Bereits elf geschenkte Lebensjahre

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Werben für den „World Restart A Heart Day“: Ersthelfer Ulrich Wegert und Rudi Knühl, Klaus Müller als Betroffener eines Kreislaufstillstandes und Notfallmediziner Priv.-Doz. Dr. med. Harald Genzwürker von den Neckar-Odenwald-Kliniken. (Foto: pm)

Welttag der Wiederbelebung 2020 – „Die Pumpe muss laufen!“

Hettingen.  (pm) Am Sonntag trafen sich vier Menschen am Sportplatz Hettingen. Dort kreuzten sich vor elf Jahren deren Lebenswege. Und für einen wäre es beinahe das Ende seines Lebens gewesen. Doch Dank des beherzten Eingreifens seiner Ersthelfer und einer bestens funktionierenden Rettungskette blickten alle gemeinsam darauf zurück, was jeder Einzelne von ihnen seit diesem Tag im Oktober 2009 erlebte.

Der Kreisligist FC Victoria Hettingen hatte den SV Osterburken zu Gast, es war die 80. Minute. Unter den Zuschauern auch der damals 53 Jahre alte Klaus Müller, der sich wohl fühlte und vermeintlich kerngesund war. Plötzlich fiel er um und lag bewusstlos am Boden. Aufgrund eines Kammerflimmerns stand sein Herz still, es lag ein Kreislaufstillstand vor.

Lebensrettend für Klaus Müller waren zwei Dinge. Es wurde sofort der Notruf über die 112 abgesetzt, die Leitstelle alarmierte Notarzt und Rettungswagen. Das Wichtigste aber: zwei beherzte Ersthelfer fassten sich ein Herz und begannen mit den Wiederbelebungsmaßnahmen.

Bereits 2010 beschrieben Rudi Knühl und Ulrich Wegert, was sie in dieser Situation antrieb: „Die Pumpe muss laufen, ohne die geht nichts“, schilderten sie ihre Motivation. Bei der Herzdruckmassage und der Mund-zu-Mund-Beatmung wechselten sie sich ab, bis der Rettungsdienst eintraf und die Maßnahmen fortsetzte. Als Held will keiner von beiden bezeichnet werden, denn sie halten das, was sie getan haben, für selbstverständlich. „Das kann jeder, wenn es darauf ankommt!“ ist beiden wichtig, auch anderen Mut zu beherzter Hilfe im Notfall zu machen.

Der Notarzt, der an diesem Sonntag die Versorgung übernahm, betont aber dennoch, dass die Ersthelfer mit ihrem sofortigen Handeln nicht nur das Überleben gesichert, sondern auch einen Sauerstoffmangel im Gehirn verhindert haben. Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker weiß aus mittlerweile 30 Jahren Tätigkeit in der Notfallrettung: „Leider haben nicht alle Menschen das Glück, dass sich Umstehende trauen. Genau deshalb möchten wir mit dieser Geschichte am Welttag der Wiederbelebung zeigen, wie einfach und wichtig die Erstmaßnahmen beim Kreislaufstillstand sind.“ Auch mit der jährlichen Woche der Wiederbelebung wird unter dem Slogan „Prüfen – Rufen – Drücken“ der Stellenwert entschlossenen Handelns im Notfall betont.

Wie ging es für Klaus Müller weiter? An den Tag seines Kreislaufstillstandes hat er keinerlei Erinnerungen, vom Flug mit dem Rettungshubschrauber, der nach seiner Stabilisierung durch das Team vor Ort auf dem Sportplatz landete und ihn in die Universitätsklinik Würzburg transportierte, weiß er aus Erzählungen. Herzkatheter, später dann ein Herzschrittmacher mit integriertem Defibrillator, Rehaklinik – und Anfang 2010 Rückkehr an seinen Arbeitsplatz bei der Buchener Stadtverwaltung. Das sind einige der Eckdaten seines Genesungsprozesses. Regelmäßige Checks seines „Defis“ gehören fest zum jährlichen Rhythmus.

Viel wichtiger ist ihm aber, was durch seine Helfer am 11. Oktober 2009 noch alles möglich wurde: bereits elf Weihnachtsfeste im Kreise seiner Familie, die Hochzeit der Tochter, die Geburt seines Enkelkindes 2011, viele weitere Ereignisse mit Freunden – am diesem besonderen Tag betonte er mehrfach, welches Geschenk diese Jahre für ihn sind.

Beim FC Victoria engagiert er sich wieder wie zuvor für „seine“ Turner, und auch bei den Heddemer Freggern ist er unverändert aktiv. Sogar den einen oder anderen Auftritt hat er in den letzten Jahren wieder absolviert.

Gemeinsam rufen die Ersthelfer Rudi Knühl und Ulrich Wegert sowie Notarzt Dr. Genzwürker am „World Restart A Heart Day“ dazu auf, sich mit den einfachen Wiederbelebungsmaßnahmen vertraut zu machen und im Notfall zu handeln. Den Slogan findet Klaus Müller sehr gut: „Deine beiden Hände können ein Leben retten – bei mir hat es funktioniert, und dafür bin ich sehr dankbar!“

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