(Grafik: Tobias Seifert)
1.300 Beschäftigte gehen im Neckar-Odenwald-Kreis jährlich in Rente
Neckar-Odenwald-Kreis. In den kommenden Jahren werden dort im Schnitt rund 1.300 Beschäftigte pro Jahr in Rente gehen. Bis 2035 werden insgesamt rund 38.000 Menschen im Ruhestand sein. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hin. Die NGG-Region Heilbronn bezieht sich dabei auf Berechnungen des Pestel-Instituts.
NGG fordert abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren
Für alle, die künftig in den Ruhestand gehen, will die Gewerkschaft eines erreichen: die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Die geplante Rentenreform der Bundesregierung sorgt nach Einschätzung der NGG Heilbronn für erhebliche Verunsicherung. Vor allem Beschäftigte, die kurz vor dem Erreichen der 45 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung stehen oder diese bereits erfüllt haben, blickten mit Sorge auf die Pläne. „Sie befürchten deutliche Abschläge und damit spürbare Einbußen bei ihrer Rente, wenn sie jetzt aus dem Berufsleben ausscheiden wollen“, sagt Frank Meckes, Geschäftsführer der NGG-Region Heilbronn.
Wer früh ins Berufsleben startet, dürfe dafür nicht bestraft werden. „Entgegen einem weit verbreiteten Eindruck sind viele Menschen mit langen Erwerbsbiografien keine Spitzenverdiener. Sie sind auf eine verlässliche und ungekürzte gesetzliche Rente angewiesen. Das gilt für die Menschen in der Lebensmittelproduktion ebenso wie für die Beschäftigten in Bäckereien, Kantinen und Restaurants im Neckar-Odenwald-Kreis“, so Meckes.
Viele Rentnerinnen und Rentner haben 45 Jahre Beiträge gezahlt
Die NGG warnt die Bundesregierung davor, bei der geplanten Rentenreform die Lebensleistung langjährig Versicherter aus dem Blick zu verlieren. Das betrifft viele Menschen: Unter den gut 767.000 Männern, die Ende des vergangenen Jahres in Baden-Württemberg eine gesetzliche Altersrente bezogen haben, waren nach Angaben der Gewerkschaft rund 373.000, die 45 Jahre oder länger in die Rentenkasse eingezahlt haben. Unter den gut 960.000 Frauen waren es rund 150.100. Die NGG-Region Heilbronn beruft sich dabei auf Angaben der Deutschen Rentenversicherung (DRV).
Die Gewerkschaft appelliert an CDU/CSU und SPD, die Rentenreform sozial auszugestalten. Eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters lehnt die NGG ab und fordert die Bundesregierung auf, darauf zu verzichten. „Es wird dabei immer wieder auf eine steigende Lebenserwartung verwiesen. Doch wer körperlich belastend arbeitet, kann nicht beliebig länger arbeiten“, warnt Meckes. Für diese Beschäftigten sei die Erhöhung des Renteneintrittsalters nichts anderes als eine Rentenkürzung durch die Hintertür.
NGG kritisiert geplante Kapitalrente
Kritisch sieht die Gewerkschaft zudem die geplante Kapitalrente. Die gesetzliche Rente müsse verlässlich bleiben und dürfe nicht von den Risiken der Finanzmärkte abhängen. Außerdem spricht sich die NGG dafür aus, das Rentenniveau weiterhin an die Lohnentwicklung zu koppeln.



