Mudauer Wassersucher prunkten

von Liane Merkle

Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger ergibt sich dem Prinzenpaar. Ohne Widerstand geht die Schlüsselgewalt an die Mudauer Wassersucher über.

Mudau. Schon vor Beginn der großen Prunk- und Fremdensitzung war die Stimmung in der närrisch geschmückten Odenwaldhalle bombastisch, leider hielt diese Stimmung auch den Geräuschpegel der Narren während der über fünf Stunden dauernden Veranstaltung hoch. Es wäre sicher schwierig gewesen, das fast durchgängig qualitativ hervorragende Programm zu kürzen, das eigentlich im Widerspruch zum Jahresthema der Karnevalsgesellschaft Mudemer Wassersucher stand: „Schlimmer gejht’s (n)immer“. Von wegen – egal ob große oder kleine Politik, Missgeschicke oder Fehltritte – „Schlimmer gejht’s immer!“

Davon wussten die Akteure der KaGeMuWa eindrucksvoll zu berichten, und zwar in gesprochener, gereimter, gespielter und getanzter Form. Gar nicht so leicht, ein so negatives Motto positiv rüber zu bringen. Doch man spürte, dass die Wassersucher Faschenaacht in den Genen haben und sich nicht nur „verkleiden“.

Von 22 Auftritten waren nur drei von „Gastabordnungen“ besetzt, und nahezu alle waren kurzweilig und top, zudem bewiesen die Sitzungsleiter Ralf Späth und Carlo Götz neben viel Humor auch eine große Portion Takt und Feingefühl in ihrer Moderation.

Und wie beliebt die Mudemer Faschenaacht ist, wurde unübersehbar deutlich an der Unmenge Abordnungen befreundeter Fastnachtsvereine aus Amorbach, Heidersbach, Hettingen, Kirchzell, Limbach, Osterburken, Seckach, Waldstetten, Walldürn und Zwingenberg sowie aus den Mudauer Ortsteilen.


Letztere könnten natürlich auch neugierig auf die neue sympathische Regentschaft gewesen sein, der sogar Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger freiwillig und freudestrahlend die Schlüsselgewalt übergab.

Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Malka I. , und Seine Tollität, Prinz Matthias I., hatten einen so großen Fanclub und so viele Hochrufe zur Begrüßung, dass eine Wahl gar nicht nötig gewesen war. Und sie hatten beste Vorschläge für die Bepflanzung der Langenelzer Straße mit Christbäumen, die Abschaffung des arbeitsintensiven Kreisels und Beschäftigung arbeitsloser „Frührentner“ bei der Verkehrsregelung der alternativen Kreuzung und noch so einiges mehr.

In einem Rollentausch-Härtetest stellten die beiden dann auch ihre Flexibilität unter Beweis. „Es ist Wahnsinn!“ war nicht nur die Titelmelodie ihres Gardetanzes, sondern auch die temperamentvoll gekonnte Darbietung der 16 KaGeMuWa-Minigarde-Mädels. Überhaupt waren die Tänze der Wassersuchergarden von ausgesuchter Qualität und mussten sich nicht hinter dem Schautanz der Süddeutschen Vizemeister und Fünftplatzierten der Deutschen Meisterschaft verstecken.

Obwohl der TSC Walldürn mit seinen Trainern Bodo Horn und Tanja Hamsig mit den „Helden aus dem Norden“ nicht nur ein Augenschmaus der Extraklasse darstellte, sondern auch tänzerisch „schwere Geschütze“ auffuhr.

Auch den Schautänzen „Eine Reise durch Amerika“ vom Westernsaloon über Washington nach Las Vegas von der Prinzengarde oder „Vernetzt“ in Notebook und Spinnenweben von der Gemischten Schautanzgruppe sah man ihre enormen Trainingseinheiten und in Folge nahezu professionellen Choreographien, Akrobatik, Kondition, visuelle Leichtigkeit und Koordination an.

Genauso perfekt präsentierten sich die zackig-schmissigen Gardetänze von Wassersuchergarde und Seniorengarde der Hettemer Fregger. Als rot-schwarzer Wirbelwind verausgabte sich das eigentlich verletzte Tanzmariechen Melissa Schell in diesem Jahr nur für ihre Oma Lieselotte Schell. Denn den Tanz hatte sie ihr versprechen müssen. Die meisten Ein- und Ausmärsche sowie die stimmungsvollen Schunkelrunden kreierte in jeweils passender Form die Odenwälder Trachtenkapelle unter Vorsitz von Norbert Banschbach und Dirigat von Ralph Müller, so dass sich im Wechsel mit den Tanznummern die Zwerchfellmuskulatur des Narrenvolkes von den phantastischen Büttenreden, die sich durchgängig als Brüller erwiesen, erholen konnten.

Fotostrecke zum Artikel [nggallery id=129] (Fotos: Liane Merkle)

Den Anfang machten (ganz ohne Manuskript) Yannick Mechler und Elias Noe als „Zwee Mudemer Rotzlöffel“ die es faustdick hinter den Ohren haben und u. a. meinten: „De Euro wird schwächer, euer Schnitzel wern kleener, nur die Gardemädels werden jedes Johr scheener“. Zu kritisieren hatten die beiden den übervollen Mudauer Veranstaltungskalender, der kein bisschen Freizeit mehr lässt, oder den Trugschluss, dass das schnelle Internet zu Geschwindigkeitsüberschreitungen in Scheidental führen muss. Die beiden waren so gut, dass man sie schon für die Nachfolge in „Wetten dass“ nominiert hatte.

Als nicht so reuiger Sünder und „Pirat der Liebe“ besang dann Gernot Hauk seine unzähligen Liebschaften durch die Region, die eigentlich alle eine einzige Frau betrafen, doch Pfarrer Werner Bier meinte in seinen Grußworten, dass seine Beichtzeiten eigentlich nicht so lange bemessen seien. Dafür hatte er – motiviert durch das Jahresmotto – aber extra Salatöl mitgebracht, um den „Krautköpfen“ die letzte Ölung zu erteilen. Dass es so weit mit den Wassersuchern aber doch noch nicht ist, dokumentierten sie mit ihren Präsenten an die Obrigkeit.

Der Bürgermeister wurde für den Verlust seiner Schlüsselgewalt entschädigt mit einem lautlosen Rasenmäher samt Schutzbrille und Atemmaske. Und der Landrat, der schon gar nicht mehr versucht, an Faschenaacht „vor Halber irgendwann“ heimzukommen, wurde Sieger bei „Wer wird Millionär“ und kann vermutlich die Kreiskasse damit aufbessern.

Viel herum gekommen waren die Schrotthändler Bojo und Bambel, alias Marco Scheiwein und André Mechler. Entsprechend hoch war ihr Wissenstand in Sachen Ortsgeschehen, wobei das Straßenwesen einen nicht unwesentlichen Raum einnahm. Fünf Kilometer Straße nach Schloßau mit 85 Ein- und Ausfahrten beschäftigten sie ebenso wie 50. Geburtstage im Ort. Wobei der der Odenwaldhalle seltsamerweise vergessen worden war.


„Cheesy“ Jürgen Kieser berichtete singend zur Gitarre vom letzten Spreiseles-Sonndaach, der ihn dazu bewegte, den anwesenden Narren einen Crashkurs in Örtlichem Faschenaachtsliedgut zu geben. „Lejt kaaft Spreisele“. „Wir sind von großzügigem Mute, wir sind das Wahre, Schöne, Gute“ meinte der Zwingenberger „schöne Mann“ Richard Langer, dem seine Frau Beate jedoch mit größter Unterstützung der weiblichen Narren widersprach. So viel zu Selbstüberschätzung.

Die vermasselte „Puppe Erwin“ (alias Helmut Korger jr.) auch seinem „professionellen Bauchredner“ Uwe Lenz mit gekonntem „hetz mich nicht“ und Unterstützung seiner „Freunde!!“ aus der Trachtenkapelle. Die beiden entlockten dem Publikum wahre Lachtränenströme.

Als echte Brüller erwiesen sich auch die Kurzeinlagen von Ritschy Korger, der als Marilyn Monroe ebenso überzeugte wie als Lady Gaga oder abschließend des Mammutprogramms als ganze Gruppe „Village People“ und dem Hit „YMCA“. La Olas, Raketen und frenetischer Beifall für ein qualitativ hervorragendes Programm, dem sich aufgrund seiner enormen Länge nach dem bunten Finale leider kaum mehr Tanz und Unterhaltung anschließen konnte.

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