Wie uns Vielfalt weiterbringen kann

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Die mit dem Down-Syndrom geborene Charlotte Henning (li.) schilderte mit Professorin Dr. Ulrike Barth ihren beeindruckenden Werdegang bis zum anstehenden Studium. (Foto: Andreas Lang)

28. Fachtagung der Fachschule für Sozialwesen

Mosbach. (pm) „Gelebte Vielfalt. Unser Schatz, unsere Stärke!“ – unter diesem Titel sind Fachleute und Interessierte zur 28. Fachtagung der Fachschule für Sozialwesen in Mosbach zusammengekommen. „Dass Vielfalt als Schatz und Stärke gesehen wird, ist keine Selbstverständlichkeit“, erklärte Johannes-Diakonie-Vorstand Dr. Martin Holler in seiner Begrüßung.

Wie sehr Ideen von Pluralität, Inklusion und Diversität aktuell unter Druck geraten, fand häufige Erwähnung. Dagegen setzte die Fachtagung einen klaren Kontrapunkt, indem Experten und Expertinnen in ihren Vorträgen aufzeigten, wie wichtig Vielfalt ist und wie sie die Gesellschaft als Ganzes weiterbringt. Die Fachschule für Sozialwesen gehört zur Bildungs-Akademie der Johannes-Diakonie und hat ihren Sitz in Neckarbischofsheim.

Was der Titel versprach, hielt das Tagungsprogramm. Es präsentierte sich an beiden Veranstaltungstagen extrem vielfältig. Nach einem Videogrußwort der bisherigen Landtagspräsidentin Muhterem Aras, schilderte im ersten Beitrag die mit dem Down-Syndrom geborene, 18-jährige Charlotte Henning ihren beeindruckenden Werdegang: vom Schulbesuch, ihrem Wunsch, Pädagogin zu werden, einem Praktikum in einer Kita, ihrer Assistenzstelle bei einer Lehrkraft bis hin zu ihrer aktuellen Ausbildung in der Freien Fachschule für Sozialpädagogik in Mannheim, die nun in ein Studium der Sozialpädagogischen Assistenz in Zürich mündet.

Professorin Dr. Ulrike Barth, die Henning auf deren Weg begleitet hat, stellte abschließend in ihrem Plädoyer für Vielfalt im Bildungswesen fest: „Es geht darum, dass alle Charlottes eine solche Chance bekommen.“

Doch Vielfalt kann nicht alleine bestehen. Sie benötigt freie demokratische Strukturen als Basis, wie Professorin Dr. Sophia Falkenstörfer (Universität Köln) feststellte. Ihr Vortrag machte deutlich, wie pädagogische Fachkräfte in der Begleitung von Menschen mit Behinderung zur Gestaltung eines demokratischen Miteinanders beitragen können.

Den Aspekt gesellschaftlicher Erwartungen beleuchtete Nicolette Blok, Moderatorin für persönliche Zukunftsplanung und Bildungsexpertin für Menschen mit Behinderung. Sie beschrieb den Negativ-Kreislauf von Vorurteilen, die Inklusion behindern, und warnte vor der „Falle von geringen Erwartungen“. Dagegen forderte sie eine offene gesellschaftliche Haltung, die Gaben und Fähigkeiten aller Menschen zur Entfaltung bringe, etwa im Arbeitsleben.

Wie neurologische Vielfalt zur Quelle für Kreativität, Humor und gesellschaftlichem Engagement werden kann, machte Jean-Marc Lorber, alias SpellfireJamal, deutlich. Der mit dem Tourette-Syndrom lebende Autor und Aktivist berichtete humorvoll über seine Erfahrungen als Mensch mit Behinderung und über seinen Werdegang. Mit einer Gesangseinlage beschloss er den ersten Teil der Veranstaltung.

Um die von Lorber angerissene Neurodiversität ging es am nächsten Tag bei Professor Dr. André Frank Zimpel (Universität Hamburg). Obwohl ihre Zahl hoch sei, erlebten Menschen mit Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit, Dyskalkulie oder einer anderen neurologischen Einschränkung auch heutzutage noch viele Ausgrenzungen. Dabei gingen neurologische Beeinträchtigungen oft mit speziellen Begabungen und die veränderte Wahrnehmung nicht selten mit bereichernden Impulsen für das Umfeld einher. „Wir missachten viele Potenziale, die in der Neurodivergenz stecken“, so Zimpel und forderte eine verstärkte „Neuroinklusion“.

Als Autor, Influencer und Experte in eigener Sache griff Florian Malicke die derzeit viel diskutierten Themen Autismus und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) auf und gab Einblicke in die eigene neurodivergente Wahrnehmung. Die Herausforderung für ihn als Autisten, soziales Verhalten logisch lernen zu müssen, schilderte er in launigen Anekdoten mit Lacherfolg beim Publikum.

Professor Dr. Nicolas Rüsch (Universität Ulm) beschloss mit nachdenklich stimmenden Informationen zum wachsenden Problem Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen eine Fachtagung, die fast 300 Teilnehmenden wissenschaftliche Impulse und interessante Gespräche beschert hatte.

Eine Zusammenfassung der 28. Fachtagung und tiefere Informationen zu den Vorträgen gibt es auf www.fachschule-neckarbischofsheim.de/fachtagung.

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