Peter Schlär mit seiner Kutsche. (Repro: Liane Merkle)
Mudauer Traditionsbäckerei feiert Jubiläum
Von Liane Merkle
Mudau. Die Landbäckerei Schlär blickt auf 125 Jahre Bäckereigeschichte zurück. Um dieses seltene Jubiläum zu feiern, lud Bäckermeister Peter Schlär seine Belegschaft, Wegbegleiter und Lieferanten am Samstag zu einer ausgiebigen Feier in die Mudauer Odenwaldhalle ein.
„Unser täglich Brot gib uns heute“ – so beten die Menschen seit vielen Jahrhunderten. Die Antwort auf dieses Gebet gibt es in Mudau seit 125 Jahren aus der Bäckerei Schlär. Ihre Geschichte begann 1901.
Damals entschloss sich Urgroßvater Franz Schlär, nach seiner Bäckerlehre, die er in den 1890er-Jahren in Freiburg im Breisgau absolviert hatte, im Mudauer Bembel eine eigene Bäckerei mit Mehlhandlung zu eröffnen. Nebenbei betrieb er eine kleine Landwirtschaft – wie es seinerzeit bei vielen Handwerkern üblich war.
Der Backofen wurde noch mit Holz befeuert und hatte eine Backfläche von etwa zwei Quadratmetern. Doch damit nicht genug: Franz Schlär bewies schon damals seinen Unternehmergeist und eröffnete immer wieder eine Straußenwirtschaft, die bei den Mudauern sehr beliebt war.
Eine Bäckerei mit langer Familientradition

Die Freude an der Gemeinschaft, gute Laune, Hilfsbereitschaft und besondere Ideen gehören bis heute zur Landbäckerei Schlär. Ebenso prägen Fleiß und eine strukturierte Arbeitsweise den Betrieb. Heute beschäftigt die Bäckerei 46 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hinzu kommen drei Filialen, zwei Wiederverkaufsstellen, zahlreiche Lieferkunden sowie ein Verkaufswagen, der 14 Ortschaften bedient.
Der 63-jährige Peter Schlär absolvierte seine Lehre bei seinem Vater Karl. Nach einigen Jahren als Geselle in der Bäckerei Lind in Seckach besuchte er 1985 die Meisterschule in Hannover. Als junger Bäckermeister sammelte er anschließend Berufserfahrung in Kiel, Wörth am Main, Bürgstadt, Mosbach und Kirchzell. 1991 übernahm er die Bäckerei von seinem Vater.
Seit 2016 ist Peter Schlär Obermeister. Zunächst hatte er dieses Amt für die Bäckerinnung Buchen inne, ab 2019 dann gemeinsam mit Mosbach für die Bäckerinnung Neckar-Odenwald. Darüber hinaus ist er stellvertretender Landesinnungsmeister Baden.
Nach der Fusion der Bäckerinnungen aus Baden, Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz zum Bäckerinnungsverband Südwest wurde er dort Vorstands- und Kuratoriumsmitglied. Außerdem ist er Aufsichtsratsmitglied der Bäko Südwest, stellvertretender Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Neckar-Odenwald sowie Rechnungsprüfer im Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks in Berlin.
Auch kommunal und ehrenamtlich ist Peter Schlär seit vielen Jahren engagiert. Von 1989 bis 1994 gehörte er dem Mudauer Gemeinderat an. Zudem ist er Mitglied in zahlreichen Vereinen, unter anderem als erster Vorsitzender der Pferdefreunde Mudau, im Vorstand des BDS Mudau sowie als Spartenleiter und Sprecher der „Historischen Fahrzeuge“ im HVV Mudau.
Auszeichnungen für regionale Backwaren
Die Landbäckerei Schlär stellt ihre Backwaren ausschließlich aus regionalen Zutaten und mit selbst hergestelltem Sauerteig her. Für ihre Qualität wurde die Bäckerei mehrfach ausgezeichnet. 2013 kürte sie das Magazin „Der Feinschmecker“ zu einer der besten Bäckereien Deutschlands. 2023 erhielt der Betrieb in München den Bundesehrenpreis des Deutschen Bäckerhandwerks.
Vom Holzofen zum modernen Backbetrieb

Auch eine Straußenwkrtschaft wurde in der langen Geschichte des Unternehmens immer wieder betrieben und erfreute sich großer Beliebtheit bei den Mudauern. (Repro: Liane Merkle)
Zurück zur Betriebsgeschichte: In Mudau gab es damals noch sechs kleine Bäckereien. 1933 übernahm Großvater Karl Schlär den Betrieb im Bembel. 1945 wurde die Bäckerei durch amerikanische Brandbomben vollständig zerstört. Doch die Familie ließ sich nicht unterkriegen und baute den Betrieb wieder auf. Während der Übergangszeit durfte Karl Schlär den Backofen des damaligen Gasthauses Hirsch nutzen.
Nach einem schweren Unfall von Karl Schlär senior übernahm Karl Schlär junior 1960 die Bäckerei. Sein Handwerk hatte er 1951 im Mannheimer Stadtteil Lindenhof erlernt. Anschließend war er bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall und Füssen verpflichtet. Bis dahin war der große Backofen noch mit Holz oder Briketts beheizt worden. 1976 schaffte Karl Schlär einen modernen Ölofen mit sechs Quadratmetern Backfläche an. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte der Betrieb bereits vier Mitarbeiter.
Als Peter Schlär die Bäckerei 1991 von seinem Vater übernahm, begann er umgehend mit dem Umbau des heutigen Standorts. Dort entstand eine Bäckerei mit einer Backofenfläche von zwölf Quadratmetern und einem Verkaufsladen. Noch im selben Jahr zog der Betrieb an den neuen Standort um.
Nur sechs Jahre später verfügte der Backofen bereits über eine Backfläche von 18 Quadratmetern. Diese Kapazität wurde dringend gebraucht und ermöglichte Peter Schlär 1998 als einzigem Badener gemeinsam mit Kollegen aus Württemberg die Teilnahme an einem Guinness-Rekordversuch: Auf dem Stuttgarter Schlossplatz entstand im Zeichen der „3 Löwen Baden-Württemberg“ der größte Apfelkuchen der Welt. Er maß 640 Quadratmeter und wurde als sozialer Beitrag gebacken. Insgesamt wurden 43.200 Kuchenstücke an die Feiernden verteilt. Der damalige Wirtschaftsminister Walter Döring schnitt den Kuchen mit an und verkaufte Stücke.
Ausbau und gesicherte Zukunft in fünfter Generation

2001 feierte die Bäckerei ihr 100-jähriges Betriebsjubiläum, unter anderem gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Willi Stächele. 2005 übernahm die Landbäckerei Schlär im Beisein von Peter Hauk, dem damaligen Minister für Ernährung und ländlichen Raum, die Buchener Bäckerei Müller als Filiale. Mit neuen Backöfen konnte die Backfläche auf 32 Quadratmeter erweitert werden.
Während der Coronazeit überraschte Peter Schlär seine Kundinnen und Kunden mit einer besonderen Auslieferungsmethode: Er spannte seine Pferde vor die Bäckerkutsche und brachte die Backwaren auf diese Weise zu ihnen.
Besonders freut Peter Schlär, dass der Fortbestand des Betriebs gesichert ist. Sein Sohn Peter Schlär junior ist ebenfalls Bäckermeister und hat seine Meisterprüfung bereits 2021 abgelegt. Damit wird die Landbäckerei Schlär in fünfter Generation weitergeführt.



