IHK meldet noch 250 freie Lehrstellen

Last-Minute-Börse bringt Unternehmen und interessierte Jugendliche zusammen

Mannheim. (ihk) Die Sicherung des Fachkräftebedarfs stellt eine der größten Herausforderungen der Zukunft für die Unternehmen des IHK-Bezirkes Rhein-Neckar dar. „Die günstige konjunkturelle Lage in Deutschland wird auf mittlere Sicht für eine weitere Zunahme der Fachkräftenachfrage sorgen. Ich gehe fest davon aus, dass dieser Trend bestehen bleibt. Eine gerade veröffentlichte Umfrage bei den deutschen Auslandshandelskammern weltweit bestätigt, dass die globale Nachfrage nach deutschen Produkten auch im nächsten Jahr für eine gute Auslastung unserer inländischen Kapazitäten sorgen wird. Deshalb werden unsere Unternehmen auch weiterhin qualifizierte Nachwuchskräfte suchen, was angesichts des absehbaren deutlichen Rückgangs der Zahl der Schulabsolventen immer schwieriger wird“, fasste IHK-Hauptgeschäftsführer Axel Nitschke bei der heutigen Pressekonferenz zur Last-Minute-Börse die Lage auf dem Ausbildungsmarkt zusammen.

Dass die Unternehmen schon länger etwas gegen den Fachkräftemangel tun, zeigt auch die in diesem Jahr erneut zunehmende Ausbildungsbereitschaft. Die IHK Rhein-Neckar konnte zum 31.08.2011 bereits 4.148 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge für das jetzt beginnende Ausbildungsjahr eintragen.

Damit liegt sie um 10,4 % über dem Vergleichswert des Vorjahres und hat das Niveau des Rekordjahres 2008 nahezu erreicht. Für Mannheim konnte ein Zuwachs von 12,5 % verzeichnet werden. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Betriebe jetzt die Ausbildungskapazitäten erweitern, um für Nachwuchs vorzusorgen. Dadurch bekommen auch die Jugendlichen, die bislang geringere Chancen auf dem Ausbildungsmarkt hatten, eine Ausbildungschance. Auch die rückläufige Zahl der Altbewerber zeigt, dass diese von der positiven Entwicklung profitieren, und dass die vielfältigen Bemühungen um die Integration von schwächeren Jugendlichen mittlerweile Früchte tragen.

„Diese Entwicklung gilt es mit vereinten Kräften fortzuführen. Auch die heutige Last-Minute-Ausbildungsbörse ist ein bewährter Baustein in diesem Konzept“, so Nitschke weiter.


Selten waren die Chancen für Ausbildungsplatzbewerber besser, unmittelbar vor dem Beginn des neuen Ausbildungsjahres noch eine Ausbildungsstelle in  ihrem Wunschberuf oder einer anderen attraktiven Ausbildung zu finden, als in diesem Jahr. Alleine die IHK-Mitgliedsunternehmen melden noch 250 freie Stellen, die zum Start im September noch zu vergeben sind. „Haben wir noch vor kurzem über Engpässe beim Lehrstellenangebot gesprochen, so hat sich das Bild mittlerweile vollständig gewandelt. Nicht die Lehrstellen sind knapp, sondern den Stellen gehen die Bewerber aus“, analysierte Nitschke die Lage. Dies macht die Zahl der noch unversorgten Bewerber in Relation zu den noch nicht besetzten Lehrstellen deutlich, welche von der Agentur für Arbeit Mannheim genannt wurde. Die Arbeitsagenturen in Heidelberg und Tauberbischofsheim (für den Neckar-Odenwald-Kreis) melden für ihren

Verantwortungsbereich ähnliche Zahlen. Zudem ist die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz im Vergleich zum Vorjahr im gesamten IHK-Bezirk erheblich zurückgegangen. Gleichzeitig hat die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen dank der stabilen Konjunktur und angesichts des Fachkräftemangels weiter zugenommen, wie die gestiegene Zahl gemeldeter Ausbildungsplätze zeigt. In diesem Jahr erneut gesunken ist schließlich die Zahl der so genannten „Altbewerber“, also der Jugendlichen, die die Schule schon im Vorjahr oder noch früher verlassen haben und noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Markt für geeigneten Fachkräftenachwuchs zunehmend enger wird, und dass die Chancen auf einen Ausbildungsplatz auch für schwächere Bewerber steigen.

„Ich appelliere deshalb an alle Jugendlichen, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, ihre Bemühungen intensiv fortzusetzen“, sagte Nitschke. Von IHK-zugehörigen Unternehmen werden freie Ausbildungsplätze derzeit noch in 56 verschiedenen Ausbildungsberufen angeboten. Schwerpunkte sind traditionell die Gastronomie und der Handel. Sehr gute Chancen haben Bewerber auch in den klassischen kaufmännischen Berufen. Aber auch Fachinformatiker sind noch in größerer Anzahl gefragt. Angesichts der guten Lage am Ausbildungsmarkt rate ich den Bewerbern zum direkten Einstieg in die duale Berufsausbildung, die ein hervorragendes Sprungbrett für die weitere Karriere ist und viele Optionen bietet. Der Erwerb der Fachhochschulreife parallel zur Ausbildung, die Berufs begleitende Weiterbildung oder die Möglichkeit, mit Berufsabschluss auch ohne Abitur ein Hochschulstudium aufzunehmen, sind nur einige Beispiele für die Wege, die sich  ambitionierten jungen Menschen öffnen.


„Die Duale Ausbildung ist ein Garant für den breiten Wohlstand in Deutschland und die im europäischen Vergleich sehr niedrige Jugendarbeitslosigkeit. Diese liegt im August in Deutschland bei 7 Prozent, im IHK-Bezirk Rhein-Neckar sogar bei sensationellen 3,9 Prozent, in Mannheim bei 3,6 Prozent. Zum Vergleich: der Mittelwert in der EU beträgt 20,5 Prozent, an der traurigen Spitze liegen Spanien mit über 45 Prozent und Griechenland mit über 38 Prozent Jugendarbeitslosigkeit, auch Frankreich gehört mit über 20 Prozent noch zu den Problemstaaten. Wie Auswirkungen der mangelnden Perspektiven für junge Menschen aussehen, können wir leider allzu oft in der Medienberichterstattung der letzten Wochen erfahren. Hier hat Deutschland mit seiner international renommierten Dualen Ausbildung einen starken, auch sozial verantwortlichen, Standortvorteil“, sagte Nitschke.

Ausblick

Die gute konjunkturelle Lage und die stabile Nachfrage nach Fachkräften verstärken den Wettbewerb um qualifizierten Fachkräftenachwuchs auch über 2011 hinaus. Die Unternehmen reagieren darauf, indem sie immer früher damit beginnen, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Eine sehr gute Chance eröffnet sich im kommenden Jahr durch den doppelten Abiturjahrgang in Baden-Württemberg. Da der letzte Jahrgang des G 9 und der erste Jahrgang des G 8 gleichzeitig ihr Abitur schreiben, werden im Jahr 2012 nahezu doppelt so viele Abiturienten die Schulen verlassen und sich um einen Studienplatz oder eine Ausbildungsstelle bemühen. Für die Unternehmen gilt es, möglichst viele Abiturienten für eine duale Berufsausbildung zu gewinnen, denn bereits jetzt ist absehbar, dass die Zahl der Schulabgänger ab dem Jahr 2013 drastisch zurückgehen wird.

Der doppelte Abiturjahrgang wird aber auch zu einem stärkeren Wettbewerb zwischen den Bewerbern -insbesondere in anspruchsvollen Berufen und bei attraktiven Betrieben – führen. „Für dieses Jahr kann ich daher meinen Appell an alle Schulabgänger nur nochmals bekräftigen, die gute Lage am Ausbildungsmarkt zu nutzen und ohne Umwege und schulische Warteschleifen jetzt in eine Berufsausbildung einzusteigen. Dieser Tipp gilt auch für Jugendliche, die sich bereits für den Besuch einer weiterführenden Schule entschieden haben. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind so gut wie selten zuvor, und die Last-Minute-Ausbildungsplatzbörse ist das geeignete Forum, um sich einen aktuellen und umfassenden Überblick über die noch offenen Ausbildungsplätze zu verschaffen. Ein großer Teil unseres Angebotes ist auch in unserer Online-Lehrstellenbörse im Internet veröffentlicht. Sie hat sich zu einem lebhaft frequentierten Internet-Marktplatz für Ausbildungsbewerber und für Betriebe auf der Suche nach potentiellen Nachwuchskräften entwickelt“, so Nitschke abschließend.

Infos im Internet:

www.rhein-neckar.ihk24.de

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