Daseinsvorsorge im Waldbrunner Gemeinderat

Da die Waldbrunner Kläranlagen in die Jahre gekommen sind, nimmt der Gemeinderat nun die Modernisierung der Abwasserbeseitigung in Angriff. Unser Bild zeigt die Kläranlage in Waldkatzenbach. Am dortigen Auslauf des Abwassers in die Eisigklinge war es mehrfach zu ungewöhnlichen Schaumbildungen gekommen, deren Ursache bis heute nicht ermittelt wurde. (Foto: Hofherr)

Abwasserbeseitigung und Feuerwehrbedarfsplan beraten

Schollbrunn. In der jüngsten Sitzung des Waldbrunner Gemeinderats standen Themen der Daseinsvorsorge im Mittelpunkt der Beratungen .

Zunächst stellte Marco Ries vom Ingenieurbüro Sack & Partner aus Adelsheim die Vorgehensweise zur Erstellung einer zukunftweisenden Konzeption im Bereich der Abwasserentsorgung vor. Aufgrund der topografischen Lage muss die Winterhauch-Gemeinde in Schollbrunn, Strümpfelbrunn und Waldkatzenbach drei Kläranlagen betreiben, die teilweise schon seit vier Jahrzehnten in Betrieb sind.

Um entsprechende Fördermittel abrufen zu können ist laut Rieß die Erstellung eines Strukturgutachtens unerlässlich. Außerdem müssen Schmutzfrachtberechnungen vorgenommen, eine Fremdwasserbeseitigungsstudie erstellt und Fremdwassermessungen durchgeführt werden.

Zusammenfassend wird dabei eine Bestandsaufnahme durchgeführt, bevor eine Überrechnung der notwendigen Reinigungskapazitäten zur Erstellung von Lösungsvorschlägen führt. Dabei werden verschiedene Alternativen geprüft und dem Gemeinderat vorgestellt. Weitreichende Maßnahmen im Zusammenhang mit der Sanierung bzw. Modernisierung der Abwasserbeseitigung sollen damit fundiert ermöglicht werden.

Dann kann man auch untersuchen, ob der weitere Betrieb von drei Kläranlagen die wirtschaftlichste Lösung ist oder eine Kooperation mit anderen Kommunen die sinnvollere Variante darstellt.
Abschließend ließ Marco Rieß das Gremium wissen, dass auf Ebene der Zuschussgeber der Trend eher zu großen, zentralen Anlagen geht. Für den Preis von etwa 74.000 Euro wurden die verschiedenen Posten anschließend an das Büro Sack & Partner bzw. Büro IGM Messen GmbH. Voraussetzung für die Erstellung der Gutachten ist jedoch jeweils die Bezuschussung durch das Regierungspräsidium Karlsruhe.

War damit das Element Wasser abgehandelt, stand beim zweiten Tagessordnungspunkt das Element Feuer im Fokus. Im Dezember 2018 hatte der Gemeinderat Ralf-Jörg Hohloch aus Freiburg mit der Erstellung eines Feuerwehrbedarfsplans beauftragt. Ein solcher Plan ist vom Feuerwehrgesetz des Landes vorgesehen.

Hatte man am Katzenbuckel in der Vergangenheit diesen Plan stets intern erstellt, der zunehmenden Komplexizität innerhalb des Feuerwehrwesens wollte man vonseiten des Bürgermeisters und der Verwaltung durch die Kooperation mit einem Brandschutzexperten reagieren.

In mehreren Vorortterminen, mit Begehungen der Gerätehäuser und Gesprächen mit der Feuerwehrleitung und den Abteilungswehren hatte Hohloch, der hauptberuflich als Leitender Branddirektor in Freiburg tätig ist, die Gefährdungsanalyse und daraus resultierend den Feuerwehrbedarfsplan für die kommenden fünf Jahre erstellt.

Neben Bränden erstellte der Experte auch Planziele für technische Hilfeleistungen und Gefahrgut. Außerdem wurde der Personalbedarfs der FFW Waldbrunn und der Ortsteilwehren ermittelt, die Tagesverfügbarkeit und die Einhaltung der gesetzlichen Hilfsfrist betrachtet. Auch der Fahrzeugbestand sowie die Erstellung eines Fahrzeugkonzeptes gehörte zur Ausarbeitung.

Ralf-Jörg Hohloch betrachtet außerdem die Struktur der Wehren und deren Zukunft, er untersuchte den Aufbau der Führungsorganisation und entwickelte Konzepte zur Gewinnung von ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen. Die Ausarbeitung eines Ausbildungskonzeptes, Vorschläge zur Weiterentwicklung der Gerätetechnik, Dienst- und Schutzkleidung, Einsatzplanung für kritische Objekte sowie die Präsentation des Feuerwehrbedarfsplans vor der Verwaltung, Feuerwehr und Gemeinderat gehörten ebenfalls zum Auftrag.

Neben Branddirektor Hohloch begrüßte Bürgermeister Markus Haas zu diesem Tagesordnungspunkt die Führungsspitze der Waldbrunner Feuerwehr mit Gesamtkommandant Michael Merkle, dessen Stellvertreter Björn Erb sowie Richard Helm und der Feuerwehrsachbearbeiter bei der Gemeindeverwaltung, Michael Münch. Außerdem waren zahlreiche Feuerwehrkameraden bei der Sitzung anwesend.

Da der Plan insgesamt 100 Seiten umfasst konnte Hochloch im Rahmen der Gemeinderatssitzung lediglich stichpunktartig vorgehen. Dabei hob er hervor, dass die Waldbrunner Feuerwehr mit 128 aktive Feuerwehrangehörigen über eine gute Personalstärke verfüge. Insgesamt waren die Kameraden im vergangenen Jahr an 2.200 Stunden ehrenamtlich für ihre Mitbürger aktiv, hob der Sachverständige hervor. Neben Einsätzen und Übungen erfüllen die Wehren auch kulturelle Aufgaben, wie Straßensperrungen bei den Martinsumzügen etc.
Durch zwei Ausrückebereiche seien auch tagsüber genügend Hilfskräfte vorhanden. Allerdings müsse man bei den Atemschutzgeräteträgern nachlegen. Darüber hinaus sei die Altersstruktur in Mülben und Weisbach verbesserungswürdig.

Was die sogenannte Persönliche Schutzausrüstung betreffe, seien die Abteilungswehren gut ausgestattet. Allerdings sieht Ralf-Jörg Hohloch aufgrund des Alters mancher Feuerwehrautos Handlungsbedarf bei der Beschaffung von Fahrzeugen. Den Kameraden stehen für ihre Einsätze zwar in beiden Ausrückebereichen Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge (HLF 10) zur Verfügung, es würden jedoch ein zusätzlicher Mannschaftstransportwagen (MTW) sowie Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF-W) für Oberdielbach und Mülben notwendig. Darüber hinaus dürfe man nicht aus den Augen verlieren, dass auch das Fahrzeug der Abteilungswehr Waldkatzenbach bereits 21 Jahre alt sei.
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_Im Juni 2017 wurde ein neues HLF 10 in Dienst gestellt. Nun sieht der Sachverständige Ralf-Jörg Hohloch beim Fuhrpark weiteren Handlungsbedarf. (Foto: Hofherr)
Der Zustand der Feuerwehrgerätehäuser sei zwar nicht optimal, ihm sei jedoch bewusst, dass Neubauten nicht zu realisieren sind. Mit kleineren Eigenleistungen durch die Wehren könne man aber kostengünstig Verbesserungsmaßnahme durchführen, ließ Hohloch das Gremium und die Floriansjünger wissen.

Auch auf die Hilfefristen ging der Sachverständige ein. Durch die sechs Abteilungswehren in zwei Ausrückebetreiche sei die Abdeckung des Einsatzgebiets gewährleistet, stellte Hohloch klar. Die im Rahmen seiner Besuche immer wieder erhobene Forderung nach einem zentralen, neuen Feuerwehrgerätehaus erteilte der Brandschutzfachmann eine klare Absage.

Zum einen sei ein Neubau mit Kapazitäten für bis zu acht Feuerwehrfahrzeuge finanziell nicht darstellbar, müsse man doch mit Kosten von bis zu 7 Mio. Euro rechnen, zum andern könne man die die Einsatzfristen nicht mehr an jeder Stelle im Gemeindegebiet einhalten.

Außerdem sei bei einer zentralen Wehr zu befürchten, dass aktive Kameraden „verloren gehen“, wodurch eine Verschlechterung bei der Personalstärke die Folge wäre. Die Beschaffung der genannten Fahrzeuge sei aus seiner Sicht die dringlichere und sinnvollere Investition, zumal diese zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebs und der Einsatzbereitschaft erforderlich sind. Auch in die Ausbildung der Feuerwehrkräfte müssen Mittel fließen, damit es zu einer ausgeglichenen Verteilung der Qualifikationen bei den Ortsteilwehren kommt.

Abschließend stellte Ralf-Jörg Hohloch noch Einsatzpläne für die Sonderobjekte Seniorenheim Waldkatzenbach, Firma Mosca, Winterhauch-Schule sowie die Katzenbuckel-Therme vor.

Bürgermeister Markus Haas und die Sprecher der Fraktionen dankten sowohl dem Sachverständigen als auch der Feuerwehrführung für die Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans 2020-2025 und dessen Präsentation. Bevor das Gremium den Plan zustimmte, sicherte das Gemeindeoberhaupt zu, dass man es nicht bei bedrucktem Papier belasse, sondern sich bereits im kommenden Jahr an die Umsetzung des Plans mache und entsprechende Förderanträge für die Fahrzeug-Beschaffung stellen werde.

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