Mudau: Der Wolf in aller Munde

Symbolbild - Sonstiges

Mudau.  (lm)  Obwohl im Medienraum der „Goldenen Olive“ mehrfach nachbestuhlt wurde, reichte der Platz nicht aus. Man ließ die Tür zum Gastraum offen, damit alle Interessierten am Gemeinschaftsvortrag von Heimat- und Verkehrsverein sowie Hegering IV teilhaben konnten.

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„Der Wolf ist in aller Munde, kommt er oder kommt er nicht?“ Ein Thema, das wirklich viele Menschen beschäftigt und außerordentlich kontrovers diskutiert wird.

Das zeigte sich auch in der abschließenden Aussprache: „Wir waren froh, als er ausgerottet war, und wir brauchen ihn nicht mehr“, „In Rumänien leben wir mit dem Wolf, denn wo er ist, ist der Wildbestand gesund“, „Er tötet aus Lust, nicht aus Hunger“.

Tatsächlich bestätigten sich in der Aussprache viele der Mythen und Legenden über den Wolf, die Hans Slama aus der Historie über das Tier angesprochen hatte. Viele Menschen kennen ihn ausschließlich als den Bösen aus den Märchen der Kindertage. Tatsächlich hat sich vor rd. 14.000 Jahren bereits entwickelt und er ist der Vorläufer unserer Hunde. Er ist respekteinflößend und stark, kann bis zu 80 Kilometer in der Nacht zurücklegen und bis zu 13 Jahre alt werden und seine Population geht rasch voran.

Vor 150 Jahren war der Wolf nahezu ausgerottet, und zwar sehr gezielt mit teilweise grausamsten Methoden wie Hans Slama auch bildlich dokumentierte. Den ersten Wolf in Deutschland hat man wieder im Jahr 2000 entdeckt, 2016 konnte man 46 Wolfsrudel zählen, was etwa 500 Tieren entspricht.

Und aus der Sicht der Jäger ist die Reduktion des Wildbestands durch den Wolf relativ gering. Und man sagt ihm nach, der Bruder des Krieges zu sein. Da das Tier aber auch für Stärke und Kraft steht, sind sehr viele Namen von ihm abgeleitet: Ulf, Wolfgang, Wolfsburg, Wolfenbüttel, u.v.m. Ein Kurzfilm, den Franz Brenneis zusammengestellt hatte und den Hegeringleiter Carsten Schäfer zeigte, brachte die Ansichten der Weidetierhalter in die Öffentlichkeit, die ihre Tiere durch Schutzhunde, persönliche Präsenz und Elektrozäune vor dem Wolf zu schützen versuchen. Allerdings geht es ihnen nicht um ein Tier, das der Wolf eventuell wegen seines Hungers reißt, sondern um den Blutrausch, in dem er sich über die ganze Herde hermacht.

Wie Tobias Kuhlmann vom Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis und beschäftigt mit dem sog. „Wolfmanagement“ ausführte, sei das Thema äußerst emotional, obwohl in der Region bisher nur drei Tiere, tatsächlich von Wölfen gerissen worden seien. Im Neckar-Odenwald-Kreis sei die Situation rechtlich sehr besonders, weil man direkt an der Grenze zu Bayern und Hessen liege und alle drei Länder gehen mit der Population des Wolfes anders um.

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Das Tier hat in Deutschland den höchstmöglichen Schutzstatus, dürfe also auf nicht bejagt werden. Allerdings könne ein Tier „entnommen“ werden, wenn es nachweislich erhebliche, unverhältnismäßig hohe Schäden anrichtet. Doch Schäden von Wildtieren werden vom Staat nicht ersetzt. In Baden-Württemberg hätten Landesnaturschutzbund, NABU und BUND eine Trägergemeinschaft gebildet, die freiwillig entstandene Schäden ausgleiche.
2016 waren das wegen deutschlandweiter Wolfsübergriffe 135.140 Euro, für Herdenschutzmaßnahmen wurde im gleichen Zeitraum über eine Million ausgegeben. Tobias Kuhlmann gab außerdem noch Ratschläge zu Verhaltensmaßnahmen, sollte man urplötzlich einem Wolf gegenüberstehen: „Respektvoll mit dem Tier umgehen, nicht wegrennen, sondern stehen bleiben, Krach machen“.

Kreisjägermeister Dr. Henner Heitmann konterte: „Kein Jäger hat die Absicht, den Wolf zu bejagen. Das macht uns keinen Spaß“. Er war der Meinung, dass derjenige, der ihn nach Deutschland geholt hat, dafür zu sorgen habe, dass das Tier so wenig Schaden wie möglich anrichtet. In diesem Fall würden Bauern und Jäger an einem Strang ziehen und erwarten, dass die Schutzmaßnahmen der Weidetierhalter staatlicherseits ersetzt werden. Außerdem wehrte er sich gegen das Unwort „Wolfsmanagement“, denn Wildtiere könne man nicht managen.

Ernst Wagner, der in seiner Heimat Rumänien bereits oft mit dem Wolf konfrontiert worden war, meinte sehr eindringlich: „Vor dem Wolf muss man keine Angst haben, der zweibeinige Wolf ist sehr viel gefährlicher“. Er warnte wie Dr. Heitmann auch, vor einer Hysterie gegen den Wolf und führte aus, dass der Wildbestand nachweislich sehr gesund sei, wo der Wolf vorkommt. Das Tier habe sehr schlechte Augen, aber einen hervorragenden Geruchssinn, und jage hauptsächlich nachts.

Eine rege Diskussion schloss sich den Ausführungen der Fachleute an, in der auch deutlich wurde, dass Attacken von Hunden, die der Mensch zu Waffen erzogen hat, im fünfstelligen Bereich höher sind als die von Wölfen, die eher als menschenscheu eingestuft werden.

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