Ungeschminkt und schonungslos

Symbolbild

Ausschuss für Gesundheit und Soziales erhielt Bericht über das Frauen- und Kinderschutzhaus – Suchtkoordinator gesucht

Mosbach. (lra) Kurz vor dem 25-jährigen Bestehen des Fördervereins des Frauen- und Kinderschutzhauses Anfang Dezember erhielten die Mitglieder des zuständigen Ausschusses für Gesundheit und Soziales einen Bericht zu der Situation des Hauses. Beraten mussten die Kreisrätinnen und Kreisräte bei der Sitzung im Landratsamt in Mosbach aber unter anderem auch über die Personalausstattung und anstehende Investitionen, wie Landrat Dr. Achim Brötel eingangs sagte. Betrieben wird das Haus gemeinsam mit dem Main-Tauber-Kreis.

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Vorgestellt wurde die Arbeit von der Leiterin des Hauses, Saskia Emmenecker, die zusammen mit ihrer Kollegin Franziska Wesch, einer stundenweise Unterstützung im Bereich Haushalt und Kinderbetreuung sowie sehr engagierten, ehrenamtlichen Helferinnen für die betroffenen Frauen da ist. Insgesamt 875 Frauen und 1149 Kinder hätten in der Einrichtung seit der Gründung vor 24 Jahren Schutz gesucht, so Emmenecker. Allein in diesem Jahr seien es schon 24 Frauen und 25 Kinder gewesen. Diese erhielten nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch eine Erstausstattung und umfassende Beratung und Hilfe. Zusammen mit einer Vielzahl administrativer und alltäglicher Tätigkeiten sei dies mit dem bisherigen Umfang von einer Stelle kaum zu stemmen, so die studierte Erziehungswissenschaftlerin.

Anschließend stellte Emmenecker prägende Ereignisse im laufenden Jahr vor, von besonders dramatischen Gewalterfahrungen der Frauen bis hin zu einem weiteren „Frauenhausbaby“. „Multiproblemlagen“ seien es, mit denen die Frauen in das Haus kämen. Umso wichtiger ist es, so Emmenecker, ihnen einen Ort bieten zu können, an dem sie sich sicher fühlten, um so eine gewaltfreie Lebensperspektive aufzubauen. Dazu trage auch die Ausstattung und der Zustand des Hauses bei. Vieles sei dort aber in die Jahre gekommen und müsse ersetzt oder renoviert werden, wie anhand von Fotos dokumentiert wurde.

Landrat Dr. Brötel dankte Emmenecker und dem ganzen Team für die oft belastende Arbeit. Man müsse die Situation der Frauen „ungeschminkt und schonungslos entsprechend der traurigen Realität“ darstellen, um zu zeigen, wie wichtig die freiwillig betriebene Einrichtung leider nach wie vor ist. Groß war auch das Interesse der Ausschussmitglieder in der sich anschließenden Diskussion. Der so genannte Platzverweis für gewalttätige Partner bringe relativ wenig, da sich Gewalt oft versteckt und im Privaten abspiele, wie Emmenecker auf Nachfrage sagte. Auch seien Frauen aller Altersklassen betroffen. Große Anstrengungen müsse man unternehmen, um in Zeiten der sozialen Medien und GPS-Funktionen im Smartphone den Ort des Hauses geheim zu halten. Entsprechend gebe es für neu ankommende Frauen strenge Spielregeln. Einstimmig unterstützt von den Kreisrätinnen und Kreisräten wurden dann die von der Verwaltung vorgeschlagenen Investitionen, genauso wie die personelle Aufstockung auf 1,5 Fachkraftstellen und eine Reduzierung des Tagessatzes auf rund 60 Euro.

Einstimmig beschlossen wurde auch die Einrichtung der Stelle einer Suchtkoordinatorin oder eines Suchtkoordinators im Fachdienst Gesundheitswesen des Landratsamtes. Insbesondere seit einer Gesetzesänderung Anfang des Jahres sei die Suchtprävention noch einmal ausdrücklich als Aufgabe der Gesundheitsämter festgelegt worden, betonte Dr. Brötel. Hierzu gebe es eine entsprechende Förderung des Sozialministeriums. Derzeit werde die Suchtprävention über entsprechende Angebote des Jugendamtes, des Arbeitskreises Suchtprophylaxe, der Kommunalen Kriminalprävention, der Chancengleichheitsbeauftragten, des bisher beauftragten Baden-Württembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation (BWLV) sowie verschiedener sonstiger Stellen und Akteure wie Schulen, Vereine oder Kommunen durchgeführt. “Die neue Stelle bietet die Chance, die wichtigen und sehr guten Aktivitäten zu bündeln und Ratsuchenden künftig einen festen Ansprechpartner zu geben“, fasste der Landrat das Vorhaben zusammen, der mit der Leiterin des Fachbereichs Jugend und Soziales, Renate Körber, die Fragen der Ausschussmitglieder zum Zuschnitt der Stelle und dem Zusammenspiel mit der bestehenden Suchtberatung beantwortete. Ausgeschrieben werde die Stelle in den nächsten Tagen.

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Nahtlos konnte dann auch zum thematisch passenden nächsten Tagesordnungspunkt, der Verlängerung des Vertrags zur Suchtberatung im Landkreis, übergegangen werden. Schon seit dem Jahr 2005 ist der BWLV von Kreis beauftragt, Suchtberatung anzubieten. Wichtigste Aufgaben seien die Vermittlung in stationäre Therapie sowie die Nachsorge, Beratung und ambulante Behandlung. Die ebenfalls bisher wahrgenommene Suchtprävention gehe auf die neue Stelle im Landratsamt über. Auch hier stimmte das Gremium dem Vorschlag zu, den Vertrag um weitere zwei Jahre zu verlängern, wobei sowohl von Seiten der Verwaltung wie auch von Seite der Ausschussmitglieder deutlich mehr Öffentlichkeitsarbeit und eine noch direktere Ansprache potenziell Betroffener angemahnt wurde.

Zu Erreichen sind die Verantwortlichen des Frauen- und Kinderschutzhauses von 8.00 bis 17.00 Uhr unter 0 62 61/ 84 22 22. Außerhalb dieser Zeit ist das Team über die Handynummer (01 60) 97 22 11 52 ansprechbar.

Die Fachstelle Sucht des BWLV befindet sich in Mosbach in der Friedrich-Ebert-Straße 1 und in Buchen in der Linsengasse 7. Ansprechbar sind die Berater auch unter 06261 / 64386-0 und  fs-mosbach@bw-lv.de. Die Mitarbeiter unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht.

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