„Jede Barriere ist eine zu viel“

Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg zeichnet Schwarzach aus

Jede Barriere ist eine zuviel

(Foto: LRA)

Stuttgart/Schwarzach. (lra) Eine barrierefreie Umwelt ist ein „Muss“ für Menschen mit Behinderungen, um am Leben in der Gemeinschaft teilzuhaben. Acht Städte und Gemeinden wurden im Rahmen des vom Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg ausgelobten Wettbewerb „Gesucht: barrierefreie Gemeinde in Baden-Württemberg 2012“ ausgezeichnet. Unter den Preisträgern: Die Gemeinde Schwarzach. Bürgermeister Theo Haaf fuhr in Begleitung von Landrat Dr. Achim Brötel sowie Vorstandsvorsitzendem Dr. Hanns-Lothar Förschler und Vorstand Jörg Huber von der Johannes-Diakonie ins GENO-Haus nach Stuttgart, um aus den Händen von Gerd Weimer, dem Beauftragten der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung und Schirmherr des Wettbewerbs, die Plakette entgegen zu nehmen.

„Inklusion, die vollständige und selbstverständliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Alltag, gelingt nur gemeinsam – und beginnt vor Ort, in der Kommune. Barrierefreiheit wird im Übrigen angesichts des demografischen Wandels immer mehr zum Pfund, mit dem man wuchern kann“, erklärte  Hans Ulrich Karg vom Landesverband. Ausschlaggebend für die Prämierung war, dass die Gemeinden möglichst durchgängig in den unterschiedlichen Handlungsfeldern wie Bildung und Erziehung, Verwaltung, Wohnen, Öffentlicher Personennahverkehr, Freizeit / Kultur / Sport, Handel und Gewerbe sowie im Tourismus Barrieren abbauen.




Der Wettbewerb zeigt „best-practice“-Beispiele, die Preisträger seien „Leuchttürme“ auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft. Tatsächlich wurde Schwarzach bereits 1998, 2002 und 2008 ausgezeichnet.  „Umfassende Teilhabe ist unser Ziel“, betont der Bürgermeister. Dieses Motto setzt die Gemeinde, seit vielen Jahren einer der Standorte der Johannes-Diakonie, in Zusammenarbeit mit dieser Einrichtung und mit anderen Akteuren konsequent um. 2011 hat der Gemeinderat einen „Kommunalen Aktionsplan“ zur Gestaltung eines inklusiven Sozialraumes verabschiedet. Außerdem schuf die Gemeinde einen sog. Inklusionspreis, mit dem Menschen ausgezeichnet werden, die sich in besonderer Weise für das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung einsetzen. Es gibt eine hauptamtliche Behindertenbeauftragte. Der Heimbeirat und Werkstattrat der Johannes Diakonie übernimmt darüber hinaus die Rolle eines kommunalen Beirats für Menschen mit Behinderung.

Die Vision einer inklusiven Gemeinde ist in Schwarzach, so die Jury, längst Wirklichkeit. Das 1994 gestartete Projekt „Barrieren abbauen“ dokumentiere akribisch die erreichten Erfolge: Bestehende Barrieren werden aufgespürt, Handlungsempfehlungen für den Abbau der Barrieren entwickelt und deren Umsetzung überprüft. Jüngstes Projekt ist die „Bürgerwerkstatt“, in der sich über 50 Bürger mit und ohne Behinderung ehrenamtlich engagieren, um ein Konzept zur Umsetzung von Inklusion entwickeln. Darüber hinaus unterhält die Gemeinde das barrierefreie Bürgerbüro „Komm-In“ – zugleich Postagentur – im Einkaufs- und Dienstleistungszentrum in der Ortsmitte, das auch am Samstagvormittag erreichbar ist. Der Kommunale Kindergarten „Fawelu“ einschl. der Kleinkindgruppe „Fawelino“ ist komplett barrierefrei gestaltet, betreut Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam – und bietet zudem Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, ein Berufspraktikum zu absolvieren. Die örtlichen Schulen sind offen für Kinder mit Behinderung. Das Kursangebot der Volkshochschule richtet sich auch an Menschen mit Behinderung. Im Bereich Freizeit / Kultur und Sport sind sämtliche Angebote inklusiv – ob Kirchenchor, Theateraufführung, Gemeindefeste. Für alle Altersgruppen und Interessen wird etwas Passendes angeboten. Seit über zehn Jahren besteht zudem ein Arbeitskreis „Menschenwürde und Bioethik“. Auch der Wildpark Schwarzach macht mit: „Natur gemeinsam erleben“ lautet das Motto, gemäß dem auch Menschen mit Behinderung in einer „Dienstleistungsgruppe“ mitarbeiten. Die Wander- und Radwanderkarte 17 des Naturparks Bergstraße-Odenwald enthält – nach den Schwierigkeitsgraden I bis III sortierte – Wanderwege für Rollstuhlfahrer, abrufbar auch im „Wander-Walter“. 

Landrat Dr. Achim Brötel gratulierte zur erneuten Prämierung: „Schwarzach hat in ganz Baden-Württemberg und natürlich erst recht im Neckar-Odenwald-Kreis  eine absolute Vorbildfunktion. Darauf können die Schwarzacherinnen und Schwarzacher mit Recht stolz sein. Ich hoffe sehr, dass andere Gemeinden sich hier ein Beispiel nehmen und ebenfalls Barrieren abbauen“

Die Preisverleihung ist eine Veranstaltung im Rahmen des Landesjubiläums „60 Jahre Baden-Württemberg“ und wird mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg gefördert. „Aktion Mensch“ unterstützt das Projekt im Rahmen der Kampagne „Jede Barriere ist eine zu viel.“

 

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