ÖPNV steht vor einer Neuausrichtung

Symbolbild - Sonstiges

Veränderungen ab 2018 – Schülerverkehre bilden weiterhin das Rückgrat

(pm) Der ÖPNV im Main-Tauber-Kreis setzt sich aus den Schülerverkehren und den darüber hinausgehenden Angeboten für Berufspendler und für den Freizeitverkehr zusammen. Wird vom ÖPNV gesprochen, bezieht sich dies in der Regel auf das Busangebot. Ergänzend kann die Bahn genutzt werden. In den zurückliegenden Monaten wurden die Busleistungen in einigen Bereichen neu konzipiert und insgesamt ausgeschrieben. Das neue ÖPNV-Buskonzept soll zum 1. Januar 2018 umgesetzt werden.

Der Öffentliche Personennahverkehr im Main-Tauber-Kreis wird federführend durch die Landkreisverwaltung umgesetzt. Das betrifft ausschließlich das Busangebot, welches tagtäglich die Schülerverkehre und die zusätzlichen Angebote für Berufspendler, den Freizeit- und den individuellen Verkehr zum Einkaufen, Arztbesuch etc. umfasst. Ergänzend kann das Bahnangebot genutzt werden, welches im Auftrag des Landes Baden-Württemberg durch die Deutsche Bahn, Regionalbereich Württemberg, die WestFrankenBahn und ab 2019 auf der Frankenbahn durch das Unternehmen „Go ahead“ gefahren wird.

Das ab dem 1. Januar 2018 neu ausgerichtete Busangebot wird auch weiterhin durch die Schülerverkehre getragen. „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass an jedem Schultag rund 10.000 Schülerinnen und Schüler pünktlich ihre Schulen erreichen und ebenso zuverlässig nach dem Unterricht wieder an ihren Wohnort zurückkommen“, sagt Landrat Reinhard Frank.

Die Koordination und die Abwicklung der Schülerverkehre ist keine leichte Aufgabe, denn es müssen auch kleinere Dörfer oder Siedlungsplätze mit dem Erfordernis, eventuell nur einen oder zwei Schüler zu transportieren, in den Schülerverkehr eingebunden werden. „In einigen Fällen hilft dann der so genannte freigestellte Schülerverkehr, der ausschließlich zum Zweck des Schülertransports eingerichtet und nicht in den Fahrplanverkehr aufgenommen ist“, ergänzt der zuständige Dezernent im Landratsamt, Jochen Müssig. Besonders stolz ist man im Landratsamt, dass die im Linienfahrplan veröffentlichten Fahrten, die primär für Schüler eingerichtet sind, dennoch von der gesamten Bevölkerung genutzt werden können.

Bei der Vorbereitung der Neuausschreibung wurden auch Veränderungen in der Schullandschaft berücksichtigt. So besteht inzwischen aufgrund der Ganztagsschulen ein erhöhter Bedarf für Fahrten am Nachmittag. Ebenso haben sich Schülerströme zu den in der Schullandschaft neu entwickelten Gemeinschaftsschulen ergeben. Diese Gemeinschaftsschulen, beispielsweise in Ahorn und in Külsheim, stärken den ländlichen Raum, verlagern zum Teil aber den Schülerverkehr weg von den bisher größeren Schulstandorten.

Zusätzlich zum Schülerverkehr wurde und wird der Berufspendler- und Freizeitverkehr weiterentwickelt. Dem Freizeitverkehr sind beispielsweise Fahrten zum Einkaufen sowie zu Arzt- oder Behördenbesuchen in den Städten zuzuordnen. Ergänzend leistet der ÖPNV auch Zubringerfahrten zu zentralen Omnibusbahnhöfen oder zur Schiene an den Bahnhöfen und damit den Anschluss an überregionale Verkehre. Bei einigen dieser Fahrplanverbindungen besteht inzwischen ein regelmäßiges Taktangebot; ebenso wird das Angebot ab Januar 2018 auf die Abendstunden ausgeweitet.

Im Vorfeld der Ausschreibung hatte die Landkreisverwaltung gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar und der Verkehrsgesellschaft Main-Tauber Linienbündel entwickelt. Durch die Linienbündelung, verbunden mit einer Loslimitierung, hatten die heimischen Busunternehmen die Chance, sich in den Wettbewerb einzubringen. „Diese Überlegung ist aufgegangen“, sagt Dezernent Jochen Müssig erfreut. Neben dem landeseigenen Verkehrsunternehmen SWEG sind alle heimischen Unternehmen, die ein Angebot abgegeben haben, mit mindestens einem ab 1. Januar 2018 zu fahrenden Bündel beauftragt.

Ab dem 1. Januar 2018 wird es auch einen deutlichen Qualitätssprung bei den Fahrzeugen geben. Auf den Hauptachsen und einigen Nebenstrecken kommen Neufahrzeuge zum Einsatz, die den Qualitätsvorgaben des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar VRN entsprechen. Viele Fahrzeuge werden mit einem niederflurigen Einstieg ausgestattet sein, so dass auch körperbehinderte oder ältere Fahrgäste sowie Fahrgäste mit Kinderwagen einen deutlich leichteren Einstieg vorfinden. „Die Niederflurfahrzeuge und so genannten Low-Entry-Fahrzeuge sind ein wichtiger Schritt in Richtung Barrierefreiheit“, sagt Landrat Reinhard Frank.





Neben den festen Linienfahrten wurden 2007 im Main-Tauber-Kreis so genannte Rufbuslinien eingerichtet. Die Rufbusse können zu den im Fahrplan angegebenen Zeiten telefonisch bestellt werden und dienen in erster Linie der Bedienung an Wochenenden und in den Abendstunden sowie an Ferientagen. „Zu den Zeiten, in denen die Nachfrage sinkt, helfen Rufbusangebote“, erläutert Amtsleiter Dr. Heiko Schnell. Flexible Fahrten sind in diesen Zeitkorridoren wesentlich wirtschaftlicher als feststehende Linienfahrten.

Die Rufbusangebote und weitere flexible Angebote werden noch zum 1. Januar 2018 neu ausgeschrieben. Hierzu wird gegenwärtig durch den Landkreis, den VRN und die Nahverkehrsberatung Südwest ein neues Konzept erarbeitet. Dieses Konzept soll noch flexibler auf die sehr unterschiedliche Nachfrage reagieren können und gleichzeitig möglichst kostengünstig bleiben. Über das Konzept wird der Kreistag des Main-Tauber-Kreises in seiner Herbstsitzung beraten. Außerdem ist, neben der telefonischen Bestellung, auch eine direkte Bestellung über die Fahrplanauskunft des VRN beispielsweise mit dem Smartphone oder PC geplant.

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