LKA bringt „Josef“ nach Hause

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(Foto: pm)

Kunstdieb in Frankreich ermittelt

Schöntal. (ots) Im Jahr 2018 verschwindet er aus der Klosterkirche in Schöntal: Die Figur eines Johannes, Teil einer Kreuzigungsdarstellung, fällt einem Diebstahl zum Opfer. Nun ist es dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg gelungen, das kostbare Stück aus der Ausstattung der ehemaligen Klosterkirche wiederzufinden. Heute übergab LKA-Vizepräsident Andreas Renner die Johannesfigur an Michael Hörrmann, den Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.

Die Klosterkirche Schöntal ist mit der reichen Ausstattung aus mehreren Jahrhunderten ein besonderer Schatz“, erklärt Michael Hörrmann, weshalb die Rückkehr der Barockfigur des Josef ein großes Glück sei. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg sind für die konservatorische Betreuung des ehemaligen Klosters zuständig. Die Klosterkirche ist nicht nur ein bedeutendes barockes Monument, sie ist auch als katholische Gemeindekirche frei zugänglich.

„Ein Diebstahl in einem solchen Monument ist immer besonders tragisch, weil die Situation das Konzept der freien Zugänglichkeit in Frage stellt. Die Kirche ist für viele Menschen aus der Umgebung ein wichtiger Ort, sei es aus religiösen oder aus emotionalen Gründen“, so Hörrmann. „Wir sind daher außerordentlich froh, dass es gelungen ist, die Figur wiederzufinden.“

Laut LKA führte die Spur führt nach Frankreich. Die Rückkehr der Johannesfigur ist einer hervorragenden grenzüberschreitenden Teamleistung zu verdanken, so die Ermittler. Die französische Gendarmerie, das Bundeskriminalamt (BKAK und das LKA Baden-Württemberg durchsuchten im Februar und März 2019 in Frankreich Räumlichkeiten bei einem einschlägig vorbestraften Kunstdieb. Ermöglicht wurde dies durch ein justizielles Rechtshilfeverfahren zwischen der Staatsanwaltschaft Offenburg auf deutscher und der Staatsanwaltschaft Saverne sowie dem Landgericht Sarreguemines auf französischer Seite.

Der 49-jährige Beschuldigte steht im Verdacht, über Jahre hinweg Kunst aus Museen, Kirchen, Galerien und Auktionshäusern gestohlen zu haben. Der Mann ging dabei sehr geschickt vor, er entwendete die Werke meist am helllichten Tag und während der regulären Öffnungszeiten.

20 Kunstwerke aus Baden-Württemberg sichergestellt

Insgesamt stellte die Polizei 26 in Deutschland gestohlene Kunstgegenstände sicher, davon 20 aus Baden-Württemberg. Darunter befand sich unter anderem die im Mai 2018 aus der Klosterkirche Schöntal gestohlene Skulptur des heiligen Johannes. Mit Hilfe der Kräfte der französischen Gendarmerie und des Bundeskriminalamts stellen die Ermittlerinnen und Ermittler des Landeskriminalamts Baden-Württemberg bereits bei der ersten Durchsuchung im Februar 2019 fünf Beutestücke sicher, die sich umgehend Diebstählen in Baden-Württemberg zuordnen ließen. Die Expertinnen und Experten des LKA werteten Fotos der Kunstobjekte aus der Wohnung des Beschuldigten aus. Den Versicherungswert der vom Beschuldigten in Baden-Württemberg entwendeten Objekte wird auf rund 280.000 Euro geschätzt.

Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft Offenburg kann das LK diese bedeutenden Werke an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgeben. Die Übergabe des heiligen Johannes am Dienstag wird daher nicht die letzte Übergabe gewesen sein.

Gegen den Beschuldigten läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des schweren Diebstahls in Tateinheit mit Verstößen gegen das Kulturgutschutzgesetz. Mit einer Anklageerhebung ist in Kürze zu rechnen. Der Beschuldigte hält sich derzeit in Frankreich auf und ist durch die französische Justiz im Rahmen eines anderen Verfahrens zum Tragen einer Fußfessel verpflichtet.

Hintergrund – Alabasterfigur des 17. Jahrhundert

Der Passionsaltar, aus dem der heilige Johannes entwendet wurde, steht an einem der Pfeiler im nördlichen Kirchenschiff. Michael Kern schuf die Figur im 17. Jahrhundert. Der Bildhauer aus Forchtenberg war zu Beginn des Barocks ein gefragter Künstler. Die große Hauptszene in der Mitte des Altars ist eine Darstellung der Kreuzigung Christi. Die wiedergefundene Figur gehört zu dieser Szene: Johannes, der Lieblingsjünger, und Maria trauern gemeinsam am Fuß des Kreuzes.

Der Altar ist raffiniert komponiert und verbindet feine Reliefs und vollplastische Figuren. Der fehlende Johannes beeinträchtigt die Gesamtwirkung stark. Der kostbare Alabasteraltar aus dem 17. Jahrhundert wurde, zusammen mit mehreren anderen Arbeiten von Kern, in die barocke Ausstattung übernommen, als die Klosterkirche im 18. Jahrhundert neu errichtet wurde.

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