Zweimal erfolgreich wiederbelebt

Notfallsanitäter in Ausbildung Yannick Spohrer, Notarzt Thomas Kunze, Mathias Kolb, Allgemeinmediziner Dr. Marcus Eckert sowie Ersthelfer Marvin Reichenbach trafen sich am Mosbacher Marktplatz, dem Ort des Geschehens, zu einem freudigen Wiedersehen. (Foto: pm)
Mosbach.  (pm) Mathias Kolb hat mehr als zwei Schutzengel auf Erden und die meisten kennt er sogar persönlich: Nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand im März 2021 und Juni 2022 konnte er durch das sofortige Reagieren von Ersthelfern in beiden Fällen erfolgreich wiederbelebt werden.

Es passierte am 09. März 2021 beim Einkaufen am Bachmühlen-Areal in Mosbach: Mathias Kolb verlor plötzlich das Bewusstsein. Um 12:01 Uhr alarmierte die Integrierte Leitstelle Mosbach nach dem Notruf über 112 den Mosbacher Notarzt und einen Rettungswagen.

Bereits wenige Minuten später erreichte der diensthabende Notfallmediziner Thomas Kunze von der Anästhesieabteilung der Neckar-Odenwald-Kliniken den Patienten und traf eine Situation an, die entscheidend für den weiteren Verlauf war.

Ein Kunde hatte bereits mit den Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen und führte die Herzdruckmassage durch. Das Rettungsteam übernahm. Aufgrund eines Kammerflimmerns im EKG erfolgte eine sofortige Defibrillation. Bereits um 12:07 Uhr schlug das Herz von Mathias Kolb wieder selbständig und der Patient erlangte wieder sein Bewusstsein.

„Auf dem Weg zum Herzkatheter konnte er mir von seinem sieben Jahre zurückliegenden Herzinfarkt erzählen und auch die Medikamente nennen, die er regelmäßig einnahm“, berichtet Kunze über einen überaus erfreulichen Verlauf.

Auch der Notfallsanitäter in Ausbildung Yannick Spohrer vom DRK Mosbach erinnert sich noch sehr genau an diesen überaus positiven Verlauf. Leider hat niemand den Namen des Ersthelfers erfragt, weshalb sich Mathias Kolb bis heute nicht bei seinem Lebensretter bedanken konnte.

Der Fall ist ein Paradebeispiel für den Stellenwert schnell einsetzender Maßnahmen, denn wenn es zu einem Kreislaufstillstand kommt, ist es entscheidend, dass so schnell wie möglich die Durchblutung des Gehirns sichergestellt wird, um bleibende Schäden zu verhindern.

„Prüfen – Rufen – Drücken!“, mit diesem Slogan werben Notfallmediziner in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal für die Woche der Wiederbelebung, zu der die Kommunale Gesundheitskonferenz des Landratsamts Neckar-Odenwald-Kreis jährlich aufruft. In dieser Woche sollen mit zahlreichen Aktionen unbegründete Ängste vor der Durchführung lebensrettender Maßnahmen abgebaut werden.

„Ich betone es immer wieder: in so einer Situation kann man nichts verkehrt machen, außer man tut nichts. Herr Kolb ist ein lebender Beweis dafür, welchen Riesenunterschied zufällig anwesende Ersthelfer durch beherztes Handeln machen können“, wirbt Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker als Sprecher der Leitenden Notärzte im Neckar-Odenwald-Kreis für engagierte Laienhilfe.

Sieben Jahre fuhr er zur See, ein Vierteljahrhundert lebte er in den USA, Mathias Kolb blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Im Frühjahr diesen Jahres feierte er seinen 72. Geburtstag.

Am 04. Juni ging er auf den Mosbacher Marktplatz – und da passierte es erneut: er brach mit einem weiteren Kreislaufstillstand plötzlich zusammen. Und wieder war der Zufall auf seiner Seite. Wenige Meter entfernt befand sich der Allgemeinmediziner Dr. Marcus Eckert auf dem Wochenmarkt und auch der ehemalige Rettungssanitäter Marvin Reichenbach war in Reichweite, als Passanten um Hilfe riefen.

„Wir begannen sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen“, berichtet Eckert, der auch über viele Jahre als Notarzt tätig war. „Gemeinsam mit den Kollegen des eintreffenden Rettungswagens setzten wir die Thoraxkompressionen fort und führten bei Kammerflimmern drei Defibrillationen durch – dann war der Kreislauf wieder stabil“, ergänzt Reichenbach.

Der zehn Minuten nach Alarmierung eintreffende Notarzt konnte einen wachen Patienten in stabilem Zustand übernehmen und zum Herzkatheter in das SLK-Klinikum nach Heilbronn transportieren. Auch dieses Mal erholte sich Mathias Kolb rasch, erhielt aber zur Absicherung einen implantierten Defibrillator, der bei einem erneuten Kammerflimmern sofort einschreiten soll.

Sein großes Glück ist Kolb überaus bewusst, und er ist seinen Ersthelfern sehr dankbar. Gerne würde er auch seinen Lebensretter vom März vergangenen Jahres kennenlernen und ihm die Hand schütteln.

„Natürlich habe ich durch meine langjährige Tätigkeit Routine bei der Versorgung von Notfällen, aber eines ist mir wichtig: die einfachen Maßnahmen der Wiederbelebung, die wir am Anfang durchgeführt haben, kann jede und jeder anwenden, dazu benötigt es keine Ausrüstung“, bittet Marcus Eckert die Bürgerinnen und Bürger um aktive Hilfe im Notfall.

Mit den annähernd 300 Laien-Defibrillatoren (AED / Automatisierter externer Defibrillator), die im Neckar-Odenwald-Kreis mittlerweile verfügbar sind, kann die Erste Hilfe noch ergänzt werden, wenn wie in diesem Fall ein Kammerflimmern vorliegt.

Diese Geräte erkennen dieses automatisch und ermöglichen einen Stromstoß zur Normalisierung des Herzschlags, wenn der Rettungsdienst einmal nicht so schnell an der Einsatzstelle sein kann wie bei Mathias Kolb. Zusätzlich geben die Geräte mit Sprachansagen Hinweise zur korrekten Durchführung der Maßnahmen und unterstützen so die Notfallhelfer, die bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes wertvolle Hilfe leisten.

Das richtige Vorgehen im Notfall, der Notruf über die Nummer 112, die Durchführung der Herzdruckmassage und die Anwendung eines AED werden bei den Veranstaltungen zur Woche der Wiederbelebung vom 19. bis 25. September erklärt und geübt. Mathias Kolb betont: „Eine sehr wichtige Aktion – damit möglichst Vielen so gut geholfen wird wie mir!“

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