Heidelberg: Haldex-Belegschaft fordert Sicherheiten

Tarifbindung und Standortsicherung stehen im Fokus

(pm) Anfang des Monats hat als dritter Bieter die Knorr-Bremse-AG München über die Presse bekannt­gegeben, in das Gerangel um den schwedischen Nutzfahrzeugzulieferer Haldex einsteigen zu wol­len. Zuvor hatte der Aschaffenburger LKW-Achsenhersteller SAF Holland Mitte Juli ein Gesamtan­gebot an die Haldex-Aktionäre in Höhe von 442 Millionen Euro vorgelegt, dies jedoch wieder zurückge­zogen, nachdem er Anfang August vom Getriebehersteller ZF Friedrichshafen um 20 Millionen Euro über­boten worden war. Während das derzeitige ZF-Angebot bis Ende September läuft, hat Knorr-Brem­se für die letzte September-Woche ein Angebot von 507 Millionen Euro angekündigt.

Haldex hat in Europa, den USA, Südamerika und Asien rund 2 140 Beschäftigte. Einziges Werk in Deutschland ist Haldex Heidelberg (bis 1998 GRAU-Bremse) mit derzeit rund 100 Be­schäftigten (1980 waren es noch 930). Der Heidelberger Hersteller von LKW-Brems- und Luftfederungs-/Lift­achs-Modulen war 1984 von der Familie Grau an den US-Konzern Echlin und 1998 von letzterem mit damals 320 Beschäftigten an den Haldex-Konzern verkauft worden. In beiden Fällen hatte im Vorfeld auch der direkte Konkurrent und Marktführer Knorr-Bremse versucht, den Heidelberger Be­trieb zu überneh­men.

Nun ist mit der öffentlich propagierten Übernahme des Haldex-Konzerns durch Knorr der drit­te Anlauf angekündigt.

2013 hat der Haldex-Vorstand einen sogenannten „European Footprint“-Prozess mit der weite­ren Verlagerung von Produktion von Heidelberg nach Ungarn und dem größten Teil der Entwick­lung nach England eingeleitet, verbunden mit dem Abbau eines weiteren Drittels der Belegschaft in Hei­delberg. IG Metall und Betriebsrat haben dies stets als schweren Fehler bezeichnet und wurden dar­in lei­der bestätigt. In der Branche, auf dem Aktienmarkt wird der Konzern inzwischen seit einiger Zeit als Kaufobjekts-Kandidat gehandelt.

SAF als Achsen- und ZF als Getriebespezialist erhoffen sich insbesondere im Anhänger- und Sattellaufliegergeschäft im LKW-Zulieferbereich durch die Übernahme von Haldex, den Forderungen der LKW-Hersteller nach Komplettanbieter-Systemen besser nachkommen zu können. In jedem Fall müssten dazu aber Entwicklung und Produktion in Heidel­berg entsprechend deutlich ausgebaut statt geschwächt werden. Marktführer Knorr, wie Wab­co direkter und um ein Vielfaches stärkerer Kon­kurrent, dürfte dagegen auf Haldex kaum angewie­sen sein. Vor allem auch über die Heidelberger Produktpalette verfügt Knorr selbst.

Bereits bei den Verkaufsauseinandersetzungen 1997/98 hatten Betriebsrat und IG Metall Heidelberg einen „gnadenlosen kapitalistischen Konkurrenz-, Konzentrations- und Vernichtungsprozess auf dem Nutzfahrzeug- und Zuliefersektor, bei dem die Belegschaft sich warm anziehen muss“, konsta­tiert: „Wer den Betrieb in Zukunft führt, wer die Eigner sind, darauf haben wir letztendlich nur we­nig Einfluss. Unser vorrangiges Ziel ist eindeutig die Sicherung der Arbeitsplätze und der Arbeits­bedingungen, egal unter welchem Dach und Arbeitgeber.“ Das gilt heute genauso wie vor 20 Jahren. Der Hal­dex-Aufsichtsrat hat das ZF-Angebot direkt danach ausdrücklich begrüßt. Wie er sich nun zum Knorr-Angebot verhält und ob ZF sein Angebot er­höht, wird sich zeigen. IG Metall, Beleg­schaft und Betriebsrat werden die weiteren Schritte von Knorr, ZF oder Anderen genau verfolgen. Die Forderungen stehen: Dauerhafte Sicherung und Aus­bau der Be­schäftigung, Fortgeltung der Ta­rifbindung und Tarifverträge sowie der bestehenden Ver­einbarungen.

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