Die Klinge – ein Ort zum Leben

Ehrungen im Rahmen des Klingefestes

Seckach/Klinge. (lm) „Die schrecklichen Erinnerungen und Auswirkungen an den vor 70 Jahren zu Ende gegangenen 2. Weltkrieg mit viel Not und Elend bei Millionen von Menschen, sind auch eng verbunden mit der Historie und der Entwicklung des Kinder- und Jugenddorfes Klinge.“ Durch lokale Publikationen und die Tagebuchauszüge des späteren Kinderdorfgründers Pfarrer Heinrich Magnani dokumentiert, sei wieder einmal bewusst geworden, welche Not, Leid und Elend dieser Weltenbrand auch über unsere Region brachte, so Bürgermeister Thomas Ludwig im Rahmen des Festaktes zur Eröffnung des traditionellen „Klingefestes“ unter dem Motto –Gegenwart gestalten – für die Zukunft befähigen.

Dieser Vergangenheit bewusst, dokumentierten mit ihrer Anwesenheit zahlreiche Gäste ihre enge Verbundenheit mit dem Kinder- und Jugenddorf, darunter der neue 1. Vorsitzende des Klinge e.V. Dr. Johann Cassar, Dorfleiter Georg Parstorfer, Verwaltungsleiter Dieter Gronbach, Ehrenbürger und Bürgermeister i.R. Ekkehard Brand und Landrat Dr. Achim Brötel.

Weiter neben den Dienstjubilaren, Mitarbeitern und Bewohnern Vertreter der Kirchen, Sozialministerin a.D. Barbara Schäfer-Wiegand, Meinrad Edinger als Geschäftsführer des Caritasverbandes, Hettingens Ortsvorsteher Volker Mackert und Paul Kraft für den Fachbereich Jugend und Soziales im Landratsamt.

Die Klinge, zunächst im heutigen Unterdorf als zentrales Durchgangslager für die dem damaligen Landkreis Buchen zugewiesenen Heimatvertriebenen, dann als Caritashütte und Erholungsheim für ausgemergelte Flüchtlings- und Stadtkinder genutzt sowie schließlich seit 1951 als stationäre Jugendhilfeeinrichtung stetig weiter ausgebaut, hat an der Entwicklung zu den heutigen Verhältnissen einen wesentlichen Anteil.

Eine Hoffnung, so Bürgermeister Ludwig weiter, habe sich im Laufe der Jahre allerdings als Illusion erwiesen, nämlich die Vorstellung, dass Einrichtungen wie die Klinge in Zeiten eines stetig wachsenden materiellen Wohlstandes vielleicht einmal überflüssig werden könnten. Wie schon vor Jahren in Sachen „Eritrea-Flüchtlinge“ oder „Boat-People aus Vietnam“ komme dem Kinder- und Jugenddorf aktuell mit den Flüchtlingen aus Syrien auch in diesen Zeiten eines ungeahnten Ausmaßes weltweiten Flüchtlingsstroms wieder eine besondere Rolle zu.

Up-to-date wie eh und je seien daher die Kupferstiche am Eingangsportal der St. Bernhard Kirche mit dem Thema „Flucht und Bergung“. In diesen Tagen, so Ludwig weiter, sei auf die Klinge mit der Unterbringung sog. „Unbegleiteter minderjährige Flüchtlinge“ eine weitere schwierige Aufgabe zugekommen. Ein Dank des Bürgermeisters galt daher allen, die sich mit Sach- und Fachkompetenz, hauptberuflich oder ehrenamtlich, mit viel Herzblut diesen sozialen Aufgaben widmen.

Für eine stimmige musikalische Umrahmung der Feierstunde sorgten Bastian Heß von der Musikschule Bauland Osterburken und gesanglich Mary Brown und Sven Behrendt. Den beiden Geschäftsführern Georg Parstorfer (Pädagogik) und Dieter Gronbach (Verwaltung) oblag es anschließend, zahlreiche Jubilare für ihre Treue zum Kinder- und Jugenddorf auszuzeichnen und den Kinder- und Jugendrat als Ausdruck der Partizipation vorzustellen.

Für besondere Verdienste um die Erfüllung der Aufgaben des Kinder- und Jugenddorfes Klinge wurde Karl Gremminger zu seinem 60jährigen Dienstjubiläum und für seinen beispielhaften Einsatz in die Klinge-Gemeinschaft durch Dr. Johann Cassar die Heinrich-Magnani-Verdienstmedaille verliehen. Der Geehrte hat oft geäußert: „Es gibt und gab bis jetzt keinen Tag an dem ich morgens aufgestanden wäre und keine Lust zur Arbeit gehabt habe“, und diese Einstellung trage sicher dazu bei, dass die Klinge ohne den Fahrdienstleiter und „lebenden Werbeträger“ Karl Gremminger nicht denkbar wäre.

Der Laudatio war weiter zu entnehmen, dass dessen beispielhaftes Wirken im Laufe seiner „Klingekarriere“ bereits durch ein goldenes Dukatenstück, das Goldene Caritaskreuz sowie  die Staufermedaille gewürdigt worden war. Durch Ekkehard Brand als ehemaligen Bürgermeister von Seckach und Ehrenbürger sowie als 2. Vorsitzenden des Klinge-Trägervereins wurde Caritas Direktor Meinrad Edinger als langjähriger Vorstand der Klinge verabschiedet, obwohl er von den persönlichen und fachlichen Voraussetzungen als idealer Vorsitzender angesehen worden war. Im Rahmen seines Wirkens waren von besonderer Tragweite die Neubesetzung der Führungs- und Leitungspositionen der Klinge, den Neubau von Kinderdorfhäusern mit neuen Wohnkonzepten anzustoßen und auf den Weg zu bringen, die Gaststätte neu zu strukturieren und die Aufgabenteilung in der Geschäftsführung neu zu bestimmen.

Beiden Geehrten galt, wie den weiteren Geehrten, ein herzliches Dankeschön für ihr Engagement und die stete Unterstützung in den verschiedensten Bereichen und Anliegen.

Als Dienstjubilare wurden ausgezeichnet: (10 Jahre) Tanja Dukic, Corinna Eichhorn, Daniela Kovacs, Daniel Morsch und Patrick Trenkle. (15 Jahre) Helga Diemer, Beno Herkel, Klaus Rinklin, Silvana Rinklin, Marianne Schäfer, Kerstin Stumpf und Margarete Woll. (20 Jahre) Elena Anhalt, Monika Speckert. (25 Jahre) Petra Beckmann, Thomas Erl, Peter Novak, Heidi Karin Olliges. (30 Jahre) Karin Eberhardt, Annette Mohr-Wachter. (35 Jahre) Elfriede Kohler, Inge-Lina Traspel. (60 Jahre) Karl Gremminger.

Als Hauptbeleger der Klinge überbrachte Landrat Dr. Brötel für den Neckar-Odenwald-Kreis die Grüße der Verwaltung und des Kreistages. Wie er betonte, wirke sich auch die Öffnung der heimeigenen Schule für Erziehungshilfe und des Schulkindergartens St. Theresia für externe Kinder aus dem Kreisgebiet positiv aus. In enger Zusammenarbeit habe man Lösungen bezüglich der Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge gefunden.

„Die Klinge – ein Ort zum Leben“. Da zeige sich ganz plastisch, dass Leitbilder eben doch mehr sind als nur schöne Worte, betonte der Landrat abschließend, ehe man den Festakt zum Klingefest mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Das Tor zum Leben“ beendete.

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(Foto: Liane Merkle)

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