Kann Waldbrunn Straßensanierung noch leisten?

Welche Giftstoffe bleiben im Boden?

Strassensanierung

(Foto: Hofherr)

Waldbrunn. Ob es sich Waldbrunn in Zukunft überhaupt noch leisten könne, Straßen zu sanieren, sei die Frage, die sich angesichts der Ausführungen der Planer vom Ingenieurbüro Sack & Partner stelle, so das Fazit von Bürgermeister Markus Haas nachdem man zuvor zwei entsprechende Maßnahmen innerhalb der Gemeinde diskutiert und auf den Weg gebracht hatte.

Warum sich das Gemeindeoberhaupt zu einer solchen Aussage hinreißen ließ, ergibt sich laut Planer aus diversen Verordnungen, die dazu führen, dass Erdaushub  mit Ausnahme von Mutterboden zu Abfall werde. Diesen Abfall müsse man auf mögliche Belastungen hin untersuchen. Bei entsprechendem Aufkommen werden dann hohe Entsorgungs- bzw. Deponiekosten fällig.

Im Gemeinderat Waldbrunn behandelte man in der jüngsten Sitzung gleich zwei Straßenbaumaßnahmen, bei denen belastetes Material im Unterbau entdeckt worden ist. Sowohl bei der Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße von Strümpfelbrunn in den Höllgrund, als auch beim Ausbau der Weisbacher Wilhelmstraße von der Mosbacher Straße in Richtung Sportplatz, könnten im haushälterisch ungünstigsten Fall jeweils sechsstellige Beträge anfallen. Dabei müsse man bei der Gemeindeverbindungsstraße von einer Höchstsumme bis zu 250.000 Euro kalkulieren, während das sogar stärker belastete Material in Weisbach bis zu 170.000 Entsorgungskosten verursachen könnte.

Je nach Bauweise und in Absprache mit den Genehmigungsbehörden beim Landratsamt könne man die Materialien aber im größtenteils im Boden belassen und so Kosten sparen. Bei den Stoffen handelt es sich hauptsächlich um sogenannte Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die als natürliche Bestandteile von Teer viele Jahrzehnte im Straßenbau verwendet wurden, aber heute als krebserregend und daher gefährlich eingestuft werden.

Die Baumaßnahme von Strümpfelbrunn nach Oberhöllgrund war bereits im Januar auf der Tagesordnung, damals aber wegen offener Fragen, so war unter anderem die Belastung nicht geklärt, soll nun für den Betrag von 305.000 Euro saniert werden. Damit setzte sich die CDU-Fraktion mit ihrem Antrag durch, die günstigste Variante zu wählen. Der Ausbau erfolgt auf einer 900 Meter langen Strecke in einer Straßenbreite von bis zu 4,5 Metern. Drei Ausweichstellen sollen lediglich geschottert und nicht asphaltiert werden. Auf teure Drainagen wird ebenfalls weitestgehend verzichtet.

Die Maßnahme „Wilhelmstraße“, die laut Ortsvorsteher Reinhard Kessler seit 2001 auf ihre Realisierung wartet, wurde lediglich vorgestellt, ohne dass eine Beschlussfassung erfolgte. Laut Planungsbüro gebe es gar keine Straße, sondern lediglich einen „Flickenteppich“, der sich darüber hinaus in einem sehr schlechten Zustand befinde. Geplant sei der Ausbau auf 5 Meter Breite einem Schrammbord auf jeder Seite. Die Kosten belaufen sich laut Sack & Partner auf 290.000 Euro. Bei möglichen Entsorgungskosten in Höhe von 170.000 Euro können die Kosten auf bis zu 450.000 Euro steigen.

Bei diesen Summen wird dann deutlich, warum Bürgermeister Markus Haas die Frage stellt, ob man die Straßen nicht einfach im schlechten Zustand belasse.

Neben den beiden Straßenbaumaßnahmen, stimmte der Gemeinderat der Annahme von Spenden zu, und vergab die Vereinsförderung in Höhe von 2.500 Euro an den SV Dielbach. Außerdem ließ Bürgermeister Markus Haas Rat und Öffentlichkeit wissen, dass Waldbrunn weiterhin das Prädikat „Luftkurort“ führen darf. Entsprechende Messungen im vergangenen Jahr hätte die hervorragende Luftqualität einmal mehr bestätigt, freute sich Haas.

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