(Foto: Liane Merkle)
Elternbeiträge und Übergangslösung für die Grundschulbetreuung
Seckach. (lm) Die Ankündigung einer erneuten Beratung und Beschlussfassung über die Höhe der Elternbeiträge für die kommunalen Betreuungsangebote im Schuljahr 2026/2027 sorgte bei der jüngsten öffentlichen Gemeinderatssitzung für einen vollen Zuhörerraum im großen Sitzungssaal des Seckacher Rathauses – zumindest bei diesem ersten Tagesordnungspunkt. Der Gemeinderat stimmte für das restliche Schuljahr 2026/2027 der Einrichtung einer befristeten kommunalen Betreuung im Rahmen der Verlässlichen Grundschule an der Seckachtalschule zu. Sie ist für die Kinder der ersten Klassenstufe vorgesehen, die bisher verbindlich oder unter Vorbehalt angemeldet wurden.
Für diese Übergangslösung wird der Elternbeitrag auf 9,95 Euro je individuell gebuchter Betreuungsstunde festgesetzt. Der Betrag gilt unabhängig von der Gesamtzahl der Anmeldungen. Der Gemeinderat stimmte außerdem zu, die Kosten für das beschlossene Betreuungsangebot zu übernehmen, soweit sie nicht durch Elternbeiträge und gesicherte Fördermittel gedeckt werden. Nach Angaben des Gemeindetags gibt es keine Fördermittel. Der Gemeindeanteil an den Kosten wird bei den bisher zwei beziehungsweise möglicherweise sechs angemeldeten Kindern 14.289,43 Euro beziehungsweise 12.020,83 Euro betragen.
Gemeinderat Barwig, ein Verfechter der Ganztagesschule, hielt die Subventionierung für zwei beziehungsweise sechs Kinder angesichts der dadurch entstehenden Kürzungen bei freiwilligen Leistungen für Vereine oder ältere Menschen mit geringem Einkommen für unverhältnismäßig. Auch Martin Müller warb um Verständnis dafür, dass man sich bezahlbares Betreuungspersonal „nicht backen kann“. Gemeinderätin Angela Philipp zeigte auf, dass es bei guter Vernetzung der Eltern auch andere, für die Gemeinde kostenneutrale Lösungsansätze geben könne. Die Kostenübernahme durch die Gemeinde könne jedenfalls keine Dauerlösung sein.
Bereits im April hatte das Gremium einen Stundensatz von 9,95 Euro beschlossen – allerdings unter der Voraussetzung, dass mindestens 7.000 Betreuungsstunden gebucht werden. Diese Voraussetzung ließ sich nicht erfüllen: Eine Elternumfrage lieferte keine ausreichend belastbare Grundlage für die weitere Personal- und Kostenplanung. Von den 120 Schülerinnen und Schülern wurden neun verbindlich und elf unverbindlich angemeldet. Daraus ergaben sich geschätzt 1.393 Betreuungsstunden; bei dieser Stundenanzahl hätte ein kostendeckender Stundensatz 18,73 Euro betragen.
Das Ergebnis entsprach den Erwartungen der Eltern nicht. Ein Runder Tisch mit Vertretern der Gemeinde, des Gemeinderats, der Schulen und der Elternschaft brachte Ende September die oben genannte Übergangslösung hervor. Die Eltern haben es in der Hand, wie hoch der künftige Stundensatz bei einem verlässlichen Betreuungsangebot ausfallen wird. Die möglichen Betreuungszeiten sind montags und dienstags von 7 bis 8 Uhr, mittwochs bis freitags von 7 bis 8.45 Uhr sowie montags bis freitags von 12.25 bis 13.10 Uhr.
Die Eltern wünschen sich zugleich mehr Transparenz über die Planungen. Der Stundensatz hängt von der Gesamtzahl der gebuchten Stunden ab und könnte sich bei gestaffelter Berechnung und 11.000 Stunden auf bis zu 6,33 Euro reduzieren. Die Verwaltung wurde deshalb beauftragt, für das Schuljahr 2027/2028 ein neues Konzept für die kommunale Grundschulbetreuung vorzubereiten. Dabei sollen der tatsächliche Bedarf sowie die personellen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.
Es bleibt abzuwarten, ob die derzeitigen „never-ending discussions“ irgendwann zu einer guten und von allen respektierten Lösung führen. Das könnte gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen – etwa durch die Fortsetzung des Runden Tischs.
Seckach nimmt Stellung zur Schulentwicklung in Buchen
Weiter ging es mit dem Thema Schule, genauer mit der angefragten Stellungnahme zur Beteiligung der Berührten an schulorganisatorischen Maßnahmen für die Karl-Trunzer-Gemeinschaftsschule in Buchen. Nach Darstellung der Stadt Buchen hat sich das Gemeinschaftsschulangebot nicht als dauerhaft tragfähig erwiesen. Bei einer Beratung durch das Staatliche Schulamt Mannheim war die Möglichkeit erörtert worden, die bisherigen Schulangebote im Rahmen einer Neuordnung zu einem Realschulangebot zusammenzuführen und weiterzuentwickeln.
Im Rahmen der regionalen Schulentwicklung soll in Buchen über die Aufhebung des Bildungsgangs Gemeinschaftsschule an der Karl-Trunzer-Gemeinschaftsschule entschieden werden. Damit soll das Realschulangebot der Abt-Bessel-Realschule im Schulzentrum Buchen erweitert werden. Ziel ist es, den Schulstandort langfristig zu stärken und ein dauerhaft tragfähiges weiterführendes Schulangebot sicherzustellen. Die Schülerinnen und Schüler könnten die Realschule nach Klasse 9 mit dem Hauptschulabschluss oder nach Klasse 10 mit dem Realschulabschluss abschließen.
Die Gemeinde Seckach und ihre Gemeinderäte erkannten die Notwendigkeit des Schulformwechsels zur Sicherung des Standorts in Buchen an. Mit Blick auf das eigene Verfahren zu schulorganisatorischen Maßnahmen sei jedoch wichtig, dass eine mögliche Ausweitung der Realschulplätze nicht zulasten der Weiterentwicklung der Schefflenztalschule zur Realschule gehe. Für die Gemeinden Billigheim, Schefflenz und Seckach sei die Entwicklung der Schefflenztalschule zur Realschule die einzige Möglichkeit, eine weiterführende Schule in der Region zu sichern. Ohne die Möglichkeit, den Werkrealschulabschluss abzulegen, sei die Schule akut gefährdet. Derzeit seien allerdings nur sehr wenige Schülerinnen und Schüler bereit, den Schulweg nach Buchen auf sich zu nehmen.
Kommunaldarlehen für die Wasserversorgung
Wie bereits in der vergangenen Gemeinderatssitzung angekündigt, musste sich das Gremium erneut mit den Gemeindefinanzen beschäftigen. Die Aufnahme eines Kommunaldarlehens für den Eigenbetrieb „Wasserversorgung Seckach“ ist bei Kreditermächtigungen von insgesamt 2.295.400 Euro unerlässlich.
Der Gemeinderat ermächtigte deshalb den Bürgermeister, für den Eigenbetrieb „Wasserversorgung Seckach“ ein Kommunaldarlehen in Höhe von 1.019.000 Euro aufzunehmen – nach Möglichkeit mit einer Laufzeit beziehungsweise Tilgungsdauer von 40 Jahren. Über die Darlehensaufnahme soll der Gemeinderat im Nachgang informiert werden.
Weitere Themen aus dem Gemeinderat
Vor Eintritt in die Tagesordnung war es Bürgermeister David Ackermann wichtig, eine Gedenkminute zu Ehren des langjährigen und verdienten Ortsvorstehers von Großeicholzheim, Bruno Martin, einzulegen. Martin war am 24. Oktober im Alter von 88 Jahren verstorben.
Robert Köpfle fragte nach dem aktuellen Stand des Glasfaserausbaus und danach, weshalb einige Häuser in der Waidachshofer Straße anscheinend vom Ausbau ausgeschlossen sind. Bürgermeister Ackermann und Bauamtsleiter Roland Bangert hatten von den offenbar nicht berücksichtigten Gebieten ebenfalls erst spät erfahren. Deshalb befinden sie sich mit Vodafone und Meridian in Klärungsgesprächen, um einen möglichst vollständigen Glasfaserausbau innerhalb des Ortes zu erreichen.
Zum Tagesordnungspunkt Verlässliche Grundschule baten Eltern eindringlich darum, nicht nur Erstklässler, sondern auch Zweit- und Drittklässler in die Ganztagsbetreuung aufzunehmen. Aufgrund des Personalmangels könne diese Bitte laut Bürgermeister Ackermann derzeit jedoch noch nicht erfüllt werden.



