„Flüchtlingsarbeit gehört zum Herzschlag der Kirche“

Politisches Abendgebet „Flüchtlinge kommen“

Seckach. (lm) „Flüchtlinge kommen“ – Dieser Titel des jüngsten Politischen Abendgebets der überregionalen Initiative „Fromm und politisch“ klang wie ein fröhlicher Willkommensgruß, den Sieglinde Mack und Diakon Manfred Glittenberg organisiert hatten und unter Mitgestaltung durch Pfarrer Kurt Wolf, Diakon Bernhard Greef an Banjo und Gitarre sowie Lorenz Schweizer an Orgel und Trompete am vergangenen Sonntag in der Klingekirche präsentierten. Auch Dank der beiden Fachfrauen in Sachen Flüchtlingsbetreuung – Ingeborg Egenberger und Gisela Fuchs (Osterburken) – wurde es ein ebenso bunter wie lebendiger Gottesdienst zu einem gar nicht lustigen Thema.

Denn die Menschen, um die es ging, flüchten ja nicht aus Jux und Tollerei aus ihren Heimatländern, setzen dabei nicht selten ihr Leben aufs Spiel, verlassen Verwandte und Freunde und ihr Zuhause. Sie flüchten, weil sie in ihrer Heimat bedroht sind und keine Zukunft haben.

Der Gottesdienst vermittelte reale Fakten ebenso wie Hoffnung gebende Texte aus der Bibel und Lieder, die berühren. Fakt ist laut UN-Flüchtlingshilfswerk bis Mitte 2014 weltweit 56,7 Mio. Flüchtlinge und Vertriebene gab. Die meisten aus Syrien, dicht gefolgt von Afghanistan, Somalia, Sudan, Kongo, Myanmar und Irak. Dagegen klingen 200.000 in Deutschland (im gleichen Zeitraum) noch lange nicht so viel wie die meisten annehmen.

Dazu machen alleine die Schlagzeilen in den Medien nachdenklich „Mittelmeer wird für Hunderte Flüchtlinge zum Grab“, „Strom von Flüchtlingen reißt nicht ab“, „Wie kann man Flüchtlinge ganz gezielt unterstützen?“ oder auch „Verstehen durch Kennenlernen“. Was uns im den Urlaub so fasziniert, ist uns in der Nachbarschaft oft unheimlich. Darum begegnen wir Fremden oft mit Vorsicht oder sogar Vorurteilen in dem Moment, wo wir Aussehen, Geruch, Sprache, Nationalität und nicht zuletzt Religion nicht einordnen können.

Dabei ist auch ein solcher Fremder ganz einfach auch nur ein Mensch, der sich wie wir über die Sonne und schöne Dinge freuen kann, der sich plagt und über Kontakte und Kollegialität freut. „Seine Gotteshäuser weisen in den gleichen Himmel wie unsere Kirchtürme“. Doch anscheinend gibt es auch jede Menge Menschen bei uns, die gegen ihre Angst vor den Menschen mit anderem Aussehen, anderen Gewohnheiten und Sitten angehen wie durch die Gottesdienstleiter wiederum mittels Zeitungsüberschriften belegt wurde. So z.B. „Für eine bunte Gesellschaft“, „Gott sei Dank ziehen Menschen zu uns – was täten wir ohne sie?“ Wir wollen Flüchtlingen gute Gastgeber sein“.

Vor allem die letzte Aussage habe viele Kommunen bewegt, ehrenamtliche Arbeitskreise „Asyl“ ins Leben zu rufen. Und aus der Betreuungsarbeit eines solchen Arbeitskreises berichteten Ingeborg Egenberger und Gisela Fuchs. Zu diesen nüchternen Fakten berichteten Siglinde Mack und Manfred Glittenberg über die Appelle der evangelischen und der katholischen Bischöfe, Flüchtlinge mit offenen Armen aufzunehmen, Ängste und Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen, denn Flüchtlingsarbeit gehöre zum Herzschlag der Kirche.

Auch hörte man aus dem Buch Exodus vom Herrn, der sein leidendes Volk den Ägyptern entriss und es in ein Land führen ließ, in dem Milch und Honig fließt. Unterstrichen wurden die hoffnungsgebenden Lesungen mit Liedern wie „Joanna gimme hope“, „Wir sind nur Gast auf Erden“, „Meine engen Grenzen“ oder „By the rivers of Babylon“. Mit dem Hinweis auf das nächste Politische Abendgebet, das als Geistlicher Weg im Freien am Sonntag, 28. Juni um 18 Uhr stattfinden soll (Treffpunkt unterer Dorfeingang) und dem besonderen „segne uns mit dem Licht deiner Gegenwart, das unsere Fragen durchglüht und unseren Ängsten standhält. Segne uns, dass wir einander segnen und stärken und hoffen lehren wider alle Hoffnung, weil du unserem Hoffen Flügel schenkst“ schloss dieser Gottesdienst. (LM)

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