„Basta-Politik“ auf dem Rücken der Betroffenen

AchimBroetelLandrat Dr. Achim Brötel kritisiert die „Basta-Politik“ der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall. (Foto: pm)

Neckar-Odenwald-Kreis. Momentan vergeht beinahe kein Tag, an dem der Zentralisierungswahn nicht erneut um sich greift. Und: immer zählt der Ländliche Raum zu den Verlierern. In dieses Bild fügt sich jetzt nahtlos auch die überraschende Mitteilung der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim ein, ihr Dienstleistungsangebot in den Geschäftsstellen Buchen, Bad Mergentheim und Wertheim mit Beginn des neuen Jahres deutlich zu reduzieren. „Das ist ‚Basta-Politik’ auf dem Rücken der betroffenen Bürger“, so Landrat Dr. Achim Brötel in einer ersten Reaktion auf den deutlich schlechteren Service, den die Arbeitsagentur künftig vor Ort bieten will. So schnell wie hier sei das Feigenblatt nach einer Fusion noch nie gefallen. Habe die Arbeitsagentur bis zuletzt vollmundig verkündet, dass sich durch die Zusammenlegung mit Schwäbisch Hall für die Kunden nichts ändern werde, werde das bereits wenige Wochen später explizit Lügen gestraft. Leidtragende seien aber einmal mehr die Menschen, die schon jetzt weite Wege zu bewältigen hätten, die künftig dann sogar noch weiter würden.




Mindestens genauso wie die Entscheidung selbst ärgert Dr. Brötel aber auch die Art und Weise, wie sie offenbar zu Stande gekommen ist: Ohne Vorankündigung, einsam und allein und ohne Beteiligung der kommunalen Vertreter. „Das ist ganz schlechter Stil“, so Dr. Brötel, der als einziger kommunaler Vertreter aus dem Neckar-Odenwald-Kreis dem Verwaltungsausschuss der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim angehört, von der Geschäftsleitung vorher aber auch nicht über die geplante Maßnahme informiert worden war. Scheinbar sei es dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung, Guido Rebstock, der persönlich auch vom „Jobwunder in der baden-württembergischen Ministerialbürokratie“ profitiere und zum 1. Januar in das Wirtschaftsministerium nach Stuttgart wechsle, egal, wie es mit der Arbeitsagentur vor Ort weitergehe. Den handelnden Akteuren werde dadurch noch nicht einmal ansatzweise die Möglichkeit eingeräumt, etwaige Alternativlösungen auch nur auszuloten. Stattdessen wolle man jetzt aus welchen Gründen auch immer aber wohl vollendete Tatsachen schaffen. „Bisher waren wir von der Arbeitsagentur ein gutes Miteinander gewöhnt“, so Dr. Brötel. Dieser Kurs werde jetzt bedauerlicherweise aber verlassen.

Im Übrigen brauche, so der Landrat, wirklich niemand glauben, dass durch irgendeine Zentralisierung von Einrichtungen tatsächlich eine Verbesserung vor Ort eintrete. Bei der Polizeireform oder bei der Zentralisierung der Vereinsregister werde man vielmehr ebenfalls schnell merken, dass Anspruch und Wirklichkeit schlicht nicht miteinander in Einklang zu bringen seien: „Dann gehört es aber zur ganzen Wahrheit dazu, das den Menschen auch so ganz offen zu sagen.“

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