buylocal – Für Lebensqualität in der Region

von Simone Schölch

Buylocal

(Foto: Stefan Leis)

Buchen. Weihnachten will oder soll so vieles sein. Betont nüchtern betrachtet ist es aber vor allem eines: Das Fest der großen Geschenke. Ein Blick in die Innenstädte zeigt hektisches Gedränge. Ein weiteres Geschäft boomt wie kaum ein anderes: Das der Paketzusteller. Sie liefern die vielen, vielen Internetbestellungen. Und es werden immer mehr.

„Klar, Internetbestellungen sind praktisch. Rund um die Uhr geöffnet, keine Anfahrt, keine Parkplatzsuche. Dafür große Auswahl zu oft günstigen Preisen und die Möglichkeit, die Ware bei Nichtgefallen relativ problemlos zurückzuschicken“, weiß auch Johannes Volk von der Buchhandlung Volk in Buchen. Aber er weiß auch von den Schattenseiten. Und es trifft ihn, dass da „einfach weggeschaut“ wird: „Keiner überlegt, was für Folgen dieses Kaufverhalten mittel- und langfristig hat.“

Hier will er ansetzen, mit vielen anderen Buchhändlern, die gemeinsam die Initiative „buylocal“ (etwa „kauf vor Ort“) gegründet haben. Sie verstehen sich nicht als Sprecher allein für den Buchhandel, sondern für den gesamten Einzelhandel: „Wir Einzelhändler müssen dem Bürger und Kunden klar machen, dass ihre ganz persönliche Kaufentscheidung maßgeblich das Aussehen und die Lebensqualität ihrer Region beeinflusst.“ Zu diesem Zweck wurde ein bundesweites Gütesiegel kreiert, das nur die Einzelhändler und Unternehmen erhalten, die bestimmte Richtlinien (siehe Kasten) erfüllen. Eine Zertifizierung also, die als Vorreiter im Kreis auch die Buchhandlung Volk erworben hat. Bürgermeister Roland Burger, der von der Initiative überzeugt ist, hat aus gutem Grund gratuliert: „Wenn hier nicht gegengesteuert wird, dann schließen immer mehr traditionelle Einzelhändler. Leerstand oder überall gleiche Ketten mit den gleichen Produkten sind die Folge, die Innenstädte werden immer austauschbarer. Gewerbesteuer geht verloren, Arbeits- und Ausbildungsplätze ebenso. Und gerade die Ketten zahlen oft unter Tarif. Deshalb unterstütze ich „buylocal“ ausdrücklich.“




Johannes Volk ist nicht grundsätzlich gegen Internetbestellungen. „ Ich  nutze das ja selber gelegentlich für Dinge, die ich hier nicht bekommen kann. Aber ich bestelle ganz bewusst bei Einzelhändlern, die wie ich eine homepage mit Bestellmöglichkeiten haben – und nicht beim seelenlosen Internetversandhandel. Von diesem Handel hat unsere Region hier gar nichts. Die dort beschäftigten Leute verdienen meist weit unter Tarif, haben befristete Arbeitsverträge und werden oft regelrecht ausgebeutet. Und den Paketzustellern geht es nicht besser.“

Natürlich muss der Buchhändler auch seinen eigenen Umsatz im Blick haben. Gerade bei Büchern boomen die Bestellungen am heimischen Computer. Deshalb hat auch er vor acht Jahren einen „webshop“ eingerichtet, die Möglichkeit also, auf seiner homepage bestellen zu können. Das Geschäft läuft gut und Volk rät den Kollegen, hier einzusteigen: „Man muss einfach mit der Zeit gehen. Aber jeder Kunde sollte sich beim online-Kauf überlegen, wen er mit seinem Kauf tatsächlich unterstützen will.“

Seine Argumente sind einleuchtend: Mittelständischer, inhabergeführter Einzelhandel schafft Arbeitsplätze zu fairen Bedingungen. Die Löhne der Mitarbeiter und die Gewinne der Firmen fließen in hohem Maß zurück in die Stadt. Dank der vor Ort gezahlten Steuern kann Infrastruktur erhalten oder geschaffen werden. Verantwortungsbewusste Einzelhändler unterstützen Institutionen und Initiativen vor Ort. Interessante Läden machen attraktive Innenstädte, die Folge: Touristen und Gäste kommen gern. „Und davon profitieren alle, nicht nur der Einzelhändler“, so Volk: „Unserer Botschaft lautet deshalb: Kauf nicht bei mir, sondern kauf da, wo es mittelfristig auch für dich sinnvoll ist.“

Ein weiterer Aspekt ist ihm wichtig: Die individuelle Beratung und der menschliche Kontakt. Beides bleibt vor dem Computer auf der Strecke. Onlinekaufen sei zwar bequem, aber auch ein Stück „asozial“ im eigentlichen Sinn: „Die Kommunikation mit einem Computer beschränkt sich auf ein paar Mausclicks. Wie viel spannender ist das in einem Laden, in dem ich nicht nur mit dem Verkäufer oder Inhaber, sondern auch mit anderen Kunden in Kontakt treten und echte Infos austauschen kann?“

Richtlinien zur Teilnahme an buylocal

Unternehmen, deren Inhaber das Gütesiegel buylocal erhalten möchten, müssen unter anderem ihre Läden in Innenstädten und Stadtteilen (nicht in Einkaufszentren) betreiben und ihrer Steuerpflicht in der Region nachkommen. Sie nehmen Teil am kulturellen Leben und engagieren sich gesellschaftlich. Die Mitgliedsfirmen garantieren faire Arbeitsbedingungen und achten sehr auf die Freundlichkeit, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und Kompetenz ihres Personals. Sie bevorzugen – so weit wie möglich – regionale Produkte. Eine eigene website inklusive webshop, muss vorhanden sein. Sie empfehlen weitere buylocal-Unternehmen, um die Vision weiterzutragen und dadurch die Regionen zu stärken. Weitere Informationen gibt es unter www.buylocal.de oder bei Johannes Volk, buchhandlungvolk@t-online.de, Telefon 06281/8922.

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1 Kommentar

  1. Die Idee ist sehr gut und sollte auch auf andere Bereiche ausgeweitet werden. Aber warum muss jede gute Idee einen englischen Namen bekommen?
    Ist eigentlich widersinnig einer lokalen Aktion einen internationalen Namen zu verpassen.
    Merry X-mas Klaus

Kommentare sind deaktiviert.