„Schnell“ nur als Zwischenziel

Das große Graben soll im Neckar-Odenwald-Kreis nach dem Willen von Landkreisverwaltung und Kommunen weitergehen. So sollen nahezu 100 Prozent der Anschlüsse mit schnellem Internet versorgt werden. (Foto: pm)

Landkreis, Kommunen und Wirtschaft ziehen eine überaus positive Bilanz rund ein Jahr nach Ende des Breitbandausbaus – Weitere Ausbauprojekte in der Planung 

Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) Seit rund einem Jahr ist der Neckar-Odenwald-Kreis flächendeckend mit schnellem Internet versorgt. Nach zwei Jahren Bauzeit konnten Landkreis und Kommunen zusammen mit der Telekom als Partner zu Beginn des Jahres 2018 den Abschluss des ehrgeizigen Projektes feiern. Seither stehen für 97 Prozent aller Anschlüsse Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload zur Verfügung.

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Der Kreis war damit der erste Landkreis in Baden-Württemberg, der seinen Bürgerinnen und Bürgern eine flächendeckende Breitbandversorgung in dieser Qualität und Leistungsfähigkeit geboten hatte. 9,6 Millionen Euro hatte der Kreis sowie die Städte und Gemeinde dafür in die Hand genommen.

Nun, nach einem Jahr mit Höchstgeschwindigkeiten auf den Datenautobahnen, zieht Landrat Dr. Achim Brötel eine überaus positive Bilanz, auch angesichts eines schleppenden Ausbaus andernorts. „Man darf nicht unterschätzen, dass die inzwischen schon fast zur Normalität gewordenen hohen Verbindungsgeschwindigkeiten für viele Haushalte von großer Bedeutung sind“, so Brötel. Dies zeige die hohe Nachfrage, von der die Anbieter berichten. „Vor allem aber stärken die schnellen Leitungen den Wirtschaftsstandort mit seinen vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Es vergeht eigentlich kein Firmenbesuch, in dem das nicht ausdrücklich betont und gelobt wird.“ Die Firmen setzen dabei auch darauf, dass schon in absehbarer Zeit und ganz ohne weiteren Ausbau Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s im Download erreicht werden können. Möglich macht dies die sogenannte Super-Vectoring-Technologie, mit deren Einführung die Telekom auch im Kreis bereits begonnen hat. Notwendig sind so hohe Geschwindigkeiten unter anderem für zukünftige Anwendungen im Bereich „Virtual Reality“. Um diese zu bekommen, müssen jedoch separate Verträge abgeschlossen werden.

Viele positive Rückmeldungen erhielt auch Bürgermeister Thomas Ludwig, Vorsitzender des Kreisverbands des Gemeindetags: „Der kreisweite Breitbandausbau hat unseren Bürgerinnen und Bürger endlich den Komfort bei der Internetnutzung gebracht, der heutzutage landauf, landab als selbstverständlich erachtet wird. Aus Sicht unserer Städte und Gemeinde ist hervorzuheben, dass wir damit sowohl für Familien als auch für Unternehmen noch attraktiver geworden sind. Im Wettbewerb um Einwohner ist das schnelle Internet ein großer Vorteil.“

Ähnlich äußert sich der kommissarische Standortleiter der IHK Rhein-Neckar in Mosbach, Dr. Andreas Hildenbrand: „Ein leistungsfähiger Zugang zum Internet ist heute für viele Betriebe so wichtig wie eine zuverlässige Versorgung mit Strom und Wasser. Er ist mitentscheidend für die Attraktivität des Neckar-Odenwald-Kreises als Wirtschaftsstandort.“ Aus Sicht des Handwerks betont Geschäftsführer Michael Windmeißer von der Kreishandwerkerschaft: „Das stark gestiegene Service-Angebot für die Kunden sowie die Arbeit mit großen digitalen Datenmengen in den Handwerksunternehmen ist hier nun ein echter Standortvorteil. Weitere Investitionen in diese Richtung sind sehr zu begrüßen.“

Einigkeit herrscht also darüber, dass der Breitbandausbau ein wichtiger Schritt war, aber eben auch nur ein Zwischenschritt. Alle Akteure hätten nun Zeit und den Handlungsspielraum auf Basis der schnellen Leitungen das langfristige Ziel anzugehen: Die konsequente Fortführung des Ausbaus und letztendlich die Versorgung mit Glasfaser bis in die Gebäude, die so genannte FttB-Technik. Genutzt werden sollen dafür Förderprogramme des Bundes und des Landes. „Deshalb hat die Wirtschaftsförderung des Kreises in Abstimmung mit allen Städten und Gemeinden bereits einen ersten Förderantrag beim Bund eingereicht“, erklärt hierzu der Breitbandbeauftragte beim Landratsamt, Johannes Biste.

Möglichst viele der verbliebenen noch unterversorgten Anschlüsse sollen auch in den Genuss des schnellen Internets kommen. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um Ortsrand- beziehungsweise Außerortslagen wie Weiler. Außerdem sollen aufgrund der besonderen Bedeutung von Bildungseinrichtungen alle Schulen im Kreis direkt mit Glaserfaser angebunden werden. Eine bis vor einigen Jahren noch unvorstellbare Versorgung mit einem Gigabit (1.000 MBit) ist dort angestrebt.

Ebenso in den Blick gerückt sind die Gewerbegebiete, wo der Breitbandhunger durch den globalen Austausch von Daten oft am größten ist. Abhilfe soll ein Förderprogramm schaffen, mit dem seit November 2018 speziell die durch Bebauungsplanbeschluss festgelegten Gewerbegebiete mit FttB-Technik ausgebaut werden können. Diese Gebiete hat der Kreis mit Hilfe der Kommunen erhoben und ebenfalls mit in den Bundesförderantrag aufgenommen.

„Wenn die Förderbescheide positiv ausfallen und beim bevorstehenden Ausschreibungsverfahren entsprechende Angebote eingehen, könnte der Ausbau zumindest bei einem Teil der drei Prozent bisher unterversorgten Gebiete, sowie allen Schulen und Gewerbegebieten bereits 2020 stattfinden“, zeigt sich Landrat Brötel optimistisch. Denn schnell auf den Datenautobahnen unterwegs zu sein, sei für den Moment gut, „sehr schnell“ hingegen müsse das Ziel für einen zukunftsfähigen Neckar-Odenwald-Kreis sein.

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