Exoten für den Wald der Zukunft

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Mitgliederversammlung von Bündnis 90/Grüne Neckar-Odenwald

Adelsheim.  (bd) Zur Kreismitgliederversammlung in Adelsheim begrüßten Amelie Pfeiffer und Andreas Klaffke, die Vorsitzenden der Kreis-Grünen, besonders den Referenten Dieter Hellmann und Bürgermeister Wolfram Bernhardt.

Wolfram Bernhardt freute sich über die Gelegenheit zu einem Grußwort und stellte die Stadt Adelsheim kurz vor. Der im Juni vergangenen Jahres gewählte Bernhardt schilderte mit Erlebnissen aus seinem auf Kommunikation und Dialog setzenden Wahlkampf die Sinnhaftigkeit der öffentlichen Diskussion, um nicht nur in eigenen Überzeugungsgruppen stecken zu bleiben. Aktuell sei die Verschuldung der Stadt in Folge des Hallenbaus in einem Maße angestiegen, dass nahezu kein Raum für Freiwilligkeitsleistungen mehr bleibe und liebgewonnene Zuschüsse für wertvolle Angebote, auch in der Kultur, gestrichen werden müssen. Das sei bitter und führe zu Enttäuschungen, doch der transparente Umgang wecke auch bürgerschaftliches Engagement und private Initiative, was ihn hoffnungsvoll stimme.

Forstdirektor Dieter Hellmann präsentierte zum Themenschwerpunkt „Wald im Klimawandel“ große Faktenkenntnis und zeichnete ein drastisches Bild der Schäden und der Herausforderungen im Wald. Für den Fachmann steht außer Frage: „der Klimawandel ist Fakt!“ und habe gravierende, teils katastrophale Folgen, auch im Neckar-Odenwald-Kreis. Aktuell herrsche eine extreme Waldschutzsituation im heimischen Wald, gekennzeichnet durch ausgetrocknete Böden und enorm viel Käferholz, das Ausmaß der Schädigung sei enorm. Begünstigt durch die milden Winter blieben viele Borkenkäfer am Leben, die trockene, heiße Witterung in 2018 sorgte für eine hohe Borkenkäfer-Ausgangspopulation mit extremem Vermehrungspotential.

Aus dem Befall eines Baumes werde im Laufe eines Sommers bei drei Generationen und warmen Temperaturen der Befall von 8000 Bäumen möglich. Daher sei es extrem wichtig, dass im Frühling die Überwinterungsbäume des Borkenkäfers geschlagen werden. Ein Problem für Privatwaldbesitzer, die gar nicht die Kapazitäten hätten wie im Staats- und Gemeindewald den Borkenkäfer rechtzeitig anzugehen. Im Jahr 2020 sei mit dem Höhepunkt der Borkenkäferpopulation zu rechnen.

Dürreschäden seien im gesamten Wald zu finden, der Großteil des Fichtenbestandes sei aktuell abgestorben. Die Fichten, die bisher überlebt haben, zeigen überwiegend Schäden an den Wurzeln, was die Wasseraufnahme erschwere. Auch die Buche gehe geschwächt aus den Hitzejahren hervor. Die dünne Rinde sei ihr Schwachpunkt bei hoher Sonneneinstrahlung: die Rinde platze auf, die Eiweiße unter der Rinde würden zerstört und damit auch der ganze Baum. Bei der Eiche seien ebenso vermehrt Schäden zu beobachten, die allerdings stärker auf Insekten wie Eichenprozessionsspinner und Schwammspinner zurückgingen, die ihr zusetzten. Diese Insekten wiederum liebten die Wärme und fänden durch die Erwärmung gute Bedingungen vor. Und Ahorn als auch die Esche seien durch Pilzkrankheiten geschwächt, bzw. große Flächen abgestorben.

Düster dann auch der Blick auf die ökonomischen Folgen, den die anwesenden grünen Kommunalpolitiker*innen mit Hellmann, selbst CDU-Gemeinderat, teilten. Bereits 2018 sei der Holzmarkt durch ein Überangebot an Sturm- und Käferholz zusammengebrochen. 2019 seien in Europa weitere 100 Millionen Festmeter Schadholz hinzugekommen (im NOK 140.000 FM), eine Menge die weder abtransportiert noch verarbeitet werden könne. In der Folge sei ein Einschlagstop im Staats- und Gemeindewald ergangen, um den Holzmarkt nicht weiter zu überschwemmen. Die einhergehenden Einnahmeverluste haben aus dem Wald als „Sparkasse der Gemeinden“ ein Zuschussgeschäft für die Kommunalhaushalte werden lassen.

Gerade habe sich der Holzmarkt Anfang 2020 etwas stabilisiert, als durch Sturmtief Sabine die Situation wieder deutlich verschlechtert habe.
Zur Situation der Wälder im Bauland konnte Förster Björn Mai als regionaler Sachkundiger nichts Tröstliches berichten, auch in den Privatwäldern sei die Situation gleichermaßen dramatisch.

Resümierend sah Hellmann für die Forstwirtschaft bzgl. der Veränderungen im Wald mehr offene Fragen als Antworten. Es werde vermehrt feuchte Frühjahre und trockene Sommer bei uns geben. „Diese Veränderung werden Fichten und Buchen nicht überleben“, selbst Kiefern und Douglasien, die eigentlich eine hohe Trocken-Toleranz aufweisen, hielten nicht alles aus. Eiche, Spitzahorn, Elsbeere, Speierling oder auch Wildobst könnten mit diesem Klima besser auskommen.

Auch Exoten wie Zerreiche, Atlaszeder oder Ungarische Eiche könnten sich für den Wald der Zukunft eigenen. Im Moment würden Versuchsflächen angelegt, um bessere Daten und Informationen zu erhalten. Etwa 14 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes der BRD würden durch die Waldbewirtschaftung gebunden. Doch werden Wälder zu Co2 – Quellen, wenn sie absterben. Es müsste verstärkt aufgeforstet werden, doch gebe es kaum Flächen dafür, es sei keine Option, den Wald sich selbst zu überlassen. Der Wald leiste einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz doch Waldbewirtschaftung alleine reiche nicht, lautete sein Fazit. Es brauche auch aktive Klimaschutzpolitik und jede/r einzelne müsse sein Handeln überdenken.

Klaffke und Pfeiffer dankten dem Referenten für seinen hochkompetenten Vortrag und sahen die GRÜNEN in ihren die bisherigen Klimabeschlüsse deutlich übertreffenden Forderungen bestätigt.

Im weiteren Fortgang der Kreismitgliederversammlung stellte sich Tanja Will als neue Leiterin der Geschäftsstelle des Kreisverbandes den Mitgliedern vor. Mit ihr hoffe man die Arbeit noch intensivieren zu können. Auch berichteten die Vorstandsmitglieder vom breiten Themenspektrum in der Vorstandsarbeit, wo Verkehrspolitik, insbesondere Verbesserungen im Radverkehr und im Nahverkehr der Bahn im Blick seien.

Krankenhauswesen und Gesundheitspolitik nehme aktuell großen Umfang ein, weshalb der anstehende Besuch von Sozialminister Lucha am Mittwoch, dem 18.03. um 18.30 Uhr in der Alten Mälzerei in Mosbach mit Spannung erwartet werde. Auch eine Arbeitsgruppe zur „G 5 – Problematik“ sei eingesetzt worden. Mit einem Veranstaltungsausblick auf den Workshop zur Grundsatzdiskussion am 05. April mit MdB Franziska Brantner und die Nominierung zur Landtagswahl am 14. Mai endete die Versammlung.

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