Reise durch die Most-Geschichte

Waldbrunn. Nachdem es im Rahmen der Eröffnung der Waldbrunner Mostwochen am Samstag ausschließlich ums Pressen des Safts ging, gab es am Sonntag in Weisbach viele weiterführenden Informationen. Zu dieser Veranstaltung konnte Marina Hofherr von der Tourist-Info der Gemeinde Waldbrunn Referenten Thomas Mayerhöfer und gut 15 Zuhörer begrüßen.

Hören, sehen, schmecken, riechen und hören – alle Sinne waren angesprochen, als Thomas Mayerhöfer aus Weisbach die Teilnehmer mit dem Thema der Haltbarmachung von Apfelsaft bzw. der Herstellung von Most vertraut machte.

Dabei nahm der Experte seine Zuhörer mit auf eine Zeitreise, die bei Holzfässern und der Hoffnung auf guten Most, als Standardgetränk unserer Vorfahren begann und bei Reinhefen sowie der richtigen Mischung von Zucker und Säure nach wissenschaftlichen Erkenntnissen endete, sodass die Äpfel- und Birnensorten und je nach Geschmack weitere Säfte als Zusatz den Geschmack bestimmen und nicht mehr der Zufall.

Um seine Ausführungen zu demonstrieren hatten Thomas Mayerhöfer gemeinsam mit Frau Anette und Tochter Britta alles aufgebaut, was der heimische Gewölbekeller hergab. So gab es nicht nur die Planke eines alten Fasses zu sehen, auch Edelstahlfässer in unterschiedlichsten Größen, die Ölschwimmdeckel erhalten, Flaschen, Druckluftfässer und neuere Systeme wie „Back in Box“, die für kleinere Mengen frischen Apfelsafts geeignet sind.

Nach dem kurzen historischen Abriss, den mehrere „alte“ Damen mit ihrem Wissen bereicherten, ging Mayerhöfer Schritt für Schritt die Haltbarmachung des Safts durch. Wichtig sei insbesondere das richtige Verhältnis von Süße, den Öchslegraden, und Säure, die man entweder durch saure Äpfel oder auch „ungeniessbare“ Birnen erreiche. Das Verhältnis von 1:12 können man zum einen durch die Zugabe von Zucker erreichen oder durch Einsatz saurer Säfte oder Säuren. Viele Kenntnisse aus dem Weinbau fänden heute auch bei der Herstellung von Most bzw. der Haltbarmachung von Süßmost Anwendung, erläuterte Mayerhöfer. So müsse man den Saft bei 78°C pasteurisieren und eine schwefelhaltige Substanz zusetzen, bevor man die Flüssigkeit in ein Fass gebe.


Je nach Lager- und Behandlungsmethode erhalte man unterschiedliche Getränke. So könne man mit einem Ölschwimmdeckel im Edelstahlfass Apfelsaft bis zur nächsten Ernte alkoholfrei halten.  Durch Zusatz von speziellen Reinhefen für Apfelmost erhalte man ein Mostgetränk mit bis zu 20 % Alkoholgehalt. Durch den gezielten Einsatz solcher Zuchthefen reduziert sich die Gefahr, dass man ungenießbaren Most erhält, wie das in alten Holzfässer früher häufig der Fall gewesen sei. So könne man im Übrigen vielerlei Obstsorten „verflüssigen“ und konservieren, ließ der Experte sein interessiertes Publikum wissen.

Gebe man das Saft in ein Druckluftfass könne man durch den Druck den Alkoholgehalt bestimmen. Dieses Verfahren setzt Thomas Mayerhöfer ein, um ein Getränk zu produzieren, das an französischen Cidre erinnere.

Nachdem Mayerhöfer die Theorie der Haltbarmachung von Apfelsmost erläutert hatte, wies er auf die Bedeutung von Streuobstwiesen in diesem Zusammenhang hin. Nur durch den Erhalt dieser typischen Odenwälder Kulturlandschaft sei es auch für folgende Generationen möglich, solch hochwertige Getränke selbst zu produzieren. Im Gegensatz zu Säften aus Supermärkten könne man durch die Eigenproduktion selbst bestimmen, was man selbst und die Familie trinke, plädierte Thomas Mayerhöfer für die Produktion von Süß- und Apfelmost.

Wer entsprechende Bäume pflanzen möchte, finde im NABU Waldbrunn einen guten Partner, da die Naturschützer bereits seit vielen Jahren Obstbaum-Hochstämme vermitteln und damit zum Erhalt der Streuobstwiesen beitragen.

Natürlich durften die Teilnehmer nach dem Vortrag eine Reihe von Getränken verkosten. Neben frisch gepresstem Apfelsaft gab es Saft aus einem Edelstahlfass, verschiedene Mostvarianten, aber auch Brombeer- und Himbeerwein.

Marina Hofherr von der Gemeinde Waldbrunn dankte Thomas Mayerhöfer für seine interessanten Ausführungen. Zum Schluss wies sie auf das abwechslungsreiche Programm hin, das von der Veranstaltergemeinschaft „Waldbrunner Mostwochen“ noch bis einschließlich 16. Oktober rund um Apfel und Birne präsentiert wird.

Die nächste Aktion richtet sich an Kinder. Unter Anleitung von Imker Herbert Klahn bauen Teilnehmer bis 14 Jahre beim Gasthaus Odenwald in Strümpfelbrunn ein Bienenhotel. Da es ohne Bienen keine Äpfel gibt, ist die Arbeit der fleißigen Insekten von elementarer Bedeutung. Anmeldungen zu dieser Veranstaltung werden unter 06274-6294. Für Material wird ein Kostenbeitrag in Höhe von 10 Euro erhoben.

Reise durch die Most Geschichte
Thomas Mayerhöfer nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Most-Geschichte. (Foto: Hofherr)

Infos im Internet:
www.mostwochen.de

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: