(Foto: Braun)
DRK-Mobil erfüllt letzte Herzenswünsche
Mosbach. (sb) Gemeinsam mit seinen Partnern, Gönnern und zahlreichen Gästen feierte der DRK-Kreisverband Mosbach am Samstag, 19. September, die offizielle Übergabe seines neuen „Herzenswunsch-Mobils“. Mit dem Fahrzeug wollen die Rotkreuzler sterbenskranken Menschen ehrenamtlich und kostenlos letzte Ausflugswünsche erfüllen. Das können Stadionbesuche, ein Tag im Wildpark oder auch eine Fahrt zum Elternhaus oder an den früheren Arbeitsplatz sein.
Zur Feier an der Rettungswache in Mosbach begrüßte DRK-Präsident Gerhard Lauth den Schirmherrn des Projekts, Landrat Dr. Achim Brötel, Olga Schmelcher-Kölbel und Tanja Synnatschke vom Erwachsenen-Hospizdienst Mosbach, Dr. Valentin Hoß und Gerhard Weidner vom Arbeitskreis Gerontopsychiatrie und SAPV NOK sowie Fleur Becker von Palldomo.
Hochwillkommene Gäste waren zudem 15 Vertreter des Lions Clubs Mosbach. Der Club stellt einen hohen Betrag aus dem Erlös seiner Adventskalender-Aktion für die Inbetriebnahme des Fahrzeugs und die ersten beiden Betriebsjahre zur Verfügung. Daneben galt der Gruß des Präsidenten zahlreichen Vertretern des öffentlichen Lebens, darunter Oberbürgermeister Julian Stipp, die Bürgermeister Thorsten Sienholz (Obrigheim) und Christian Stuber (Neckarzimmern), Dr. Gunther Leibfried von der Kreisärzteschaft sowie zahlreichen Mitgliedern des Präsidiums des DRK-Kreisverbandes Mosbach und künftigen ehrenamtlichen Helfern des „Herzenswunsch-Mobils“.
Ein Zeichen der Würde und Selbstbestimmung
Die Idee für das Fahrzeug sei noch nicht sehr alt, berichtete Lauth und stellte den Werdegang des Projekts vor. Ziel sei es, Sterbenden Zeit, Begegnungen oder vielleicht ein letztes wichtiges Erlebnis zu schenken. Auf den ersten Blick seien es oft kleine Wünsche, die am Lebensende aufkämen. Doch wenn die Zeit knapp werde, könnten sie eine besondere Bedeutung gewinnen. Lauth freute sich, dass sich bereits viele Freiwillige gemeldet hätten, die die Fahrten übernehmen und den Menschen damit etwas von ihrer eigenen Zeit schenken wollten.
Wie häufig das Fahrzeug gebucht werde, lasse sich nicht vorhersagen, so Lauth. „Das ist für uns auch gar keine Frage. Denn es hat sich schon gelohnt, wenn auch nur eine Fahrt stattfindet und ein Mensch glücklich ist.“ Wichtig sei dem DRK-Präsidenten auch, dass man sich mit dem Thema Sterben und Tod auseinandersetze. Das Mobil sei ein Zeichen dafür, dass die Würde des Menschen bis zuletzt wertgeschätzt werde. Es sei das schönste Geschenk, wenn das Fahrzeug der verbleibenden Zeit des Patienten mehr Leben geben könne und allen Beteiligten, auch den Begleitern und Angehörigen, schöne Momente schenke. Aufgabe des „Herzenswunsch-Mobils“ sei es, den Menschen noch einmal „dorthin zu bringen, wo das Herz zuhause ist“ – so laute auch das Motto des ehrenamtlichen Dienstes.
„Es ist mir eine Herzensangelegenheit, heute dabei zu sein und die Schirmherrschaft für dieses schöne Projekt zu übernehmen“, sagte Landrat Dr. Brötel in seinem Grußwort. Er freue sich über das neue Angebot, das dort neues Licht bringen werde, wo es schon dunkel werde. Man wisse aus der Palliativforschung, dass viele Menschen am Lebensende noch einen letzten Wunsch im Herzen trügen. Dieser habe selten mit Konsum zu tun; eher gehe es um einen Sehnsuchtsort, eine Begegnung oder eine Versöhnung. Ein solcher Meilenstein könne dem Sterbenden auch die Kraft geben, seinen letzten Weg zu gehen. Jeder könne von heute auf morgen in eine Situation kommen, in der er sich fremdbestimmt und machtlos fühle. Das „Herzenswunsch-Mobil“ könne in diesem Moment Selbstbestimmung und Würde zurückgeben und auch für Angehörige eine Hilfe sein – ein freudiger Moment, bevor die Zeit der Trauer beginne. Für dieses wertvolle Angebot dankte er dem DRK-Kreisverband Mosbach, seinen Partnern aus den Hospiz- und Palliativdiensten, den Sponsoren und allen Ehrenamtlichen, die die Fahrten begleiten würden. Er wisse, dass das DRK verantwortungsvoll mit der neuen Aufgabe umgehen werde. „Ich hoffe und wünsche, dass das Herzenswunsch-Mobil aus Liebe zum Menschen als Sternschnuppe auf Rädern unterwegs sein wird.“
Auch Mosbachs Oberbürgermeister Julian Stipp dankte dem DRK-Kreisverband dafür, dass er sich zusätzlich zu seinen vielen Aufgaben noch dieses neue Betätigungsfeld vornehme, zumal das Rote Kreuz wie alle Sozialunternehmen vor großen Herausforderungen stehe. Das sei ein mutiger und wichtiger Schritt, der gerade durch das Zusammenwirken von haupt- und ehrenamtlichem Engagement gelingen könne. Das „Herzenswunsch-Mobil“ gebe genau die richtige Antwort auf die Fragen, die sich stellten.
Olga Schmelcher-Kölbel stellte in ihrem Grußwort den Menschen am Lebensende in den Vordergrund. Mit diesem Angebot sage man ihm: „Du bist wichtig, wir begleiten dich, weil du uns wichtig bist“, betonte sie mit Worten von Cicely Saunders, der Begründerin der Hospizbewegung. Sie sei schon jetzt sicher, dass die Menschen für dieses Angebot sehr dankbar sein würden. „Ich bin froh, dass wir dieses Projekt mit euch allen gemeinsam voranbringen können“, sagte sie abschließend in Richtung der Seelsorger und des Roten Kreuzes.
So werden letzte Wünsche erfüllt
DRK-Kreisgeschäftsführer Guido Wenzel erinnerte daran, dass es bereits Henry Dunant, dem Begründer der Rotkreuzidee, ein Herzensanliegen gewesen sei, den Sterbenden der Schlacht von Solferino letzte Wünsche zu erfüllen. Insofern stehe man in einer langen und guten Tradition. Wenzel griff eine Formulierung von Dr. Brötel auf und erklärte, man werde mit den Wünschen höchst verantwortungsvoll umgehen. Manche müsse man aus medizinischen oder technischen Gründen möglicherweise ablehnen oder den Wünschenden Alternativen anbieten.
Kurz stellte er den Ablauf der Wunscherfüllung vor: Gehe beim Kreisverband per E-Mail oder Telefon ein Wunsch ein, prüfe der Teamarzt des Projekts, Dr. Valentin Hoß, diesen in Absprache mit dem Hausarzt des Patienten medizinisch. Sei der Wunsch erfüllbar, suche der Kreisverband Ehrenamtliche, die zum gewünschten Termin begleiten könnten und je nach Bedarf eventuell Eintrittskarten vorab erwürben. Dann könne es bereits losgehen.
Die evangelische Pfarrerin Bianca Meinzer und der katholische Diakon Markus Vogl gaben dem Fahrzeug, den ehrenamtlichen Helfern und den Fahrgästen ihren Segen mit auf den Weg. Eine ebenso gelungene wie freudige Überraschung war, dass Diakon Markus Vogl eine Spende in Höhe von 300 Euro mitgebracht hatte: den Erlös der Kollekte des ökumenischen Gottesdienstes anlässlich des Obrigheimer Kilianimarktes 2026. Er überreichte die Spende an Gerhard Lauth. Abschließend wies der DRK-Präsident darauf hin, dass weitere Spenden für das Herzenswunsch-Mobil jederzeit willkommen seien. Nach einem gemeinsamen Erinnerungsfoto lud er die rund 60 Gäste der Feier zum gemütlichen Beisammensein ein.
Ehrenamtliche Helfer gesucht
Im Hintergrund werden nun ehrenamtliche Helfer gesucht und geschult. Parallel erhält das Fahrzeug seinen letzten Ausbau. Eine Anlage soll installiert werden, damit die Fahrt auf Wunsch auch musikalisch begleitet werden kann. Mit Spannung sehen alle Beteiligten den ersten Wünschen und ihrer Erfüllung entgegen. Ab Ende Oktober können Wünsche beim DRK-Kreisverband angemeldet werden: [email protected].



