Kreis sendet kommunalpolitisches Signal

Beschulung von angehenden Fleischern und Fleischereifachverkäuferinnen in Buchen: Schul-, Kultur- und Partnerschaftsausschuss sendet klares Signal nach Stuttgart

Osterburken. (pm) Ein klares kommunalpolitisches Signal sollte es sein, das der Schul-, Kultur- und Partnerschaftsausschuss des Kreistags bei einer Sitzung am Montag im Ganztagsgymnasium Osterburken nach Stuttgart senden wollte. Und: das war es dann auch. Die Ausschussmitglieder beschlossen nämlich einstimmig eine Resolution, die das Land auffordert, den Ausbildungsgang „Fleischer/in“ sowie „Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk (Fleisch)“ auch zukünftig im Teilzeitmodell an der Zentralgewerbeschule Buchen (ZGB) zu belassen. Landrat Dr. Achim Brötel bedankte sich für das klare Votum, das jetzt umgehend an Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann und das Regierungspräsidium Karlsruhe weitergeleitet wird.

Reagiert hatte das Gremium damit auf den Plan des Landes, die Beschulung der jungen Auszubildenden im Regierungsbezirk Karlsruhe wegen rückläufiger Schülerzahlen zu zentralisieren. Neben einem zentralen Schulstandort in Karlsruhe-Durlach wird jedoch auf Betreiben der Kultusministerin derzeit ein zweiter Standort im Nordosten des Regierungsbezirks, und zwar bewusst im ländlichen Raum gesucht.

„Die Zentralgewerbeschule Buchen bietet in räumlicher, sachlicher und konzeptioneller Hinsicht alle Voraussetzungen“, heißt es daher in dem Resolutionstext. Dieser verweist auch auf eine mögliche regierungsbezirksübergreifende Kooperation mit den angrenzenden Landkreisen im nördlichen Teil des Regierungsbezirks Stuttgart. „Nur das wäre das ganz wichtige und vor allem auch inhaltlich starke Signal für das Handwerk im ländlichen Raum, an dem auch der Landesregierung selbst gelegen ist“, betont der Text weiter.

In der vorangegangenen Diskussion machten der Landrat wie auch die Fraktionen deutlich, dass die ZGB viele Pluspunkte habe. Der Kreis bilde dort mit großem Erfolg das gesamte Spektrum des Nahrungsmittelhandwerks aus. Die Qualität der dualen Ausbildung schlage sich regelmäßig in deutlich überdurchschnittlichen Prüfungsergebnissen und einer weit überproportionalen Zahl von Prüfungsbesten nieder. Auch die in der entsprechenden Verordnung zur regionalen Schulentwicklung an beruflichen Schulen genannten Planungsgesichtspunkte fänden sich wieder.

Ebenso Brötel wies darauf hin, dass das regionale Metzgerhandwerk in der Regel zwar durch sehr leistungsstarke, aber eben auch eher kleine Betriebe geprägt sei. „Für das Metzgerhandwerk im Kreis, aber auch in anderen Bereichen des ländlichen Raums im nördlichen Landesteil von Baden-Württemberg wäre eine Zentralisierung in Karlsruhe daher fatal“, warnte er. Insofern fürchte die Fleischerinnung zu Recht, dass durch eine zentrale Beschulung der angespannte Ausbildungsmarkt völlig zusammenbrechen wird und die Betriebe dann künftig gar keine Auszubildenden mehr gewinnen könnten. Auch spreche für Buchen, dass der Kreis vom Land sogar jüngst erst ganz ausdrücklich als Bio-Musterregion anerkannt worden sei. Auch vor diesem Hintergrund habe man ein evidentes Interesse daran, dieses wichtige Beschulungsangebot vor Ort zu behalten, waren sich alle Sitzungsteilnehmer einig.

Ebenso beschäftigte sich der Ausschuss mit dem Stand der geplanten generalistischen Pflegeausbildung. Dazu berichtete die Verwaltung auf Antrag der CDU-Kreistagsfraktion. Hintergrund ist das neue Pflegeberufegesetz, das im Januar 2020 in Kraft tritt. Die bisherigen Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege werden dann in einer neuen dreijährigen Pflegeausbildung zusammengeführt. Ziel sei eine hochwertige und zeitgemäße Ausbildung.

„Ob das Gesetz dafür wirklich geeignet ist, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden“, gab der Landrat jedoch zu bedenken. Zwar hätten die maßgeblichen Bildungseinrichtungen im Kreis (Bildungsinstitut für Gesundheits- und Krankenpflege an den Neckar-Odenwald-Kliniken mit 62 Ausbildungsplätzen, Augusta-Bender-Schule mit 106 Schülerinnen und Schüler in drei Angeboten sowie die Berufsfachschule für Altenpflege der Johannes-Diakonie mit 86 Schülerinnen und Schüler) bereits angekündigt, die generalistische Ausbildung anbieten zu wollen. Doch dabei seien noch immer zahlreiche Fragen offen.

Für Altenpflegeinrichtungen erweise sich, so Brötel weiter, vor allem die Koordination der Ausbildung in der Praxis als großes Problem. Das Sozialministerium schlägt deshalb vor, eine Koordinationskraft auf der Ebene der Stadt- und Landkreise einzustellen. Dabei sei aber die Finanzierung noch ungeklärt. Wenn das Land das wolle, müsse es auch die Kosten dafür tragen. „Die Landkreisverwaltung wird deshalb von der Einstellung eines Koordinators bis auf weiteres absehen“, fasste Brötel die Position der Verwaltung zusammen. Man sei jedoch mit allen ausbildenden Institutionen in Kontakt und werde im Mai zu einer Informationsveranstaltung einladen. Dieses Vorgehen fand durchweg Zustimmung bei den Ausschussmitgliedern. Es sei sehr bedenklich, dass bei einem so wichtigen Ausbildungsfeld noch immer vieles ungewiss sei, so der Tenor.

Dann beschlossen die Kreisrätinnen und Kreisräte für das Haushaltsjahr 2019 wieder die Förderung der Jugendmusikschulen in Höhe von 25.600 Euro. Der jeweilige Betrag orientiert sich am zuletzt gewährten Landeszuschuss. Demnach erhält die Musikschule Mosbach 13.798 Euro und die Joseph-Martin-Kraus-Musikschule Buchen 6.912 Euro. Die Zuschüsse an die Städtische Musikschule Walldürn (2.919 Euro) und an die Musikschule Hardheim (1.971 Euro) gewährte der Landrat in eigener Zuständigkeit.

Schließlich stimmte der Ausschuss der kostenlosen Nutzung der Sporthalle der Frankenlandschule durch die Grundschule Walldürn während der Abriss- und Bauphase der Turnhalle an der Grundschule zu. Auch der Turnverein 1848 Walldürn darf die Halle nutzen. Das monatliche Pauschalentgelt übernimmt die Stadt Walldürn.

Der Landrat dankte abschließend der Schulleiterin des Ganztagsgymnasiums Regina Krudewig-Bartel für die Bereitstellung der Räumlichkeiten.

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