizont nicht etwa ängstlich und verzagt, sondern vielmehr voller Hoffnung und Zuversicht an. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben ein gesegnetes Weihnachtsfest und uns allen dann natürlich von Herzen ein besseres, insbesondere aber ein gesundes, glückliches und vor allem friedvolles neues Jahr 2023.

Vostok SOS

Auf Weihnachtskarten oder Geschenke haben wir erneut verzichtet und stellen den entsprechenden Betrag stattdessen „Vostok SOS“ zur Verfügung. Diese Organisation leistet direkt vor Ort in der Ukraine wirksame Hilfe für die vom Krieg betroffenen Menschen. Damit wollen wir zugleich auch ein Zeichen für die überparteiliche Initiative um unsere Kreistagskollegin Lena-Marie Dold setzen, die seit Kriegsbeginn ununterbrochen Samstag für Samstag Mahnwachen für den Frieden in Mosbach organisiert.

Ihr

Dr. Achim Brötel

Landrat

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