Der Wilde Paul spielt in Mudau

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„Do muss a e bissle was rüber kumme“ – Sozialkritik, „mords Stories“ und sehr persönliche Bekenntnisse


(Foto: privat)
Mudau. (sis) Paul Wild aus Uiffingen bei Boxberg ist ein Original. Er spielt Gitarre, ohne Noten lesen zu können. Er singt Englisch, ohne die Sprache wirklich zu beherrschen. Und er setzt unbekümmert vertonte Gedichte von Marie-Luise Kaschnitz und Wolf Biermann vor Liedtexte wie „Madli, Moscht und g´röschti Erdbiern“.

Seiner absoluten Authentizität und seinem schlichten, bodenständigen Charme ist es zu verdanken, dass er damit einmal mehr auch in Mudau hervorragend angekommen ist – für die, die ihn das erste Mal hörten, zwar oft erst nach einer gewissen kurzen „Aufwärmphase“, dann aber umso intensiver.
Auf Einladung der Bürgerstiftung war der „Wilde Paul“ nach 1997, 2001 und 2009 zum vierten Mal in den Odenwald gekommen. Der 63-jährige hatte wie immer „e paar Griff un e paar Liedle“ mitgebracht und nach der Begrüßung durch Wilhelm Schwender startete er mit „sozialkritischen Protestsongs“ und Themen wie Krieg, Umweltverschmutzung, Atomkraft.

Dazwischen sehr ehrliche Bekenntnisse aus einem eigenen Leben: „Wenn do im Raum en Verlierer is, mit dem kann ich mitfühle“. Mitte 30 sah er sich in punkto Gesundheit, Beruf und Beziehung in einer Sackgasse. Damals habe er sich die Kernfragen gestellt: „Wu kumm ich her, wieso dapp ich do rüm un wu geht´s no?“ Prägnanter als in so mancher Predigt erklärte er, wie ihm der Glaube in dieser schwierigen Situation geholfen hat: „ Do geht dann a nett alles paletti. Aber ich hob en Halt.“

Heute ist der frühere Landwirt gesund, arbeitet als Landschaftsgärtner und ist dreifacher Familienvater. Und er tourt beständig in einem Radius von rund 60 km rund um seinen Heimatort. Gerade so oft, dass ihm der Spaß nicht abhanden kommt: „Mir g´fällt´s. Ich hör mi selber immer mol wieder gern.“ Dabei hat er aber den Anspruch, nicht nur den „Clown“ zu spielen. Da müsse auch ein bisschen was rüber kommen: „E messitsch sozusache.“ Dieser Anspruch wurde von den rund 120 Gästen gerne angenommen. Und Pauls Spielfreude tat ein Übriges.

Nach der Pause stand das „spezielle Steckenpferd“ des Uiffingers an: „Verrockte Dialekttexte“ und die Schilderung von Ortsbegebenheiten, von „mords Stories“. Dazwischen die Sorte Witze, die man sich gerne merken möchte. Gerne auch frauenfeindlich, wovon er sich im Vorhinein immer gleich augenzwinkernd distanzierte: „Was wärn mir ohne die Frauen? Die allermeischte sin gut, aber es gibt halt a e paar Drache.“

Nach einem Ausflug ins dörfliche Leben des letzten Jahrhunderts mit Transmissionen, die ins „Fuder“ geraten waren, platt gefahrenen Hühnern und älteren Herrschaften, die beim nächtlichen Mostfassanstechen in pikante Schwierigkeiten geraten, kündigte Paul gleich die Zugaben an: „Ich sing jetzt no drei Liedli, des is die Zugabe, weil den Zirkus mit dem Rei- und Nausgehn mache mer nett.“

Nach bald drei Stunden endete ein ganz besonderer, weil mit nichts vergleichbarer Abend. Und die allermeisten dürften dieser Aussage Pauls zugestimmt haben: „Dess hoit obend is doch allemol gscheiter wie uffs Kannabee gleeche zu sein.“

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