Adelsheim: Kandidaten standen Rede und Antwort

Bürgermeisterwahl in Adelsheim

Über ihre Ideen für die Zukunft Adelsheims sprachen die drei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am Sonntagabend bei der offiziellen Kandidatenvorstellung.

Mehr als 550 Adelsheimer – einige mussten stehen – waren in die Eckenberghalle gekommen um Klaus Gramlich, Wolfram Bernhardt und Samuel Speitelsbach noch besser kennenzulernen. In dieser Reihenfolge stellten sich die drei Kandidaten den Wahlberechtigten der 5.000- Einwohner-Gemeinde vor – so werden sie auch am 02. Juni auf den Stimmzetteln stehen.

„Der heutige Abend soll ein umfassendes Bild über die Kandidaten ermöglichen und die Entscheidung an der Wahlurne erleichtern“, leitete Edgar Kraft den Abend ein. Als Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses erklärte Kraft nochmals die Spielregeln und den Ablauf des Abends: Jeder der drei Kandidaten hat – in Abwesenheit seiner beiden Konkurrenten – 15 Minuten Zeit, sich und seine Ideen für die Baulandstadt zu präsentieren. Hierbei wurde bereits klar, dass die Adelsheimer am Wahltag zwischen drei ganz unterschiedlichen Charakteren entscheiden werden.

Den Anfang machte Amtsinhaber Klaus Gramlich. Einen Großteil seiner Redezeit füllte Gramlich mit einem Rückblick auf seine bisherige Amtszeit und der abgeschlossenen und auf den Weg gebrachten Projekte. So sei es in den letzten Jahren gelungen, Vieles zu realisieren, was einmal auf der Agende zur Stadtentwicklung stand. Beispielsweise konnte in allen Stadtteilen die örtliche Infrastruktur verbessert, der Wirtschaftsstandort Adelsheim gestärkt und Investitionen in Bildung und Betreuung getätigt werden. Gramlich wolle aber nicht nur auf Vergangenes zurückblicken und sich auf bereits erreichtem ausruhen sondern auch neue Impulse für die Zukunft der Stadt setzen. So müsse, nach Fertigstellung der Umgehungsstraße, die Aufwertung der Innenstadt angegangen, weitere innerörtliche Straßen saniert und nicht zuletzt weitere Angebote im Bereich der Kleinkindbetreuung realisiert werden. Die Entwicklung der Stadt könne nur gemeinsam mit den Bürgern und dem Gemeinderat aktiv gestaltet werden. Natürlich sei die Verwirklichung von Projekten in erster Linie abhängig von den Finanzen, so Gramlich abschließend.

Ihm folgte Wolfram Bernhardt, der gleich zu Beginn seiner Rede betonte, dass man in Zeiten lebe, in denen der ländliche Raum vor großen Herausforderungen stehe. Zwar stehe Adelsheim im Vergleich zu anderen Gemeinden noch gut dar. Damit dies aber auch in den nächsten Jahren so bleibe, müsse eine neue Strategie entwickelt werden. Das soziale Miteinander sei Bernhardt dabei besonders wichtig, denn Menschen verändern die Welt. Das Geld dürfe bei der Verwirklichung von Ideen für eine lebenswerte Zukunft kein Hindernis sein. Es gäbe genug Förderprogramme auf Landes- und Europaebene, die es nur gilt richtig zu nutzen. Bernhardt hat in seiner Rede gezeigt, dass er „Visionen“ hat – ein Bürgerbus für Adelsheim, mehr Gastronomie mit Cafés und Biergärten, ein Kulturprogramm mit Diskussionsrunden, Bands und Straßenkünstlern oder ein Konzept zur Belebung der Innenstadt. Um all diese Ideen mit Leben zu füllen bedarf es natürlich Menschen die gut und gerne in Adelsheim leben. Bernhardt wolle die Herausforderungen vor denen Adelsheim stehe Hand in Hand mit der Verwaltung, dem Gemeinderat, den örtlichen Unternehmen, den Vereinen und nicht zuletzt gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern angehen. Bernhardts Rede kam beim Publikum gut an, er erhielt den längsten Applaus des Abends.

Bevor Kandidat Nummer drei, Samuel Speitelsbach, zu seiner eigentlichen Rede kam, erläuterte er wie Stadtverwaltung und Polizei im Vorfeld angeblich versucht haben ihn los zu werden und seine Kandidatur zu verhindern. Mit Fakten oder Beweisen konnte Speitelsbach seine Behauptungen nicht unterlegen. Nicht zuletzt aufgrund dieser haltlosen Unterstellungen verließen einige der Zuhörer den Saal. Generell war es schwierig seinen wirren Äußerungen zu folgen. Was aber klar wurde, Speitelsbach kandidiere als Bürgermeister weil er dem Fachkräftemangel in der Politik entgegen wirken wolle. Aber eigentlich denkt Speitelsbach in größeren Dimensionen. Die weltweit steigenden Getreidepreise wolle er durch die Förderung der örtlichen Landwirtschaft senken. Das Geld hierzu würde er durch die Gründung einer bürgerlichen Schnellimbisskette generieren. Weiterhin wolle er als Bürgermeister von Adelsheim die deutsche Programmiertechnik einführen, die Alkoholsteuer abschaffen und ein Forschungszentrum zur Nachzucht der Leber errichten. Als Bürgermeister würde er dafür sorgen dass die Wasserkosten der Bürger gesenkt werden, dadurch erhoffe sich Speitelsbach eine Belebung des örtlichen Handels. Speitelsbachs Rede wurde durch Zwischenrufe des Publikums unterbrochen und erhielt mit Abstand den wenigsten Applaus, dafür aber die meisten Lacher, des Abends.

Die Kandidaten im Fragenhagel

Der Vorstellung der Kandidaten schloss sich eine Podiumsdiskussion an, bei der das Publikum Fragen an die Bewerber stellen konnte. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. Insbesondere Klaus Gramlich und Wolfram Bernhardt standen Rede und Antwort, aber auch an Samuel Speitelsbach wurde manche Frage gestellt.

So wollte eine Zuhörerin von Speitelsbach wissen warum er bei seinen „Visionen“ nicht direkt in die „große“ Politik gehen möchte. Speitelsbach ist der Meinung, dass er als Bürgermeister viel mehr Kompetenzen habe, denn als großer Politiker und Entscheidungen direkt treffen könne. Er sei bereits Mitglied der Jungen Union und der AfD gewesen, trete aber ohne Parteizugehörigkeit bei der Bürgermeisterwahl an. Auf Nachfrage sagte Speitelsbach, dass er von der religiösen Bewegung „Universelles Leben“ noch nichts gehört habe und auch kein Teil davon sei. Dass sich Teile seines Wahlprogramms mit den Ansichten dieser Bewegung decken zeige nur, dass es einen große Bevölkerungsteil gebe, dem die gleichen Dinge wichtig seien. Auf seine zum Teil radikalen Äußerungen in seinem Wahlflyer angesprochen entgegnete Samuel Speitelsbach, dass er hinter diesen stehe. Er werde sich voll und ganz dafür einsetzen, ob er Bürgermeister werde oder nicht, damit seine Forderungen in die Tat umgesetzt werden.

Eine der Zuhörerinnen wollte von Amtsinhaber Gramlich wissen, ob er bei einer möglichen Wiederwahl ein Bürgermeister für alle Bürger der Stadt sein wolle und man sich auf seine getroffenen Aussagen verlassen könne. Gramlich betonte, dass er selbstverständlich weiterhin ein Bürgermeister für alle bleiben wird. Auf seine Aussagen könne man sich verlassen, wobei man bei rechtlichen Fragen immer die Zuständigkeiten beachten müsse, daran könne auch er nichts ändern.

Angesprochen auf seine Visionen zur Gastronomie und der Belebung der Innenstadt machte Bernhardt deutlich, dass es sich nur um Ideen und Wünschen handele, die er größtenteils auch aus Gesprächen mit der Bevölkerung aufgenommen habe. Ihm sei bewusst dass man Ärzten, Gastronomen und Einzelhändlern nicht einfach vorschreiben könne, in Adelsheim sesshaft zu werden. Als Bürgermeister könne er sich nur um die Rahmenbedingungen kümmern und Adelsheim lebenswert gestalten, sodass es leichter wird entsprechende Personen in die Stadt zu bekommen.

Beim Bau der sogenannten „Querspange Ost“ waren sich sowohl Gramlich als auch Bernhardt einig darüber, dass dies ein wichtiger Schritt zur verkehrsberuhigten Innenstadt sei. Während Gramlich jedoch darauf verwies, dass dieses Projekt im Moment finanziell nicht überschaubar sei, wolle Bernhardt, nach Fertigstellung der Umgehungsstraße, erstmal drei Jahre abwarten wie sich der innerstädtische Verkehr entwickelt und gegebenenfalls auch neue Ansätze zur „Querspange Ost“ prüfen.

Die Großprojekte „Hallenneubau“ und „Umgehungsstraße“ waren indirekt auch Thema bei einer der Zuhörerinnen. Sie wollte von Klaus Gramlich wissen ob und wo die, für diese Projekte, gefällten Bäume nachgepflanzt werden. Gramlich betonte, dass es außer Frage stehe, dass die gefällten Bäume an anderer Stelle aufgeforstet werden. Im Falle der Umgehungsstraße sei hierfür aber nicht die Stadt, sondern das Land zuständig, zudem müsse man immer bedenken, dass Bäume nur in bestimmten Monaten nachgepflanzt werden können.

Einigkeit herrschte bei den Kandidaten Bernhardt und Gramlich beim Thema der Jugendbeteiligung mittels eines Jugendgemeinderats den einer der Bürger ins Gespräch brachte. Beide sind durchaus offen für eine solche Institution, nur müsse die Initiative dazu auch aus den Reihen der Jugendlichen kommen, die aktiv mitgestalten wollen.
Gramlich sah im selbst verwalteten Jugendhaus bereits eine sehr gute Institution über die sich Kinder und Jugendliche innerhalb der Gemeinde einbringen können. Gramlich verwies darauf, dass es sich in anderen Gemeinden gezeigt habe, dass sich bei den Mitglieder eines Jugendgemeinderates nach einer anfänglichen Euphorie oftmals Ernüchterung einstelle, wenn gewünschte Projekte nicht umgesetzt werden. Bernhardt ist der Meinung, dass dies genau der Punkt sei, an dem man anknüpfen müsse. Als Bürgermeister sei es seine Aufgabe, die Jugend wieder für Kommunalpolitik zu begeistern. Hierfür müsse man vielleicht auch neue Wege gehen.

Insgesamt zeichneten sich in der Fragerunde Unterschiede zwischen den einzelnen Bewerbern ab, wobei es auch manche Übereinstimmungen gab. Alle Kandidaten nutzten im Anschluss die Möglichkeit eines Schlusswortes.

Klaus Gramlich und Wolfram Bernhardt betonten darin die Wichtigkeit der Bürgermeisterwahl und riefen alle Bürgerinnen und Bürger zur Wahl auf. Beide hätten jederzeit ein offenes Ohr für die Bürgerinnen und Bürger. Speitelsbachs Schlusswort hingegen wirkte wie eine lang einstudierte Inszenierung. Wutentbrannt riss er das Mikrofon aus der Halterung und befahl, in bester Feldwebelmanier, allen Bürgerinnen und Bürgern ihn zu wählen. Sollten sie diesem Befehl nicht nachkommen werde er sie verfluchen. Anschließend flüchtete Speitelsbach schnellen Schrittes aus dem Saal.

Als nach knapp zwei Stunden ein umfangreiches Bild der Kandidaten gezeichnet war, appellierte Gemeindewahlausschussleiter Edgar Kraft an die Bürger: „Ich bitte Sie, machen sie am 2. Juni von ihrem Wahlrecht gebrauch. Die Zukunft der Stadt liegt in Ihren Händen. Gehen Sie wählen!.“ Damit war alles gesagt.

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