80 Jahr nach der Vertreibung

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Unter Mithilfe der Vertriebenen wurde aus dem zerstörten Deutschland ein demokratisches, neues Land.  In der Hammerwegsiedlung und im Masseldorn in Mosbach fanden die Geflüchteten eine neue Heimat. (Repro: Schreiner)

Neue Heimat in der Mosbach

Von Erich Schreiner

Mosbach. Nach dem Kriegsende 1945 haben die Siegermächte UdSSR, USA und Großbritannien beschlossen, die Deutschen aus ihrer Heimat zu vertreiben. Es folgte 1946 die Vertreibung aus Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei und die Ankunft im Landkreis Mosbach

Diese Aktionen in den sowjetisch besetzten Teilen Europas war unmittelbare Folge des verbrecherischen Krieges, der 1939 von Deutschland begonnen und 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation beendet wurde.

Es war der schlimmste Krieg, in dem Generationen von Männern, aus allen Kriegsgebieten gefallen sind, verwundet wurden oder in Gefangenschaft gerieten, indem über 30 Millionen Männer, Frauen und Kinder den Tod fanden, viele von deutschen Wehrmachtssoldaten und SS-Angehörigen aus rassistischen und antisemitischen Gründen ermordet. Nach dem Krieg waren deutschen Städte zerbombt und lagen in Schutt und Asche. Es herrschte eine Anarchie, eine unvorstellbare Not, Frauen wurden vergewaltigt, Menschen tot geprügelt, viele starben an Hunger. Deutschland war zerstört.

Die Siegermächte USA, Großbritannien und die Sowjetunion, mit Truman, Churchill und Stalin an der Spitze, fassten im August 1945 in der geschichtsträchtigen „Konferenz von Potsdam“, als Fortsetzung der „Konferenz von „Jalta“ den Beschluss, große Teile der deutschen Bevölkerung aus Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, der Tschechoslowakei, dem Baltikum und anderen Gebieten in Osteuropa „Heim ins Reich“ zu schicken. 1946 begann die planmäßige Umsiedlung, die Vertreibung der Deutschen aus dem Südosten.

Es wurden, teilweise mit massiver Gewalt, über 12 Millionen Menschen aus ihrer alten Heimat in Ostpreußen, Schlesien, Pommern, Böhmen, dem Sudentenland, aus Ungarn und weiteren Regionen vertrieben.

Die Folge dieser Fluchtbewegungen machte sich auch im damaligen Landkreis Mosbach bemerkbar.

Am 01. Februar 1946 erreichte der erste Transport aus Budaörs, mit 1.150 Heimatvertriebenen das Auffanglager Neckarzimmern. In 21 weiteren Transporten kamen aus Ungarn dem Sudetenland und Polen, bis September 1946 über 23.613 Vertriebene in Neckarzimmern an. Von dort aus wurden die geflüchteten Menschen auf Gemeinden im Kreis Mosbach verteilt.

Bürgermeister Georg Hofmann leitete damals in Neckarzimmern die Verteilung der Vertriebenen auf die Kreise und Kreisgemeinden. Zahlreiche Vertriebenen wurden im freigewordene Strafgefangenenlager am Hammerweg in Mosbach untergebracht. Auch das ehemalige Konzentrationslager (KZ) Neckarelz sowie die sogenannten Außenlagern 0brigheim, Aglasterhausen und Neckargerach wurden mit Geflüchteten belegt. Baracken in Diedesheim, Sattelbach, Neckarburken, Hüffenhardt, Neudenau und Neckarzimmern wurden ebenfalls genutzt, um Frauen, Männet und Kinder unterzubringen.

Den Behörden, Kirchen, sozialen Einrichtungen, Vereinen und der einheimischen Bevölkerung, die nach anfänglichem, gegenseitigem „Abtasten“ alsbald eine schnelle Integration der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge im Altkreis Mosbach ermöglichten.

Dieses Entgegenkommen und Zusammenwachsen erweckte bei vielen Neubürgern bereits in den 1950-er Jahren den Wunsch, sich sesshaft zu machen. Nachdem ab 1950 die Baugenossenschaft „Mein Heim“, die ersten vollgeschossigen Genossenschaftshäuser zum Einzug bereitstellte, entstand ein reges Bauen am Hammerweg, im Bauernbrunnen und anderen Bereichen in Mosbach und im gesamten Kreis.

Die Ein- und Zweifamilienhäuser wurden in Selbst- und Nachbarschaftshilfe erstellt. Im Tal „Gewann Masseldorn“, das damals unbebaut war, entstand die größte Siedlung für die Heimatvertriebenen in Mosbach.

Schwer war die Vertreibung aus der Heimat, in der neuen Heimat angekommen mussten die Vertriebene ein neues Leben aufbauen. Nach anfänglicher Ablehnung und Skepsis durch die einheimische Bevölkerung haben die Vertriebene ohne Hass und Missgunst ihr Schicksal in die Hand genommen, sie krempelten in Deutschland die Ärmel hoch und halfen tatkräftig mit, in wenigen Jahren ein neues, demokratisches Land aufzubauen. Durch ihren Fleiß, ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft wurden sie Teil des sogenannten Wirtschaftswunders, wodurch sie sich Anerkennung erwarben, was dazu beitrug, in wenigen Jahren ein friedliches Zusammenleben in der neuen Heimat zu ermöglichen.

Es wurden viele Freundschaften geschlossen, die noch bis heute anhalten. Die alteingesessene Bevölkerung und die Geflüchteten wuchsen trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit den Jahren zusammen. Sie haben sich in vielen Vereinen arrangiert, in die Bevölkerung integriert und wurden zu anerkannten Mitbürgern.

In der Hammerwegsiedlung, im nach dem Krieg freigewordene Strafgefangenenlager wurden über 1.000 Vertriebene aus allen Vertreibungsländer untergebracht.


In dieser Siedlung bauten die Geflüchteten einen Fußballplatz und gründeten den FC Mosbach. (Repro: Schreiner)

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