Zimmern: „Nicht nur Seelsorger, sondern Vorbild“

Diakon Wolfgang Ludwig nach 36 Jahren verabschiedet 

 Zimmern. (lm) „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“, zitierte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Sigrid Ackermann die Bibel zu Beginn ihrer Laudatio auf ihren ehemaligen Lehrer Diakon Wolfgang Ludwig und milderte den Abschiedsschmerz mit der humorvollen Ergänzung: „Gell Herr Ludwig, es ist wie früher in der Schule – nur dass ich jetzt vorne stehe“.

In der voll besetzten St. Andreas Kirche würdigten die Zimmerner durch wirklich alle Generationen die 36 Jahre engagierten Dienstjahre des Diakons, dessen Wirken als Berufung gesehen wurde. Wie Sigrid Ackermann in der würdigen Eucharistiefeier mit Pfarrer Martin Drathschmidt betonte, war Wolfgang Ludwig mit seinem unerschütterlichen Glauben, gepaart mit trockenem Humor nicht nur Seelsorger für viele, sondern vor allem Vorbild. Sie erinnerte an das von ihm als „Gärtnerlied“ getaufte „Es blüht der Blumen eine“, das oft zum Abschluss der Zimmerner Prozessionen gesungen wurde und an eine Prozessionsstation bei der Grotte, als Wolfgang Ludwig in die Menge gerufen hatte: „So, jetzt lasst uns laut ins Ort hinein singen, damit alle, die noch in ihren Betten liegen, es auch hören können!“

Schon die reine Statistik dieses besonderen Diakons klang unglaublich. Denn während seiner 36 Dienstjahre in Zimmern hat er zehn Hochzeiten, 66 Taufen, eine unbekannte Zahl an Beerdigungen und 3.774 Gottesdienste als Diakon oder Organist begleitet. Allein dafür hat er nach den Berechnungen von Sigrid Ackermann mit seinem Wagen rd. 30.000 Kilometer zurückgelegt. „Was wir als Pfarrgemeinde von Ihnen hatten, wird jetzt deutlich, nachdem Ihr Gesundheitszustand leider nicht mehr zulässt, dass Sie das Amt des Diakons oder Organisten weiter ausüben können.“

So schmerzlich der Abschied sei, wolle man doch dankbar auf die vielen schönen Jahre zurückblicken, in denen Wolfgang Ludwig mit den Menschen in Zimmern Gottesdienste, Trauungen und Beerdigungen gefeiert habe und auf vielen Prozessionen mit ihnen gegangen sei oder trauernden Angehörigen an Beerdigungen bei Wind und Wetter auf dem Friedhof beigestanden habe. Passend dazu handelte die Predigt zur offiziellen Entpflichtung von Diakon Ludwig von Vertrauen, Misstrauen, Liebe und Verzeihen. Die Kirchengemeinde St. Andreas sei „SEINE“ Gemeinde gewesen würdigte Pfarrer Drathschmidt die Verdienste von Wolfgang Ludwig, die diesem ans Herz gewachsen waren. Und in diesem Sinne habe er die Wortgottesdienste in St. Andreas als Diakon oder Organist bereichert. Wobei sein besonderes Steckenpferd der musikalischen Wiederbelebung der Psalmen gegolten habe.

Der Abschied sei schmerzlich, aber man blicke vor allem dankbar zurück wie die Anwesenheit so vieler Generationen bei diesem Gottesdienst zeigte. Mesner Bernhard Grimm, der in die Dienste des Diakons während der letzten 33 Jahre maßgeblich eingebunden war, würdigte dessen Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und das gute Miteinander und wusste noch ein paar nette Anekdoten aus dieser Zeit zu berichten, bevor Diakon Ludwig mit der Entpflichtungsurkunde, einem Präsentkorb und einem sehr persönlichen Fotobuch offiziell verabschiedet wurde. Dabei ging auch ein dickes Dankeschön an Brigitte Ludwig, die ihren Mann immer in seinem Amt unterstützt hatte. (LM)

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Unser Bild zeigt von links: Bürgermeister Thomas Ludwig, Brigitte und Wolfgang Ludwig, Bernhard Grimm, Pfarrer Drathschmidt und Sigrid Ackermann. (Foto: Liane Merkle)

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