Am Ende gab es sieben Mal Edelmetall

Die Radsportler der Johannes-Diakonie konnten einige Erfolge einfahren: Headcoach Claudia Geiger, Ingrid Neff, Michael Lofink, Elena Bergen, Coach Martin Weber. (Foto: pm)

Inklusion nur Lippenbekenntnis – Warum bekommen Special Olympic-Sieger keine Preisgelder

Mosbach/Abu Dhabi. (pm) Das Team der Johannes-Diakonie kann zum Abschluss der Weltspiele von Special Olympics in Abu Dhabi auf eine äußerst erfolgreiche Wettkampfwoche zurückblicken. Am Ende gab es für das Sportler-Quartett Ingrid Neff, Elena Bergen, Michael Lofink und Frank Eser sieben Mal Edelmetall und einige weitere hervorragende Platzierungen zu bejubeln. Neben den Athleten waren auch Johannes-Diakonie-Mitarbeiter Claudia Geiger und Martin Weber als Trainer der deutschen Radfahr-Equipe auf der arabischen Halbinsel vor Ort.

Kraftdreikämpfer holt vier Medaillen

Die herausragende sportliche Bilanz der Athleten liest sich nach Abschluss der Wettkämpfe wie folgt: Kraftdreikämpfer Frank Eser bringt gleich vier Medaillen im Gepäck mit nach Hause. Der Sportler aus dem Kraft-Werk Schwarzach holte mit 145 Kilogramm auf der Hantel Gold für Deutschland im Kniebeugen, mit 170 Kilogramm Silber beim Kreuzheben und mit 70 Kilogramm Bronze beim Bankdrücken. In der Gesamtwertung bedeutete das die Silbermedaille.

Doppelweltmeister bei den Radfahrern

„Doppelweltmeister“ darf sich Radsportler Michael Lofink nennen. Der 38-Jährige – im Hauptberuf Koch und Bäcker im Kultur- und Begegnungszentrum fideljo in Mosbach – gewann auf der Formel-1-Rennstrecke „Yas Marina Circuit“ das 15-Kilometer-Straßenrennen und das Zeitfahren über 10 Kilometer. Beim abschließenden 40-Kilometer-Straßenrennen musste er sich erst im Zielsprint knapp geschlagen geben und wurde Vierter.

Bronzemedaille im Zeitfahren

Elena Bergen gewann beim Zeitfahren der Radsportlerinnen über fünf Kilometer die Bronzemedaille. Über die doppelte Strecke wurde sie Sechste sowie Fünfte im 5-Kilometer-Straßenrennen. Ohne Medaille blieb bei ihren zweiten Weltspielen Teamkollegin Ingrid Neff. Doch die 64-Jährige zeigte als ältestes Mitglied der deutschen Sportler-Delegation mit zwei vierten und einem siebten Platz mancher Kontrahentin das Hinterrad, die über 40 Jahre jünger war als sie selbst. Die Michelbacherin zog abschließend ein überaus positives Fazit: „Ich fand es toll, auf einer Formel-1-Strecke fahren zu dürfen und bin einfach nur glücklich, in Abu Dhabi dabei gewesen zu sein.“ Bei den nächsten Weltspielen in vier Jahren möchte Ingrid Neff erneut teilnehmen. Dann aber nicht mehr als Sportlerin, sondern als freiwillige Helferin. 2023 finden die Special Olympics World Games in Berlin statt.

7.000 Athleten am Start

In Abu Dhabi waren vom 14. bis 21. März 7000 Athletinnen und Athleten mit geistiger und mehrfacher Behinderung aus 170 Ländern aktiv. Deutschland war mit einem 229-köpfigen Team vertreten. 163 Sportlerinnen, Sportler und Unified Partner traten in 18 Disziplinen an und warben für eine inklusive Gesellschaft.

Anmerkung der Redaktion: Leider scheint es beim Thema Inklusion für die Athleten mit geistiger Behinderung nur um Lippenbekenntnisse zu gehen. Denn im Gegensatz zu Sportlern ohne Handicap und Paralympic-Athleten, also Menschen mit körperlichem Handicap, erhalten die erfolgreichen Special Olympics-Sportler aus Mosbach bzw. keinen Cent Preisgeld. Aus diesem Grund haben wir an den Spitzensportminister Horst Seehofer (CDU) geschrieben und um Stellungnahme gebeten.

Empfang für die Sportler

Die Johannes-Diakonie lädt am Montag, 25. März, um 13.30 Uhr zu einem öffentlichen Empfang des erfolgreichen Special-Olympics-Teams ins Kultur- und Begegnungszentrum fideljo in Mosbach ein. Gäste sind herzlich willkommen.

 

Kraftdreikämpfer Frank Eser gewann vier Medaillen. (Foto: pm)

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