In Gedenken an Marie Wolf

In Gedenken an Marie Wolf
In Gedenken an Marie Wolf

Neben Marie Wolf wurden auch Stolpersteine für die Familie von Carl Mayer verlegt, dem letzten Arbeitgeber und Vermieter von Marie Wolf. (Foto: pm)

Stolperstein in Baden-Baden verlegt

Buchen/Baden-Baden. (pm) „Stolpersteine“ im Gedenken an Menschen, die im nationalsozialistischen Deutschland verfolgt und ermordet wurden, finden sich in vielen Städten und Gemeinden, auch in Baden-Baden. In Buchen hat man sich für andere Wege des dezentralen Gedenkens entschieden. In Baden-Baden wurde nun auf Initiative der Stadt Buchen ein Stolperstein verlegt: Für die Buchenerin Marie Wolf, die in der dortigen Lilienmattstraße 20 ihre letzte Wohnstätte hatte.

„S`Mariele“, wie die Familie sie liebevoll nannte, verbrachte den Großteil ihres Lebens in Buchen. Dort, in der Marktstraße als Tochter der jüdischen Kaufmannfamilie Abraham und Betty Wolf geboren, stellte Marie ihre Wünsche stets hinter die Bedürfnisse ihrer Familie. So kümmerte sie sich nicht nur um ihre alternde Mutter, sondern betreute als Kindermädchen auch die beiden Kinder ihrer Schwester Susi, als diese gemeinsam mit ihrem Mann das Textilwarengeschäft übernahm.

Die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten einsetzenden Demütigungen, Einschränkungen und Verfolgungen änderten die Lebenssituation der Familie grundlegend. Nach der Flucht der Familie ihrer Schwester und dem Verkauf des Wohn- und Geschäftshauses zog Marie Ende Juli 1939 nach Baden-Baden, wo sie als Haushaltsgehilfin bei der Familie Carl Mayer lebte und arbeitete. Am 22. Oktober 1940 wurde sie, wie die anderen Jüdinnen und Juden aus Baden-Baden, festgenommen und in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich verschleppt. Zwei Jahre später erfolgte die Deportation nach Auschwitz-Birkenau, wo sie von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

Ihr Neffe Albert Lester (1927-2024), dem ein Kindertransport nach England das Leben rettete, hat sich immer gerne an seine geliebte Tante Marie erinnert. Kurz vor seinem Tod hat er sich an dem neuen dezentralen Gedenkprojekt „buchen-gedenkt.de“ beteiligt. In Zusammenarbeit mit Lester und mit Bildmaterial aus dem Bildarchiv Karl Weiß des Bezirksmuseums Buchen entstand eine visualisierte und dadurch sehr eindrückliche Lebensgeschichte in Form eines Kurzvideos. Marie Wolf ist eines der ersten NS-Todesopfer der Stadt Buchen, deren Geschichte durch „buchen-gedenkt.de“ vor Ort an ihrem Geburts- und Wohnhaus und digital im Internet erlebbar ist. Weitere werden folgen.

Mit der Stolpersteinverlegung der Stadt Baden-Baden und des Arbeitskreises Stolpersteine Baden-Baden, bei der die Stadt Buchen die Patenschaft für den Stein übernommen hat, wird nun auch an ihrem letzten Wohnort an die Buchenerin Marie Wolf erinnert.

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