Viele Wege führten nach Schloßau

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 Die „Weet“ in Schloßau wurde bereits von den Römern für die Betreibung ihrer Badanlage freigelegt und war später Ausgangspunt für die spätere Entwicklung von Häuserparzellen rund um diesen Platz. Sie ist die wahrscheinlich älteste Brunnenanlage des Dorfes die von den Anwohnern sowohl als Wasserquelle, Feuerlöschteich, Viehtränke wie auch als Waschplatz genutzt wurde. (Repro: Liane Merkle)
Schloßau.  (lm)  Im Gasthaus „Hirsch“ hielt der Verein Örtliche Geschichte (VföG) Schloßau/Waldauerbach seine Jahreshauptversammlung ab, zu deren Abschluss Schriftführer und Archivar Thomas Müller mit einem interessanten Vortrag über die einzelnen Dorfteile von Schloßau mit ihrer Entwicklung, dem Handwerk und den Verkehrswegen begeisterte.

Anhaltender Applaus mit Lob und Anerkennung für die kurzweiligen Informationen über die heimische Historie waren Dank für seine Bemühungen.

Basierend auf den Aufzeichnungen des Heimatkundlers Bruno Trunk erinnerte Thomas Müller daran, dass die Gemarkung Schloßau zu den größten im Altkreis Buchen zählt und im so genannten hinteren Odenwald im Gebiet des Bundsandsteins liegt.

Als Anfang des 19. Jahrhundert auch im hinteren Odenwald die Bauerngüter aufgeteilt wurden, und die Landwirtschaft noch dazu durch Missernten und Teuerungen eine schlechte Zeit erlebte, trat das ein, was zuvor durch diese Steuerlast vermieden wurde. Die Menschen verarmten.

So suchten viele Schloßauer durch Auswanderung ins Ausland und später in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die Städte, besonders Mannheim, eine bessere Zukunft. Das flache Land gehörte den Bauern, die Stadt dem Handwerker. Nur in wenigen, den größeren Dörfern vermochte sich ein kleiner Handwerkerstand einzubürgern.

Auch in Schloßau gab es eine ganze Reihe von Handwerkern, die meist aber noch nebenher Landwirtschaft betrieben, denn das Handwerk allein hätte sie nicht ernähren können. Die meisten Menschen in Schloßau jedoch arbeiten im 19. Und bis Mitte des 20. Jahrhunderts in der Land- und Waldwirtschaft. Schloßau erlangte als Waldarbeiterdorf einen gewissen Ruf, vor allem nach dem Aufzug des Fürstenhauses Leiningen ab 1803, dem Großteile der Ländereien gehörten und noch gehören.

Schloßau zählte im Jahre 1803 381 Einwohner. Das Dorf hatte sich also von einer rein landwirtschaftlichen im Mittelalter schon zu einer sozial stark gemischten Bevölkerung entwickelt. Interessant ist, dass es nun doppelt so viele Landwirte waren als im Mittelalter.

Von den 58 Nichtlandwirten waren 30 Handwerker und drei Händler, die anderen hatten kein Gewerbe bzw. waren Tagelöhner. Auffallend war in Schloßau die große Zahl der Leinenweber. Sie spielten im hinteren Odenwald eine große Rolle. Es war das Handwerk der armen Leute, die Tag und Nacht hinter ihrem Webstuhl saßen und Leinen webten.

Doch jedes Dorf hatte damals seinen eigenen Weber, sogar mancher Bauer saß in den Wintermonaten noch am Webstuhl. Es galt der alte Spruch: „Selbst gesponnen, selbst gemacht, ist die beste Bauerntracht!“

Was die Menschen, vor allem die Bauern auf dem Dorf zum Leben, Wohnen und Arbeiten brauchten, stellten sie in Handarbeit selbst her bzw. ließen es sich von den Handwerkern schaffen, die auch zu den Bauern ins Haus kamen und reparierten und ausbesserten.

So werkelte und schnitzte mancher Bauer besonders in den langen Wintermonaten an seiner Schnitzbank. Holz, aus dem die meisten Geräte gemacht wurden, war als Rohstoff genügend vorhanden. Man fertigte Rechen, flocht Körbe aus Weidenruten und Strohseile aus Stroh, band Besen aus Birkenreisig, ja fertigte gar Fässer oder „bosselte“ Spielzeug für die Kinder.

Die Tagelöhner verdienten sich ihr Brot zum größten Teil durch Arbeiten im Leiningschen Wald oder durch Hilfsarbeiten bei Handwerkern. Schloßau lag schon im zweiten Jahrhundert n. Chr. an wichtigen Verkehrswegen, die den Odenwaldlimes von Bad Wimpfen am Neckar bis Wörth am Main durchzogen.

Obwohl Schloßau urkundlich erstmalig im Jahre 1271 erwähnt wird, muss die Gründung des Ortes aber bereits viel früher geschehen sein, da im Jahre 1395 vom Kloster Amorbach im sogenannten „Urbar“ schon ein vollkommen abgerundetes Bild einer fertig gewordenen Gemarkung überliefert ist. Schloßau ist also vermutlich schon vor dem Jahre 1000 angelegt worden.

Das Dorf liegt außerordentlich zerstreut in kleinen Häusergruppen um den Brunnen herum, denn jede frühe Siedlung war auf die Nähe des Wassers angewiesen. So fand man in früher Zeit drei wichtige Dorfteile, aus denen dann allmählich das Ort zusammengewachsen ist. Ein Teil war der Schöllberg, ein anderer Teil bei der Weet oder bei der Pfalz und der letzte Teil war um die heutige Kirche herum.

Seit dem Bau der Wasserleitung im Jahre 1911 haben die Brunnen ihre Bedeutung verloren und versiegten langsam infolge der Verschmutzung. Die ersten Siedlungen lagen also nicht im Tal, wo es nass und sumpfig war, sondern an den Hängen, sodass die kalten Winde über die Strohdächer hinweg streichen konnten.

Nach dieser Ansiedlung mit drei Dorfteilen haben sich auch die Wege in die nähere und weitere Umgebung gerichtet. So zog ein Weg von der Weet über die Pfalz hinüber ins Hessische, ein anderer vom Schöllberg über Mörschenhardt, Preunschen hinunter nach Amorbach und ein weiterer Weg vom Kirchenecken nach Mudau.

Eine uralte Straße führte von Schloßau aus hinüber ins Grafenland, in die gräflich Erbachsche Herrschaft, vorbei am Schöllenbacher Tor, nach Schöllenbach und hinüber nach Beerfelden. Diese Schöllenbacher Steige hatte vor allen Dingen im 18.und 19. Jahrhundert eine ganz große Bedeutung, denn sie verband Mudau mit seinen 26 jährlichen Vieh- und Jahrmärkten mit Beerfelden, das ebenfalls viele Märkte abhielt.

Es herrschte damals ein sehr reger Handelsverkehr zwischen beiden Orten. Daran erinnert auch ein Bildstock aus dem Jahre 1771, der an der Seitzenbuche stand. Eine weitere Straße ging vom Schöllberg über Mörschenhardt und Preunschen, am alten Amtmannsitz der Wildenburg vorbei hinab zum Kloster Amorbach. Sie war für die Abgaben der Steuern und Zehnten wichtig, sowie für den Handelsverkehr mit Miltenberg.

Die vierte Straße zog nach Mudau, wo sie Anschluss nach Buchen und Bödigheim und ins Württembergische hineinfand. Der alte Weg, der von der Kirche am „Grünen Baum“ vorbei zur Weet führte, wurde durch die sogenannte neue Straße entlastet, die im Jahre 1887 gebaut wurde. Mit Ausbau der Ortsdurchfahrt 1985 – 1987 und der Mörschenhardter Straße 2008, wurde das äußere Bild des Odenwalddorfes weiter verschönert. Schloßau ist mit seinen verschiedenen Dorfteilen gut an das Straßennetz der näheren und weiteren Umgebung angebunden.

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