(Foto: Brauch-Dylla)
Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“ verliehen
Dallau. (bd) Es ist ein beachtlicher Meilenstein für die Pflege- und Altenhilfelandschaft im Neckar-Odenwald-Kreis: Die AWO Neckar-Odenwald gGmbH hat als erster Träger der Region gleich drei ihrer Einrichtungen erfolgreich zertifizieren lassen.
Die Hausgemeinschaft in Dallau, das Wohn- und Pflegezentrum Osterburken sowie das Wohn- und Pflegezentrum „Maria Rast“ in Walldürn tragen ab sofort das staatlich geförderte Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“.
Im Rahmen eines lebendigen Festaktes wurde diese Auszeichnung feierlich gewürdigt – mit prägnanten Statements und einer fachlichen Talkrunde.
Den Auftakt der Veranstaltung gestaltete der neue AWO-Kreisgeschäftsführer Daniel Born, der die zahlreichen Gäste, darunter auch Bürgermeister Marco Eckl und das frühere Schefflenzer Ortsoberhaupt Rainer Houck, in Dallau begrüßte. Er machte deutlich, dass gelebte Vielfalt ein zentraler Pfeiler für die Zukunft des Verbandes sei, der auch seine Identität maßgeblich ausmache.
Als erster Gastredner trat Landrat Dr. Achim Brötel ans Rednerpult. In seiner Grußrede spannte er den Bogen von der regionalen Identität zur gesellschaftlichen Verantwortung.
„Wir im Odenwald haben es im Grunde schon immer gewusst: Es ist die Vielfalt, die unser Leben prägt, und nicht die Einfalt“, betonte Brötel und erinnerte an das AWO-Event „Bunt. Bunter. Vielfalt!“ vor drei Jahren in Osterburken.
Gleichzeitig fand er mahnende Worte bezüglich aktueller politischer Tendenzen und forderte echten Mut statt bloßer Lippenbekenntnisse: „Einheit, die nur das Eine kennt, wird schnell eintönig. Viele verschiedene Blumen ergeben einen Strauß.“
Im Anschluss an den Landrat unterstrich Claudia Mandrysch, Bundesvorständin der AWO, die auch bundesweite Signalwirkung des Termins und lobte die AWO im Neckar-Odenwald-Kreis als Vorreiterin für den Gesamtverband.
Für die regionale Einbindung der badischen AWO sprach daraufhin Armin Petermann (Leiter des operativen Bereichs der AWO Baden), bevor Gaby Teichmann in ihrer Doppelfunktion als AWO-Kreisvorsitzende und Aufsichtsratsvorsitzende betonte: „Unser Miteinander in der AWO Neckar-Odenwald-Kreis ist demokratisch, inklusiv und vielfältig. Das gilt für die Arbeitswelt ebenso wie für Zeiten der Pflege.“
Teichmann dankte besonders Projektleiterin Stefanie Lang sowie den engagierten Teams in den Häusern. Den Schlusspunkt der Redebeiträge setzten Natascha Gadden und Michael Jochim von der Schwulenberatung Berlin, die das im Auftrag des Bundesfamilienministeriums entwickelte Siegel später offiziell übergaben. Sie hoben das Engagement und die Professionalität der lokalen AWO-Akteur:innen hervor, was die Zusammenarbeit zu einer Freude gemacht habe.
Den Prozess der Zertifizierung und wie die theoretischen Kriterien des Siegels im alltäglichen Pflege- und Arbeitsalltag mit Leben gefüllt werden, stand im Mittelpunkt einer anschließenden Talkrunde.
Hierzu diskutierten Stefanie Lang und Birgit Klatt von der Projektleitung der AWO Neckar-Odenwald gemeinsam mit Tom Dörr von der Markus Diakonie Frankfurt am Main über Herausforderungen, den Abbau von Berührungsängsten und konkrete Maßnahmen in den Einrichtungen.
Dabei wurde auch deutlich, dass der Zertifizierungsprozess in den Einrichtungen kein jederzeitiger Selbstläufer war, sondern mitunter Hindernisse überwunden werden mussten und Durchhaltevermögen von Nöten war, das nun seine Belohnung fand.
Schließlich konnten die Urkunden ausgehändigt und von den Einrichtungsleitungen mit Freude entgegengenommen werden. Die Zertifizierungsfeier fand bei leckerem, nachhaltigen Buffet, Gesprächen und den musikalischen Klängen von DJ NTT ihren Ausklang.
Hintergrund: Das Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“ zertifiziert Alten- und Pflegeeinrichtungen, die sich bemühen, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ihrer Bewohnerschaft als wesentlichen Aspekt ihrer Persönlichkeit zu berücksichtigen. Das gilt sowohl für die Pflege als auch für das alltäglichen Leben in der Einrichtung.
Ziel ist die Wertschätzung der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt von Bewohnerinnen, Bewohnern und Pflegekräften.
Das im November 2018 erstmals erteilte Qualitätssiegel wird im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durch die Schwulenberatung Berlin verliehen.
Zertifizierte Einrichtungen im Neckar-Odenwald-Kreis sind die: AWO-Hausgemeinschaft Dallau, und die AWO-Wohn- und Pflegezentren Osterburken und Maria Rast in Walldürn.