Athletenporträt Timo Bracht

29.06.10

Am Sonntag will Timo Bracht in Frankfurt seinen dritten Europameistertitel bejubeln. (Foto: Commerzbank)

„Ich stehe vor der vielleicht wichtigsten Saison meines Lebens.“

Um sich in dieser Saison noch weiter zu steigern, bleibt Timo Bracht angesichts der hohen Messlatte nicht viel Luft. Denn der Commerzbank Athlet feierte 2009 die bisher erfolgreichste Saison seiner Karriere. Nach dem Gewinn seines zweiten Europameistertitels in Frankfurt folgte ein hervorragender sechster Platz auf Hawaii – von den zahlreichen vorderen Platzierungen über Halb- und Kurzdistanzen einmal abgesehen. „Klar bin ich als einer der Favoriten nach Hawaii gereist“, bilanziert der ehrgeizige Eberbacher. „Aber beim Schwimmen war ich so sehr vom Pech verfolgt, dass mich beim ersten Wechsel schon viele abgeschrieben hatten. Letztendlich habe ich mich in die Top 10 zurückgekämpft, obwohl ich auf der Radstrecke ganz alleine zwischen Gut und Böse unterwegs war. Darauf bin ich stolz.“

Für einen Ironman ist Hawaii wie Wimbledon für Tennisspieler. Jeder Triathlet möchte auf diesem geweihten Boden den Erfolg seines Lebens feiern. Timo Bracht gehört seit Jahren zu den beständigsten Athleten dort und finishte bereits fünf Mal unter den Top 15. In 2008 beendete er die World Championship in Kona als Fünfter, wurde jedoch durch eine Schiedsrichterentscheidung von der offiziellen Ergebnisliste gestrichen. „Das war super bitter, aber es hat mich noch stärker gemacht“, so Bracht. „Ich hatte ein wirklich gutes Rennen gezeigt, war bester Deutscher und habe bewiesen, dass ich da vorne hingehöre.“

Der Durchbruch auf deutschem Boden war dem Odenwälder schon mit seinem Sieg beim Ironman Germany 2007 gelungen. Zwei Jahre später holte er seinen zweiten Europameistertitel in Frankfurt und ließ Top-Stars wie den australischen Weltmeister von 2007, Chris McCormack, sowie den Hawaii-Zweiten vom Vorjahr, den Spanier Eneko Llanos, hinter sich. Die Art und Weise seines Siege begeisterte damals Triathlon Fans weltweit: Dem damals 33-Jährigen gelang es, die Weltelite auf die Plätze zu verweisen. Obwohl sich Chris McCormack bei km 30 von ihm absetzen konnte, zog Bracht mit ungeheurer Selbstsicherheit wenige Kilometer später an dem Australier vorbei und lief auf einer Welle der Begeisterung bis ins Ziel.

Die ersten großen Siege feierte der sympathische Athlet vor sieben Jahren. 2003 gewann er den Ironman Florida und Ironman France, entschied sich für eine Profi-Karriere und reist seitdem für Training und Wettkämpfe durch die Welt. Seine Wurzeln hat der zweifache Vater in Eberbach im Odenwald, wo er mit seiner Familie immer noch wohnt und von seinen heimischen Fans wie ein Popstar gefeiert wird. Timo Brachts Fanclub reist nicht nur zu Wettkämpfen seines Idols, sondern es gibt sogar einen eigenen Reisebus in den Commerzbank Farben des Eberbachers. Seine Bodenhaftung ist es, die ihm die Herzen zufliegen lässt. Nach außen bescheiden – nach innen weiß er jedoch genau, was er kann: „Im Wettkampf höre ich nie auf, an mich zu glauben. Was drumherum passiert, interessiert mich weniger. Denn ich definiere mich nicht über andere.“

Seit Juni 2009 gehört der Ausnahmeathlet zum Commerzbank Triathlon Team und nach rund einem Jahr ist er kaum noch wegzudenken. Teammanager Jan Wendt: „Ein Team von Einzelsportlern aufzubauen, war schon eine große Herausforderung. Deshalb hatten wir großen Respekt davor, einen weiteren Athleten in das bestehende Team zu integrieren. Mit Timo war das aber überhaupt kein Problem. Im Gegenteil. Er ist Teamplayer durch und durch – eine absolute Bereicherung.“ Teamkollege Normann Stadler, selbst zweifacher Hawaii-Champion, sagt über den zweiten Teamleader neben sich: „Was muss man noch groß zu Timo sagen? Er hat in seiner Karriere schon alles geschlagen, was Rang und Namen hat. Er hat das Zeug, noch mehrere Jahre ganz vorne mitzumischen.“

Stadler und Bracht – die Triathlonszene beobachtete im vergangenen Jahr genau, was im Commerzbank Triathlon Team geschah, nachdem die beiden Top Triathleten Deutschlands in einem Team vereinigt wurden. Doch die brisante Mischung scheint zu funktionieren: Nachdem Stadler seinen Teamkollegen in Frankfurt unterstützt hatte, feuerte Timo Bracht ihn in Roth an. Die Doppelspitze arbeitete so gut zusammen, dass in der Jahresbilanz des Commerzbank Triathlon Teams 22 Top 3 Platzierungen und  14 Siege für 2009 zu Buche stehen. Diese Liste soll 2010 noch weiter verlängert werden. Timo Bracht: „Ich stehe vor der vielleicht wichtigsten Saison meines Lebens mit zwei ganz großen Aufgaben. Um meinen Titel in Frankfurt zu verteidigen, muss ich wieder die Besten der Welt schlagen. Da muss alles passen. Auch im Glutofen von Hawaii überleben nur die Härtesten. Doch ich liebe diese Qual und weiß, dass ich in Hawaii auf das Podium gehöre.“

Sportliche Erfolge Timo Bracht (Auszug):

  • 6. Platz Ironman World Championship Hawaii 2009
  • 1. Platz Crailsheimer Triathlon 2009
  • 2. Platz Triathlon Viernheim 2009
  • 1. Platz Ironman European Championship 2009
  • 2. Platz Challenge Triathlon Barcelona 2009
  • 3. Platz Ironman European Championship 2008 Deutscher Meister Mitteldistanz 2008
  • 15. Platz Ironman World Championship Hawaii 2007
  • 3. Platz HeidelbergMan 2007
  • 1. Platz Ironman European Championship 2007
  • 11. Platz Ironman World Championship Hawaii 2006
  • 2. Platz Ironman European Championship 2006
  • 1. Platz Balearman International Triathlon 2006
  • 3. Platz HeidelbergMan 2006
  • 3. Platz Challenge Roth 2005
  • 3. Platz Half Ironman Kalifornien 2005
  • 8. Platz Ironman World Championship Hawaii 2004
  • 1. Platz Half Ironman Südafrika 2004
  • 3. Platz Challenge Roth 2004
  • 1. Platz Ironman France 2003
  • 1. Platz Ironman Florida 2003

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: