Offene Frage: Ehe – oder eher nicht?

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Ann-Kathrin Schneider bereitete musikalisch-ironischen Genuss – „Ich brauche Männer in der ersten Reihe!“

Künstlerinnen Ann-Kathrin Schneider und Sylvia Ackermann am Piano. (Foto: Brauch-Dylla)

Wagenschwend. (bd) Am Ende waren dann doch alle zufrieden: die Künstlerinnen Ann-Kathrin Schneider und Sylvia Ackermann (Piano), die ca. 50 zahlenden Gäste und auch die Veranstalter – die Limbacher vhs-Außenstelle und der Förderverein Dorfgemeinschaftshaus. Zwar hatte man sich schon einen besseren Besuch erhofft, nachdem bei der Comedy der Geschlechter am Jahresanfang zwei Mal „full house“ vermeldet worden war, doch die Qualität des Auftritts und die Begeisterung des Publikums versöhnte mit dem ausgebliebenen finanziellen Ertrag für das Dorfzentrum.

„Ehe oder eher nicht?“ lautet die Programmfrage, die die Walldürner Schauspielerin und Sängerin seit gut vier Jahren immer wieder aufwirft. Zwei Stunden ging sie hintergründig – ironisch, mal bissig – mal sanft, mit dem Männergeschlecht ins Gericht. Auffällig, dass sie sich dabei besonders bei Humor- und Geistesgrößen der „Angeklagten“ bediente. Heinz Erhard, Erich Kästner, Joachim Ringelnatz , Georg Kreisler oder Kurt Tucholsky wurden zu umfassenden Zeugen der männlichen Unzulänglichkeiten – und der Fähigkeit zur Selbstironie!


Dass Schneider es letztlich gut meint mit den Männern – die sie rabiat in die Kategorien „taube Nuss“, „Schlaffi“, „Seidensocke“ und „Büroklammer“ einteilt, ist von Beginn an zu spüren. Auch wenn sie zwischendurch die leibhaft die Messer wetzt und sich verbal als Kannibalin gebärdet – immer lässt sie auch die Sehnsucht nach dem Richtigen durchschimmern. Und wenn der Traummann ihr im Publikum nicht gleich ins Auge springt, dann will sie wenigstens Auswahl, „genug Männer in der ersten Reihe!“verlangt sie nachdrücklich. Dann trällert sie „Kinder, heut‘ Abend, da such‘ ich mir was aus“. Und wie sie singt – mehr als ein Dutzend Chansons interpretiert sie „unplugged“ und raumfüllend, zum zweiten Mal virtuos begleitet von der klassischen Pianistin Sylvia Ackermann aus Miltenberg, die sich an diesem Abend auch bei U-Musik spürbar wohlfühlt.

Bei der Suche nach dem „Richtigen“ unternimmt sie Schneider allerhand musikalische Versuche. So mündet die Klage „Männer gibt es heute wieder reichlich, aber leider sind sie fürchterlich weichlich“ in den Wunsch nach einem „Neandertaler“. Dieser Verstoß gegen die feministische political correctness beweist „Ich habe Probleme mit der Identität“. Für wen soll sie sich entscheiden? „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ fasst sie mit Friedrich Holländer ihre Zweifel zusammen. Dann besingt sie einen allzu zurückhaltenden Lebensgefährten – „er ist immer sooo müde!“, dass sie schon mit dem Staubwedel das Schmusen anfängt.

Zwischendurch lobt sie die Volkshochschulen, die im Schneiderschen Kosmos Fortbildungskurse zur Behebung männlicher Defizite anbieten wie „M 801 Geschirr – wo könnte sein Platz sein“ und „M 803 Wäsche“, detaillierter noch „M 808 „Socken“, tiefenentspannend der VHS-Kurs M 806 „Fernbedienung -wie Sie lernen loszulassen“. Sie sagt es durch die Blume, denn sie glaubt Georg Kreisler: „Die Wahrheit vertragen sie nicht“.

Fast hört man sie resignieren, Otto Reutter‘s „Nehmen Sie nen Alten!“ („den könn‘se behalten!“) ertönt. Letzt wurde der Traummann dann doch noch identifiziert. „Er heißt Waldemar“, und das „Lied der Bräute“ beendeten den heftig beklatschten offiziellen Teil, dem verdiente Zugaben folgten.

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