(Foto: BUND/Helmut Weller)
Wildkatzenwald schafft neue Lebensräume
Eberbach. (pm) Wenn es draußen dunkel wird, begibt sich eine der scheuesten Bewohnerinnen unserer Wälder auf die Jagd. Die Rede ist von der Europäischen Wildkatze (Felis silvestris).
Mit ihrem buschigen, geringelten Schwanz und der stumpfen Schwanzspitze ist sie gut an das Leben im Wald angepasst. Ihr ockerfarbenes, verwaschenes Fellmuster bietet zwischen Gehölzen, Totholz und Laub eine ausgezeichnete Tarnung.
Die Wildkatze gilt als typische Art strukturreicher Wälder. In Baden-Württemberg galt sie bis 2006 als ausgestorben. Inzwischen breitet sie sich wieder aus. Auch in der Nähe der Projektflächen des Wildkatzenwaldes bei Eberbach wurde die Art bereits nachgewiesen.
Eine sichere Unterscheidung von Wild- und Hauskatze ist anhand äußerer Merkmale allerdings sehr schwierig. Wildkatzen sind meist etwas größer und schwerer als Hauskatzen und haben einen buschigeren Schwanz. Vor allem ihre Lebensweise unterscheidet sie: Die nachtaktiven Wildtiere meiden die Nähe zu Siedlungen und benötigen große, zusammenhängende Waldgebiete.
Dort sind sie auf störungsarme Rückzugsorte, ausreichend Deckung und genügend Nahrung angewiesen. Auf ihrem Speiseplan stehen überwiegend Wühlmäuse. Aber auch andere kleine Nagetiere werden zur Beute.
Besonders geeignete Lebensräume sind abwechslungsreiche Wälder mit Waldwiesen, Lichtungen, jungen Baumbeständen, Windwurfflächen und strukturreichen Waldrändern. Sie bieten Schutz, Wärme und ausreichend Nahrung.
Für die Aufzucht ihrer Jungen nutzt die Wildkatze beispielsweise Baum- und Wurzelhöhlen, Felsspalten, Baumstümpfe oder geschützte Reisighaufen. Die Paarungszeit fällt in den Februar und März. Zwischen Ende März und Mitte Mai kommen die kleinen Kätzchen zur Welt.
Um solche Lebensräume zu fördern, wurden im Wildkatzenwald bei Eberbach gezielt neue Strukturen geschaffen. Im Winter 2024/25 pflanzten der BUND Baden-Württemberg und die Stadtförsterei Eberbach gemeinsam mit einer Schulklasse und weiteren Freiwilligen auf drei Flächen mehr als 2.000 heimische Bäume und Sträucher.
Im Rahmen des Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ entstanden dabei unter anderem ein rund 350 Meter langer, artenreicher Waldrand, sechs Gehölzinseln und ein neuer Eichenmischwald. Gemeinsam bepflanzten die beiden Projektpartner drei Flächen, die durch Trockenheit und Borkenkäferbefall geschädigt worden waren.
Insgesamt wurden so 14 verschiedene klimaangepasste Gehölze gepflanzt, welche neben der Wildkatze auch vielen Insekten, Vögeln und Kleinsäugern sowohl Lebensraum als auch Nahrung bieten.
„Dass in der Nähe der Projektflächen bereits Wildkatzen nachgewiesen wurden, unterstreicht die Bedeutung der Maßnahmen. Die gute Zusammenarbeit zwischen dem BUND und der Stadtförsterei ist dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor. Wir freuen uns, die Vielfalt und Biodiversität im Eberbacher Wald weiter zu erhöhen“, erklärt Michael Merkert, der die Arbeiten im Revier Gretengrund geleitet hat. Er behält die Entwicklung der Flächen im Blick und stimmt die notwendigen Pflegemaßnahmen mit den Forstwirten der Stadtförsterei ab.
Auch der Abbau alter Zäune trägt zum Schutz der Wildtiere bei. Im Rahmen des „Workcamp Wildkatzenwald“ von BUND und BUNDjugend entfernten im August 2026 20 junge, naturbegeisterte Menschen rund 1.400 Meter alte Metallzäune und errichteten zwei sogenannte Wildkatzenburgen aus Totholz.
Denn in Knotengitterzäunen können sich Wildkatzen und andere Tiere verfangen und verletzen. Die Totholzhaufen bieten dagegen geschützte Rückzugsorte. Gemeinsam mit Wurzeltellern, Habitatbäumen, Waldwiesen und naturnahen Waldrändern schaffen sie wertvolle Strukturen, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zugutekommen.
So entsteht bei Eberbach Schritt für Schritt ein vielfältiger und widerstandsfähiger Wald, der auch den Herausforderungen des Klimawandels besser begegnen kann. Davon profitieren nicht nur die heimliche Wildkatze, sondern auch viele weitere Arten.



