Positionieren sich deutlich gegen Sparpläne im sozialen Bereich: Die Johannes-Diakonie-Vorstände Martin Adel (li.) und Dr. Martin Holler (Mitte) sowie Tobias Albrecht, regionaler Geschäftsführer und künftiger Vorstandsvorsitzender (li.). (Foto: Walter)
Johannes-Diakonie gegen Kürzungspläne im sozialen Bereich
Mosbach. (mw) „Ich bin kein Sparpotenzial“ ist auf den Bannern an der B 27 auf Höhe der Diakonie-Klink sowie auf dem Gelände der Johannes-Diakonie in Mosbach zu lesen. Daneben ein Bild einer jungen Frau. Sie blickt ernst in die Kamera. Ernst sind aus Sicht der Johannes-Diakonie die zum Teil massiven Kürzungspläne auf Landes- und Bundesebene im sozialen Bereich, insbesondere in der Eingliederungshilfe und damit direkt an den Menschen. Aus diesem Grund engagiert sich die Johannes-Diakonie als Teil eines Bündnisses für Bürokratieabbau bei der Protestkampagne #nichtamMenschensparen, die jüngst in Stuttgart gestartet wurde.
„Die zentrale Botschaft unseres Bündnisses geht über ein ,Nein‘ zu Kürzungen hinaus. Es gibt realistische Möglichkeiten zu sparen – ohne bei den Menschen zu sparen“, erläutert Vorstandsvorsitzender Martin Adel das Ziel der Kampagne. Ein bislang zu wenig genutztes Potenzial liege im Abbau von Bürokratie. „Uneinheitliche Verfahren, mehrfach zu erfassende Daten, fehlende digitale Lösungen sowie hohe Abstimmungs- und Verwaltungsaufwände und unverhältnismäßiger Dokumentationsaufwand verschlingen massiv Ressourcen.“
So zeige beispielsweise eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag des „Brüsseler Kreises“, eines Zusammenschlusses gemeinnütziger sozial- und gesundheitswirtschaflticher Unternehmen, dass in der direkten Betreuung der Menschen im Schnitt rund eineinhalb Stunden täglich für rein bürokratische Tätigkeiten verloren gehen. „Diese Zeit fehlt dort, wo Unterstützung wirkt – bei den Menschen“, so Adel weiter.
Gelinge es, Bürokratie zu reduzieren, profitierten alle: Menschen mit Assistenzbedarf, Angehörige, Mitarbeitende, Einrichtungen – und auch Kommunen, Land und Bund, weil knappe Mittel wirksamer eingesetzt werden können.
„Wir sehen unsere Kampagne als konstruktiven Beitrag zur aktuellen Spar- und Reformdebatte“, ergänzt Vorstand Dr. Martin Holler.
Die Kampagne mit einer entsprechenden Petition richte sich gezielt an die Landespolitik und die neue Landesregierung. Kernforderung sei, Bürokratieabbau im Sozialbereich zu einem zentralen politischen Vorhaben der kommenden Legislaturperiode zu machen. Dazu gehören unter anderem landesweit einheitliche, verständliche Bescheide, standardisierte und digitale Abrechnungsverfahren, verbindliche IT-Standards und Schnittstellen zwischen Einrichtungen, Verwaltungen und Kostenträgern sowie eine konsequente Digitalisierung von Verwaltungsprozessen. „Unsere Mitarbeitenden erleben jeden Tag, wie viel Zeit durch komplizierte Abläufe verloren geht. Zeit, die eigentlich für Menschen da sein sollte.
Wenn wir Prozesse vereinfachen und besser abstimmen, gewinnen wir genau das zurück – und entlasten gleichzeitig die öffentlichen Haushalte“, so Martin Adel abschließend.
Hinter der Kampagne „#nichtamMenschensparen“ steht ein Bündnis von 15 sozialen Einrichtungen und Verbänden. Gemeinsam erreichen sie weit über 40.000 Menschen mit Assistenzbedarf in Baden-Württemberg.
Weitere Infos und der Verweis auf die Petitionsseite unter www.nichtammenschensparen.de




