Kontroverse Diskussion zur Frauenquote

Bessere Rahmenbedingungen für junge Frauen und Familien gefordert

Podiumsdiskussion zur Frauenquote

Unser Bild zeigt von links: DHBW-Studentin Anja Zobel, Prof. Erika Gauch und Landrat Dr. Achim Brötel. (Foto: pm)

Mosbach. (pm) Reichen heutzutage Qualifikation, Leistung und der Führungsanspruch aus, um auch als Frau im Beruf nach ganz oben zu kommen? Oder brauchen wir in Deutschland eine Frauenquote, damit Frauen in dem Maße, in dem sie dazu ausgebildet worden sind, Führungspositionen besetzen? Während der Podiumsdiskussion an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach im Rahmen der Frauenwirtschaftstage wurde das Für und Wider in all seinen Facetten gegenübergestellt. Mehr als bei anderen Themen wurde deutlich, wie sehr die eigene Situation und Lebenserfahrung die Meinung prägt.

„Das Frauenbild hat sich geändert“, ist die DHBW-Studentin Anja Zobel überzeugt. Beruf und Karriere seien für sie und die meisten ihrer Kommilitoninnen gar keine Frage mehr. Weil es heißen könnte, sie seien doch „nur wegen der Quote befördert“ worden, sieht sie in der Frauenquote eher einen künftigen Makel für Frauen in Führungspositionen. Auch DHBW-Student Florian Bader sieht in der „Quotenfrau“ mehr eine Diskriminierung als Förderung, die Studenten im Publikum lehnten ebenfalls durchweg die Frauenquote ab. „Nach dem Studium fangen wir alle bei Null an. Wenn Frauen Karriere machen wollen, dann schaffen sie es genauso wie die Männer!“, so der Tenor.




Ganz anders sieht das Gudrun Reichert, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der DHBW Mosbach, und neben Anja Zobel, Tatjana Linke (Geschäftsführerin der Akademie für innovative Bildung und Management), Dr. Achim Brötel (Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises), Florian Bader (Student)  und Prof. Erika Gauch (DHBW Mosbach – Volkswirtschaftslehre) Disputantin auf dem Podium. In einem kurzen Impulsvortrag stellte sie anschaulich dar, dass dort, wo die Frauenquote gilt, der Anteil von Frauen in Aufsichtsrat und Vorstand von börsennotierten Unternehmen wesentlich höher ist. In Norwegen, seit 2003 zur Frauenquote verpflichtet, liegt er bei 36 Prozent, in Deutschland bei 12,8 Prozent, im europäischen Durchschnitt bei 15,6 Prozent. An der DHBW Mosbach liegt sie bei den Mitarbeitern im wissenschaftlichen Bereich bei 18 Prozent. Allerdings steige der Frauenanteil in Deutschland bei Neubesetzungen, was Reichert auf die rege Diskussion der Frauenquote in Politik und Wirtschaft zurückführt. Als sie jung war, habe sie sich nicht vorstellen können, dass einmal eine Frau an der Spitze der Regierung stehen würde.

Betrachtet man Deutschland in dieser Hinsicht als Entwicklungsland, dann liegt der Schlüssel zum Erfolg möglicherweise tatsächlich in der Förderung/Entwicklung von Frauen, damit sie sich in den Führungspositionen auch bewähren können. Qualifikation und Leistung sind ohnehin Voraussetzung, doch wer führen will, muss auch fordern. Tatjana Linke forderte eine noch bessere Unterstützung der Frauen: „Viele Frauen sind einfach zu zurückhaltend. Wir müssen Frauen, die qualifiziert sind und Leistung bringen, ein bisschen anschubsen, mehr Ansprüche zu stellen. Ohne Förderung schaffen es Männer übrigens auch nicht!“ Während Linke in der Frauenquote ein „gutes Experiment“ sieht, um den gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben, lehnt Landrat Dr. Achim Brötel sie ab. Er setzt auf das Vertrauen in junge Mitarbeiterinnen und fordert, Frauen zur technischen Berufswahl zu ermutigen und sie schon so früh wie möglich zu fördern. Wenn auch nicht für die Frauenquote, so plädiert er für nachhaltige Chancengleichheit und Gleichberechtigung: Gleiches Gehalt für Männer und Frauen, gleiche Rente, denn: „Altersarmut ist weiblich“.

Zuhörer Dr. Horst Holtmann, Prof. für Wirtschaftsinformatik, bekräftigte Brötel: „Frauen sind nicht zu dumm für die Technik.“ Der Anteil in seinem Kurs sei zwar mit zehn Prozent gering, aber die Frauen seien sehr gut. In gemischten Arbeitsgruppen werde ein viel besseres Ergebnis erzielt. Er forderte mehr Vorbilder in der Erziehung. In den Grundschulen und Kindergärten bedürfe es dann eher einer Männerquote. „Während junge Männer in der Studienberatung zu ihrer schlechten Note stehen und trotzdem von sich und ihrer Leistung überzeugt sind, sind junge Frauen trotz guter Noten gerade in Mathematik  zögerlich und scheuen vor den Herausforderungen der technischen Studiengänge zurück“, meinte Rektor Prof. Dr. Dirk Saller.


Generell bessere Rahmenbedingungen, insbesondere für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, forderte eine Studentin aus dem Publikum:  „Die Unternehmen müssen die Frauen wollen!“ Sie berichtet von Geschäftsführern, die Stellen nicht mehr mit jungen Frauen besetzen, weil diese, gut ausgebildet und eingearbeitet, durch Schwangerschaft und Erziehungszeit ausfallen. „Kinder als K.O.-Kriterium für die Karriere? Mit der Frauenquote wird das schwieriger“, plädierte Gudrun Reichert bis zum Schluss hartnäckig für die gesetzliche Regelung. Schade, dass gerade die Frauen an diesem Diskussionsabend deutlich unterrepräsentiert waren, denn sie entscheiden dank vieler starker und selbstbewusster Frauen vor ihnen mehr denn je mit, ob und wie schwer sie es in Zukunft – auch als Mütter mit Karriereplänen – haben werden.

Moderatorin Prof. Erika Gauch zog als Fazit dieser sehr spannenden Diskussion, dass vielleicht eine befristete Frauenquote ein guter Kompromiss sein kann. „Eines Tages müssen wir soweit sein, dass wir eine Frauenquote gar nicht mehr brauchen.“ 

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen:

2 Kommentare

  1. Mit großem Interesse habe ich obigen Artikel gelesen. Und in der Tat ergeben gemischte Teams oft bessere Ergebnisse – Studien belegen dies.
    Obgleich wir als Personalberatung für Frauen von der Diskussion profitieren, sollte man die Frauenquote differenzierter betrachten.
    Und welche Frau, die sich den Weg nach oben hart erkämpft hat, möchte als „Quotenfrau“ abgestempelt werden?!

  2. Warum gibt es so wenige Frauen ganz oben? Weil die Männer, die schon oben waren, lieber Männer haben hochkommen lassen. Somit kann man mit Recht sagen, viele Männer haben es nur aufgrund ihres Geschlechts so weit gebracht. Es handelt sich also irgendwie um Quotenmänner, oder nicht? Wenn nun mit Hilfe der Frauenquote auch dem anderen Geschlecht geholfen werden soll, dann wird dies mit dem Begriff Quotenfrau abgewehrt. Ein durchsichtiges Manöver. Besonders dämlich ist allerdings, daß meist Frauen dieses Argument auffahren. So kommen einem Zweifel, ob nicht besser alles so bleiben sollte wie es ist …

Kommentare sind deaktiviert.