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Stuttgart. (pm) Ab Mitte der 2030er Jahre sollen Akku-Züge auf Tauber-, südlichen Maintal- und Madonnenlandbahn fahren. Das Land investiert rund 9,4 Millionen Euro in die Planung des Vorhabens.
„Wir bringen Akku-Züge ins Taubertal und in den Odenwald. Das Land zahlt die Planung komplett. Wir tun das, weil wir möchten, dass es mit diesem zukunftsweisenden Projekt vorangeht. Kürzere Fahrzeiten, klimafreundliche elektrische Züge und barrierefreie Bahnsteige machen die Strecken fit für die Zukunft“, sagte die baden-württembergische Verkehrsministerin Nicole Razavi.
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter ergänzte: „Die Umstellung der Westfrankenbahn auf klimafreundliche Antriebe ist ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit von Baden-Württemberg und Bayern. Wir haben bereits die Planungen für die Elektrifizierung der Strecke Aschaffenburg – Miltenberg beauftragt. Diese sind optimal mit den Planungen auf baden-württembergischer Seite abgestimmt. Im elektrifizierten Bahnhof Miltenberg können künftig die Züge Richtung Baden-Württemberg ihre Akkus aufladen.“
Vertrag für die Planung unterschrieben
Das Landesverkehrsministerium in Baden-Württemberg hat jetzt einen Planungsvertrag unterzeichnet. Partner sind die DB RegioNetz Infrastruktur GmbH Westfrankenbahn und die DB Energie GmbH.
Der Vertrag umfasst folgende drei Strecken: Tauberbahn:
- Crailsheim – Bad Mergentheim – Lauda – Wertheim
Maintalbahn:
- Wertheim – Miltenberg
Madonnenlandbahn:
- Miltenberg – Seckach
Die Westfrankenbahn gibt nun die ersten beiden Planungsschritte in Auftrag. Fachleute sprechen von Grundlagenermittlung und Vorplanung. Dabei prüfen die Planer, was technisch nötig ist, und vergleichen Varianten. Die Vorplanung soll 2029 fertig sein, nahtlos in die weiteren Planungsschritte und dann in die Realisierung des Projekts übergehen.
„Der Planungsstart ist ein starkes Signal für die DB RegioNetz Westfrankenbahn und die Menschen in unserer Region. In enger Abstimmung mit den Ländern Baden-Württemberg und Bayern bringen wir das Akku-Projekt nun Schritt für Schritt von der Grundlagenermittlung bis zur Realisierung voran. So machen wir unser Netz moderner, zuverlässiger und attraktiver für unsere Fahrgäste“, sagte Denis Kollai, Geschäftsleiter Infrastruktur und Sprecher der Geschäftsleitung Westfrankenbahn.
Aufladen unter dem Fahrdraht
Akku-Züge fahren elektrisch, brauchen aber keine durchgehende Oberleitung. Sie laden ihre Batterien unter Fahrdraht und fahren dann mit Strom aus dem Akku weiter. Dafür sollen auf der südlichen Tauberbahn Oberleitungen auf rund 23 Kilometern entstehen.
Die 23 Kilometer geplante Oberleitung machen etwa 15 Prozent des betroffenen Teilnetzes der Westfrankenbahn aus, das rund 170 Kilometer über alle drei Strecken umfasst. Das heißt, 85 Prozent des Netzes werden also mit dem Akku befahren.
15 Prozent mit Oberleitung, 85 mit Akku
Die Strecken werden hierbei getrennt betrachtet, dazu hat das Verkehrsministerium vergangenes Jahr eine umfassende „Energiesimulation“ durch die DB Energie durchführen lassen. Neue Oberleitung erhält nur die südliche Tauberbahn. Die ist von Crailsheim über Bad Mergentheim nach Königshofen mit gut 60 Kilometern der längste Abschnitt. Nach jetzigem Stand sind ein bis zwei Abschnitte mit Oberleitung vorgesehen, von Königshofen mindestens bis Bad Mergentheim und, falls erforderlich, von Crailsheim in Richtung Satteldorf Die genauen Abschnitte werden im Rahmen der Vorplanung festgelegt.
Die übrigen Streckenabschnitte erhalten keine neue Oberleitung, weil es dort jeweils an den Start- beziehungsweise Endbahnhöfen bereits eine Oberleitung gibt und die Strecken auf den Zwischenabschnitten mit Akku befahren werden können. Beispiel ist die Madonnenlandbahn von Miltenberg nach Seckach. Sie ist rund 40 Kilometer lang, mit Oberleitungen in Miltenberg (im Parallelprojekt „Elektrifizierung und Ausbau der Maintalbahn“ wird die nördliche Maintalbahn bis Miltenberg vollständig elektrifiziert) und Seckach, sodass die Akku-Züge die ganze Strecke ohne Zwischenladung problemlos befahren können. Die Züge werden dann beim Wenden geladen, das dauert rund zehn Minuten.
Das Vorhaben umfasst deutlich mehr als neue Oberleitungen. Die Westfrankenbahn plant unter anderem abschnittsweise Geschwindigkeitserhöhungen auf bis zu 120 Stundenkilometer, neue Begegnungsbahnhöfe, neue elektronische Stellwerke und den barrierefreien Ausbau von Stationen.
Schneller, öfter, barrierefrei
Nach der Fertigstellung sollen zwei Linien im Stundentakt fahren. Zwischen Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim entsteht so im Kern ein Halbstundentakt. Auch am Wochenende sollen deutlich mehr Züge unterwegs sein.
Die Strecken verlaufen teilweise durch Bayern. Das Land stimmt das Vorhaben deshalb eng mit dem Freistaat ab.



