Falsche Tierliebe schadet Vogelnachwuchs

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(Symbolbild – TanjaVdB/Pixabay)

Rufe gelten den Vogeleltern

Stuttgart.  (pm) Nach einer Kältephase nimmt jetzt mit den milderen Temperaturen die Brutsaison wieder an Fahrt auf. Nach den früh brütenden Eulen kümmern sich nun auch die Amseln um ihren ersten piependen Nachwuchs und suchen in Gärten, Parks und auf anderen Grünflächen nach proteinreichem Futter, etwa nach Würmern und Insektenlarven.

Den NABU erreichen im Frühjahr viele Anfragen von besorgten Tierfreundinnen und -freunden, die scheinbar verlassene Jungvögel entdecken. Nicht wenige dieser Tiere werden dem NABU-Vogelschutzzentrum in Mössingen gebracht. Der dortige Rat lautet: „Erst beobachten, dann eingreifen. Die unerfahrenen und im Fliegen noch ungeübten Vogeljungen wirken auf den ersten Blick oft hilflos.

Sie aufzunehmen ist jedoch meist falsch verstandene Tierliebe“, sagt dessen Leiter, Daniel Schmidt-Rothmund. Der Ornithologe sagt: „Lassen Sie die halbflüggen Jungvögel, so genannte Ästlinge, erstmal sitzen. Sollte nach 20 Minuten kein Elternvogel auftauchen, liegt es vielleicht daran, dass wir zu dicht dran sind und sie sich nicht zu ihren Jungen trauen.

Also lieber noch etwas Abstand nehmen und einige Minuten zuwarten. Wenn dann immer noch kein Altvogel zum Füttern kommt, kann man den Kleinen aufnehmen und versorgen.“

Jungvögel betteln lautstark um Futter

Damit keine Tiere aus der Natur versehentlich entnommen werden, die topfit sind, stellt er klar: „Das herzzerreißende Rufen von scheinbar verlassenen Jungvögel in Gärten und im Wald sind keine Hilfe- sondern Bettelrufe. So halten die Vogeljungen Kontakt zu ihren Eltern. Sie halten sich in der näheren Umgebung ihres verlassenen Nests auf und werden dort weiter von den Altvögeln gefüttert.“

Greift der Mensch in dieser sensiblen Phase ein, unterbricht er die Bindung zwischen Alt- und Jungvogel. Bei Gefahr durch Katzen oder Straßenverkehr könne ein Jungvogel kurz aufgenommen und dann nah am Fundort in einem Busch oder Baum abgesetzt werden. Anders als bei Rehkitzen nehmen Vogeleltern ihre Jungen wieder an, wenn diese von einem Menschen berührt wurden.

„Kuscheln ist aber verboten und Handschuhe beim Berühren empfehlenswert. Jungvögel sind Wildtiere, denen nur in einem Notfall geholfen werden darf. Ansonsten wäre dies ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz.“

Bei Abgabe AHA-Regeln beachten

Für die Abgabe hilfsbedürftiger Vögel gelten beim NABU-Vogelschutzzentrum in Mössingen bestimmte Hygieneregeln. Wer einen verletzten Vogel abgeben möchte, muss die AHA-Regeln beachten und bei der Übergabe allein sein. Läuft bereits eine Aufnahme, bittet der NABU darum, vor dem Hoftor zu warten. Eine Anmeldung ist telefonisch möglich und hilft bei der Terminplanung.

Vogelrisiko: Katze auf der Pirsch

Das Vogelschutzteam dokumentiert alle abgegebenen Vögel und notiert die Ursachen. In den vergangenen zwei Jahren hat das NABU-Vogelschutzzentrum exakt 1.984 Pfleglinge versorgt. Dabei fällt auf, dass die allermeisten Jungvögel unverletzt eingeliefert wurden. Bei den verletzten Jungvögeln sind die Ursachen häufig nicht mehr ermittelbar.

Weitere Gründe sind, dass sie von Katzen, Greif- und Rabenvögeln oder anderen Jägern erbeutet wurden oder mit einem Fahrzeug oder einer Glasscheibe kollidierten. „Freilaufende Katzen auf der Pirsch sind für unerfahrene Jungvögel ein enormes Risiko.

Von den 243 Vögeln, die offenbar von Katzen geschnappt wurden, waren 164 Jungvögel. Naturfreundinnen und -freunde sollten ihren Stubentiger daher nach dem Abendspaziergang ins Haus holen und während der Brutzeit bis Ende August erst mittags wieder rauslassen“, rät Ornithologe Schmidt-Rothmund.

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