Ist Darmkrebs vermeidbar?

Neckar-Odenwald-Kreis/Buchen. Ist Darmkrebs vermeidbar? Diese Frage interessierte mehr als 80 Zuhörer, die in den Neckar-Odenwald-Kliniken, Standort Buchen, zusammen gekommen waren, um die Ausführungen Dr. Rüdiger Mahlers zu diesem wichtigen Thema zu hören. Der Mediziner, Chefarzt und erfahrener Gastroenterologe am Buchener Krankenhaus und damit ausgewiesener Spezialist für den menschlichen Magen-Darm-Trakt, war „freudig überrascht“ über dieses sehr große Interesse: „Wenn sie das, was sie hier erfahren, nach außen tragen und andere darüber informieren, dann haben wir heute sehr viel erreicht.“

Weniger die Frage nach der Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen dieser „stillen“ – weil meist viel zu lange unbemerkten – Krankheit stand im Mittelpunkt des Vortrags, sondern die Vorsorge. „Darmkrebs ist in absoluten Zahlen die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Statistisch gesehen erkranken sechs von 100 Deutschen irgendwann daran. Ein positiver Aspekt ist, dass Darmkrebs sehr gut erforscht ist; und deshalb wissen wir auch, dass Vorsorge die Entstehung der Krankheit tatsächlich verhindern kann“, betonte Dr. Mahler, der in der Folge immer wieder auf die Darmspiegelung (Coloskopie) zu sprechen kam, die von allen möglichen Untersuchungen der „Goldstandart“ sei: „Daran müssen sich alle anderen Untersuchungsmethoden messen lassen.“

Tatsächlich entsteht Darmkrebs zu rund 90 Prozent aus zunächst gutartigen Polypen, Zellwucherungen an der Darmschleimhaut, die keinerlei Beschwerden machen, sich aber im Laufe von fünf bis zehn Jahren zu bösartigen Tumoren entwickeln können. Werden diese noch harmlosen Polypen bei einer Darmspiegelung rechtzeitig erkannt und quasi im gleichen Arbeitsgang endoskopisch entfernt, ist die Gefahr in aller Regel für etliche Jahre gebannt. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn ein familiäres bzw. genetisches Risiko besteht. Das ist der Fall, wenn Verwandte ersten Grades – also Eltern oder Großeltern – an Darmkrebs erkrankt sind. „Dann müssen wir besonders früh in die Vorsorge einsteigen“, erklärte Dr. Mahler, der auch die grundsätzlich gesundheitsfördernde Bedeutung von gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung und der Vermeidung von Übergewicht erwähnte.
Grundsätzlich steigt das Risiko einer Erkrankung mit zunehmendem Alter. Ab 50 Jahren steigt die Kurve rapide an. Und obwohl schon seit 2002 die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten einer Darmspiegelung ab dem 56. Lebensjahr übernehmen, nutzen nur rund drei Prozent aller Berechtigten dieses Angebot. Obwohl der große Nutzen aufgrund der in acht Jahren erhobenen Daten zweifelsfrei fest steht. Mit anderen Worten: Dank der wahrgenommenen Vorsorgeuntersuchungen konnten in geschätzten 150.000 Fällen ein tödlicher Verlauf der Erkrankung bzw. die Entstehung der Krankheit verhindert werden.

Aus guten Gründen also kam der Gastroenterologe, zu dem sich im Laufe des Vortrags auch sein chirurgischer Kollege, Chefarzt Dr. Harald Kirr, gesellte, immer wieder auf die Darmspiegelung zurück: „Sprechen Sie einfach ihren Hausarzt an. Die Vorbereitung, also die völlige Entleerung des Darms, können wir Ihnen nicht ersparen, aber auch das ist nur halb so schlimm. Und bei der maximal halbstündigen Untersuchung schlafen sie bei uns.“

In der Folge gingen beide Mediziner, die eng zusammenarbeiten und sich regelmäßig über konkrete Fälle austauschen, sehr kompetent und verständlich auf die Fragen der Zuhörer ein. Ihr Zusammenarbeit gerade im Bereich Magen-Darm soll in den Neckar-Odenwald-Kliniken noch weiter intensiviert werden: „Wir ergänzen uns ideal und profitieren voneinander – zum Wohl unserer Patienten.“

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