Geige und Klarinette im Dialog

von Andreas Häckel

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(Foto: Michael Pohl)

Osterburken. Wie kommen zwei pensionierte Ärzte, eine Kunststudentin, zwei ehemalige Lehrer und eine Altenpflegerin dazu, Klezmermusik zu machen? Ganz einfach! 2007 trafen sich Musiker und Musikerinnen bei einem Workshop im Kloster Schöntal. Der Leiter des Workshops mit dem Titel „Durch Klezmermusik zur Improvisation“ war der bekannte Klarinettist Helmut Eisel. Die Teilnehmer fanden Gefallen am gemeinsamen Musizieren und so lag es nahe, gemeinsam eine Band zu gründen.

Dass sie beim Meister der Klezmermusik Helmut Eisel viel gelernt haben, zeigten die Musiker beim Konzert bei der Kulturkommode Osterburken in der Alten Schule. Nicht nur die kleine Bühne war durch die sechs Musiker gut gefüllt, nein, auch der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Mit leisen, sanften Tönen begann das Konzert. Geige und Klarinette unterhielten sich, die weiteren Instrumente stimmten nach und nach ein und ergänzten das Stück „Sirba“ zu einem wundervollen Ganzen. Das Stück „A First-Class Ticket to Safed“ von Helmut Eisel führte die Zuhörer weiter in die Welt der Klezmermusik ein. Klezmer, so nannten sich die jüdischen Musiker aus Osteuropa, die hauptsächlich auf Hochzeiten und kirchlichen Festen aufspielten. Werner Dürr begeisterte mit seinem Violinen-Vorspiel in „A Nacht in Gan Eden“ seine Zuhörer. Die übrigen Musiker vollendeten mit ihren Instrumenten das Stück. Ein weiteres traditionelles Lied, „So they dance in Safed“, ist inspiriert durch einen Synagogenbesuch der Klarinettistin Elisabeth Brose in Israel. Mit „Der Heimischer Bulgar“ entließ das Sextett die Zuhörer in die Pause.

Im zweiten Teil ging es mit verschiedenen Freilachs (Tänze im 2/4 Takt) und dem „Tango Pino“ weiter. Die Bandleaderin Elisabeth Brose stellte anschließend die Musiker von Kleztett vor: Walter Kämmer an Bassklarinette und Flöten, Hellmar Weber (Klarinette und Saxophon), Irmgard Brose am Cello, Herma Paul (Klavier), Werner Dürr (Geige und Bratsche) sowie Elisabeth Brose an verschiedenen Klarinetten.

Zudem führte Elisabeth Brose das Publikum in die Welt der jüdischen Musik ein. Sie erklärte, dass Klezmer sich aus den Worten „Kli“ und „Zemer“ zusammensetzt, die soviel bedeuten wie „Gefäß“ und „Lied“ – oder eben „Gefäß des Liedes“. Sie und die Gruppe verstehen sich als offene Gefäße, in denen Musik ist, die sie mit dem Publikum teilen wollen.

Was macht die Musik von Kleztett so wertvoll? Aus der Stille heraus treten Geige und Klarinette miteinander in Dialog und umschmeicheln das Publikum mit geheimnisvoll verlockenden Tönen. Eine ausdrucksstarke Improvisation baut sich auf und zieht die Zuhörer in seinen Bann. Nach einem fulminanten Höhepunkt entlädt sich die Spannung in einer mitreißenden Klezmer Melodie. So beschreibt die Gruppe sich selbst und trifft dabei genau den Punkt.

Der Abend endete mit „Onkel Karls Freilach“, einer Eigenkomposition der Klarinettistin. Onkel Karl, der einst eine Hutmacherwerkstatt betrieb, spielte angeblich jeden Abend exakt zur gleichen Zeit auf seiner Klarinette. Einer derartigen Ungewöhnlichkeit kann man schon mal ein Musikstück widmen. Das begeisterte Publikum entließ die Gruppe mit viel Beifall nach den beiden Zugaben „Odessa Bulgar“ und „Bei mir bist du scheen“.

Infos im Internet:

www.kulturkommode.de

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