Spender-Rückzug wegen Hass-Botschaften

So sollte der einzige Wachturm nach der spendenfinanzierten Sanierung aussehen. (Grafik: pm)

Kontroverse Diskussionen zum „Hungertum“

Tauberbischifsheim. Der letzte erhaltene Wachturm der mittelalterlichen Stadtmauer von Tauberbischofsheim sollte aufwendig saniert werden. Dank einer großzügigen Spende von Eberhard Bärthel war geplant den Hungerturm wiederaufzubauen.

Der Gemeinderat sprach sich mit großer Mehrheit in seiner öffentlichen Sitzung für die Sanierungsvariante aus, die vorsah den Turm mit einer überdachten Aussichtsplattform aufzustocken.
Dieses Vorhaben erzeugte bei einigen Bürgern massiven Widerstand. Die Projektgegner machten mit Leserbriefen und einer Unterschriftenaktion gegen das Projekt mobil. Das hat den Sponsor nun zum Rückzug veranlasst. Am Sonntag hat Eberhard Bärthel Bürgermeisterin Anette Schmidt informiert, dass er sich in der Sache „Hungerturm“ nicht weiter engagieren will.

„Der Hungerturm wird nicht zur Aussichtsplattform“

Das erklärte Eberhard Bärthel gegenüber der Bürgermeisterin per Mail. Nachdem er bereits die Neugestaltung des Brunnenensemble am Schlossplatz und am Krötenbrunnen-Areal initiiert und finanziert hat, sollte auch der Hungerturm zum neuen Schmuckstück entwickelt werden.

Doch es kommt anders. „Auf Grund massiver Kampagnen alteingesessener Büschemer gegen das von mir initialisierte und finanzierte Projekt Hungerturm-Sanierung möchte ich mich von dem Projekt verabschieden,“ schreibt er der Bürgermeisterin. Er habe empörte Anrufe und Briefe entgegennehmen müssen.

Ihm sei von hasserfüllten Äußerungen berichtet worden. „Ich habe bisher mit Freude und großem zeitlichen und finanziellem Einsatz die Projekte begleitet und nie im Alleingang, sondern in enger Abstimmung mit den Stadtverantwortlichen agiert.

Gerne möchte ich auch in Zukunft wieder in meine Heimatstadt kommen, ohne den Makel „Frevel an der historischen Ansicht“ des Hungerturms begangen zu haben. Deshalb sage ich mit großem Bedauern: Ade Hungerturm!“

Um den Hungerturm vor weiteren Verfall zu schützen, wurden zwei Varianten zur Sanierung des Hungerturms durch das Architekturbüro Rüger und Tröger ausgearbeitet. Die Empfehlung dazu kam vom Landesdenkmalamt nachdem ein erster Entwurf, der von Eberhard Bärthel bereits im Jahr 2019 an die Stadtverwaltung gegangen ist, von der Behörde verworfen wurde.

Beide Varianten wurden im Vorfeld bei Vor-Ort Terminen mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt. Schließlich sollte der vom Landesdenkmalamt bevorzugte Vorschlag ausgeführt werden. Für die Stadt war es ein großer Segen, dass Eberhard Bärthel sich dieses Projekts angenommen hat, die Maßnahme vollumfänglich finanzieren wollte und mit seiner Verbundenheit zu seiner Heimatstadt dem Stadtbild einen weiteren Mehrwert schenken wollte.

Bürgermeisterin Anette Schmidt hat die Absage von Eberhard Bärthel mit großem Bedauern zur Kenntnis nehmen müssen. Sie ist überzeugt: „Der Hungerturm hätte mit der Aufstockung eine deutliche Aufwertung erfahren. Ich fand das Gestaltungskonzept sehr spannend. Ich war besonders neugierig auf den holzverkleideten Teil des Aussichtsturms mit Öffnungen für den gezielten Blick auf den „Türmersturm“. Ich bin sicher, der Turm wäre schnell zum beliebten Fotopunkt und zur Anlaufstelle für Stadtführungen geworden“.

Der Hungerturm ist Teil der mittelalterlichen Stadtmauer und steht unter Denkmalschutz. Erbaut wurde der Hungerturm mit der Stadtmauer um vermutlich 1270. Er hat über die Jahrhunderte an Höhe eingebüßt und somit seinen Turmcharakter verloren.

Derzeit schützt eine Betonschicht den Turm vor dem weiteren Verfall. Die Befürworter des Gestaltungsplans sahen im Höhenaufbau und in der Begehbarmachung eine Aufwertung des Stadtbildes und gelungene städtebauliche Attraktion. Die Gegner kämpfen für den Erhalt des Hungerturms in der jetzigen Form – aus historischen, wissenschaftlichen, architektonischen und städtebaulichen Gründen.

Bürgermeisterin Anette Schmidt stellt anerkennend fest: „Das Engagement von Eberhard Bärthel für seine Heimatstadt ist enorm – finanziell wie persönlich. Es verdient größte Anerkennung und Respekt. Die positive Entwicklung von Tauberbischofsheim ist ihm ein echtes Anliegen und Passion.“ Sie bedauert, dass das mit großer Mehrheit der gewählten Volksvertreter beschlossene Projekt nun erst einmal nicht realisiert werden kann.

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